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Schweinfurt ist klamm – aber fahren unsere Busse am Bürger vorbei?
Große Elektrobusse mit wenigen Fahrgästen, steigende Ticketpreise, ein Stadtbus-Streit ohne Ende und E-Scooter, die Gehwege erobern. Während Schweinfurt sparen muss, stellt sich eine unbequeme Frage: Ist unsere Verkehrsplanung eigentlich noch für die Menschen da?
Von Sandra Grätsch | SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten | 16. Oktober 2026
Liebe Leute, heute wird es wieder einmal Zeit für ein ordentliches Sandra Spezial. Und diesmal geht es um etwas, das uns alle betrifft. Ob jung oder alt, mit Auto, Bus, Rollator oder E-Scooter.
Es geht darum, wie wir in Schweinfurt von A nach B kommen. Oder besser gesagt: Wie wir manchmal eben nicht dorthin kommen, wo wir eigentlich hinwollen.
Denn ich frage mich inzwischen ernsthaft: Planen wir in Schweinfurt unseren Verkehr für die Bürger – oder müssen sich die Bürger gefälligst nach dem Verkehrsplan richten?
Und bevor jetzt wieder jemand sagt, die Sandra würde nur schimpfen: Nein, meine Lieben. Diesmal gibt es nicht nur meine Meinung, sondern auch handfeste Fakten. Und die sind durchaus interessant.
Schweinfurt muss sparen – und die Busse fahren weiter
Fangen wir beim Geld an. Die Stadt Schweinfurt steckt finanziell in erheblichen Schwierigkeiten. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass die Regierung von Unterfranken den städtischen Haushalt nicht genehmigt hat.
Schweinfurt befindet sich in einem haushaltslosen Jahr. Investitionen benötigen besondere Genehmigungen, freiwillige Zuschüsse werden gekürzt, und die Verantwortlichen müssen ein Konzept zur Haushaltskonsolidierung erarbeiten.
Das ist kein kleines finanzielles Problemchen, das man mit einem Griff in die Portokasse löst. Aber genau deshalb muss man doch fragen dürfen, ob jeder Euro sinnvoll eingesetzt wird.
Und damit wären wir bei unseren Stadtbussen.
Große Elektrobusse – und manchmal fährt die Luft spazieren
Ich beobachte hier in Schweinfurt immer wieder große Busse, in denen nur wenige Fahrgäste sitzen. Manchmal sehe ich sogar einen Bus, in dem außer dem Fahrer überhaupt niemand zu erkennen ist. Und dann frage ich mich: Muss das wirklich sein?
Versteht mich nicht falsch. Ich habe überhaupt nichts gegen Elektrobusse. Saubere Luft, weniger Lärm, moderne Technik – wunderbar.
Aber wenn ein großer Bus mit vielleicht zwei Fahrgästen durch die Gegend fährt, dann darf man doch darüber nachdenken, ob auf manchen Strecken und zu bestimmten Tageszeiten nicht ein kleineres Fahrzeug ausreichen würde.
Die Stadtwerke haben im Dezember 2025 mitgeteilt, dass inzwischen 23 Elektrobusse in ihrer Flotte unterwegs sind. Damit ist mehr als die Hälfte ihres eigenen Busfuhrparks elektrisch.
Das ist eine beachtliche Investition in moderne Technik. Aber die entscheidende Frage lautet für mich nicht, wie viele Elektrobusse wir besitzen.
Die entscheidende Frage lautet: Wie viele Menschen bringen wir damit sinnvoll an ihr Ziel – und zu welchen Kosten?
Natürlich weiß ich, dass ein Bus, der an einer Haltestelle leer aussieht, zehn Minuten später gut gefüllt sein kann. Schülerverkehr, Berufsverkehr, Anschlüsse und Umlaufpläne müssen berücksichtigt werden.
Deshalb brauchen wir echte Auslastungszahlen nach Linien und Tageszeiten. Denn ein kleiner Bus ist nicht automatisch billiger. Auch er braucht einen Fahrer, Wartung und Energie.
Aber ohne diese Zahlen können wir doch überhaupt nicht beurteilen, ob unser Verkehrssystem wirtschaftlich und bedarfsgerecht organisiert ist.
Erst der Kompromiss, dann der nächste Krach
Dass mit dem Schweinfurter Stadtbusnetz nicht alle zufrieden sind, ist inzwischen hinreichend bekannt. Nach der großen Umstellung im Januar 2025 regte sich erheblicher Widerstand. Es kam zu einem Bürgerbegehren mit dem Ziel, zum früheren Bussystem zurückzukehren.
Im Januar 2026 einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss. Das Bürgerbegehren wurde zurückgezogen. Verbesserungen sollten folgen.
Wunderbar, dachte man vielleicht. Jetzt ist endlich Ruhe. Pustekuchen!
Im Sommer 2026 ging der Streit weiter. Ende Juli scheiterten weitere Gespräche zwischen der Stadt und Vertretern der Initiative. Die Beteiligten machten sich gegenseitig Vorwürfe.
Die Initiatoren kündigten ein zweites Bürgerbegehren an. Und Ende September beschäftigte sich der Stadtrat erneut mit der Umsetzung des Stadtbus-Kompromisses.
Die Stadtwerke und die Stadt verweisen auf bereits umgesetzte Verbesserungen. Die Kritiker halten diese für unzureichend. Dabei geht es unter anderem um Linienführungen, Umsteigemöglichkeiten, Verbindungen zum Marktplatz und die Abstimmung mit dem übrigen Nahverkehr.
Nach Angaben in einer Stadtratsvorlage vom September tragen die Stadtwerke für bereits vorgenommene Verbesserungen Mehrkosten in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.
Das ist nicht gerade Kleingeld. Und trotzdem wird weiter gestritten.
Da frage ich mich: Wie viele Sitzungen, Gutachten und Kompromisse brauchen wir eigentlich, bis die Fahrgäste sagen können: Ja, jetzt passt es?
Harald-Hamberg-Straße – ich schaue mir das täglich an
Hier in der Harald-Hamberg-Straße beobachte ich selbst den Busverkehr. Und manchmal frage ich mich wirklich, welche Überlegungen hinter den Fahrwegen stecken.
Da begegnen sich Busse, und manche Linienführungen erscheinen mir auf den ersten Blick ungewöhnlich.
Vielleicht gibt es dafür gute Gründe. Vielleicht sind es notwendige Umläufe, Anschlüsse oder Fahrten zu bestimmten Haltestellen. Das will ich gar nicht bestreiten.
Aber ich möchte verstehen, warum die Busse so fahren. Und vor allem möchte ich wissen, ob die Menschen in den betroffenen Wohngebieten mit diesen Verbindungen zufrieden sind.
Denn ein Fahrplan kann auf dem Schreibtisch noch so hervorragend aussehen. Wenn die Oma mit ihrem Rollator die Haltestelle nicht vernünftig erreicht, hilft ihr auch die schönste Liniengrafik nichts.
Die Fahrkarten werden teurer – aber wird der Nahverkehr besser?
Zum 1. August 2026 wurden die Fahrpreise im Nahverkehr Mainfranken durchschnittlich um 4,8 Prozent angehoben. Auch Schweinfurt ist davon betroffen.
Die Begründung: Die Qualität des Angebots soll langfristig gesichert werden. Das kann man nachvollziehen. Personal, Energie, Fahrzeuge und Wartung kosten Geld.
Aber die Fahrgäste dürfen dann doch auch fragen, was sie für ihr Geld bekommen.
Mehr Verbindungen? Bessere Anschlüsse? Kürzere Wege zur Haltestelle? Oder einfach nur eine höhere Rechnung?
Denn wenn der Fahrpreis steigt, während Menschen gleichzeitig ihre gewohnten Verbindungen vermissen, dann ist Ärger vorprogrammiert.
Die Bürger sollen mehr bezahlen. Aber dürfen sie dafür auch mehr erwarten?
Andere Städte denken anders – warum nicht auch Schweinfurt?
In Deutschland gibt es durchaus Städte, die beim Nahverkehr andere Wege gehen.
Pfaffenhofen an der Ilm bietet kostenlose Stadt- und Expressbusse an. Besonders interessant sind die Expressbusse auf Bestellung. Sie fahren bedarfsorientiert dorthin, wo Fahrgäste tatsächlich ein- oder aussteigen wollen.
Das soll unnötige Fahrten vermeiden. Pfaffenhofen ist zwar kleiner als Schweinfurt. Das Modell ist deshalb nicht einfach eins zu eins übertragbar. Aber man kann sich doch ansehen, welche Ideen dahinterstecken.
Monheim am Rhein bietet seinen Einwohnern mit aktiviertem Monheim-Pass kostenlosen Nahverkehr in einem festgelegten Gebiet an.
Augsburg hat seit 2020 eine kostenlose City-Zone. Dort kann man zwischen bestimmten Innenstadt-Haltestellen ohne Ticket fahren.
Erlangen hat ebenfalls einen kostenlosen Innenstadtbereich erprobt. Allerdings wird das Projekt Ende 2026 eingestellt, weil die zusätzlichen Fahrgastzahlen den finanziellen Aufwand nach Einschätzung der Stadt nicht ausreichend rechtfertigen.
Und genau das finde ich wichtig. Man muss nicht jedes Experiment nachmachen. Man muss auch die Misserfolge betrachten. Aber man sollte sich wenigstens anschauen, was andere Städte ausprobieren.
Warum prüfen wir in Schweinfurt nicht einen kostenlosen Innenstadtbereich? Oder kleinere Busse auf Bestellung? Oder ein flexibles Angebot für Wohngebiete, in denen große Busse zu bestimmten Zeiten nur wenig genutzt werden?
Ich behaupte nicht, dass das alles billiger wäre. Aber ich behaupte: Wer gar nicht erst über Alternativen nachdenkt, wird auch keine finden.
E-Scooter – die neue Familienkutsche für drei Personen?
Jetzt muss ich aber noch ein Thema ansprechen, das mir langsam wirklich auf den Geist geht. Unsere E-Scooter.
Ich sehe immer mehr davon. Und nicht nur junge Leute fahren damit herum. Auch ältere Menschen und Rentner sind inzwischen mit diesen Fahrzeugen unterwegs.
Ich kann das verstehen. Ich fahre schließlich selbst E-Scooter.
Aber ich frage mich, ob manche Menschen auch deshalb auf die Roller umsteigen, weil ihnen die Busverbindungen nicht mehr passen.
Das ist eine Frage, keine bewiesene Tatsache. Vielleicht müsste man die Menschen einfach einmal fragen.
Was mich allerdings richtig ärgert, sind diejenigen, die glauben, ein E-Scooter sei eine Mischung aus Rennmaschine und Familienkutsche.
Da fahren zwei Personen auf einem Roller. Manchmal sogar drei!
Und manche sind nach meinem Eindruck mit einem Tempo unterwegs, bei dem ich mich frage, ob die vorgeschriebenen 20 km/h überhaupt noch eingehalten werden.
Ob einzelne Roller tatsächlich schneller fahren, müsste natürlich gemessen werden.
Aber die Vorschriften sind eindeutig: Ein E-Scooter ist für eine Person zugelassen. Weitere Personen dürfen nicht mitfahren. Und auf normalen Gehwegen haben diese Fahrzeuge grundsätzlich nichts verloren.
Trotzdem begegnen mir immer wieder Fahrer, die sich offenbar ihre eigenen Verkehrsregeln zusammenbasteln.
Müssen wir Fußgänger demnächst einen Helm aufsetzen, wenn wir zum Bäcker gehen?
Ich möchte niemandem seinen E-Scooter verbieten. Aber ein bisschen Rücksicht und gelegentliche Kontrollen wären sicher nicht verkehrt.
Denn der Gehweg ist keine Rennstrecke. Und ein E-Scooter ist nun einmal kein Dreisitzer!
Parkhäuser – einsteigen geht, aussteigen wird zum Abenteuer
Habt ihr schon einmal versucht, mit einem modernen, breiteren Auto in einer dieser schmalen Parklücken zu parken?
Da steht links einer, rechts einer, und man selbst sitzt dazwischen wie die Sardine in der Dose.
Wenn man Glück hat, bekommt man die Tür noch einen Spalt auf. Wenn man Pech hat, kann man gleich durchs Schiebedach aussteigen.
Viele moderne Fahrzeuge sind größer und breiter geworden. Nicht nur Elektroautos, sondern auch zahlreiche Verbrenner und SUV.
Aber etliche Parkhäuser wurden für andere Fahrzeugabmessungen gebaut.
Deshalb würde mich interessieren, wie breit die Stellplätze in Schweinfurt tatsächlich sind und ob man bei Sanierungen darüber nachdenkt, sie anzupassen.
Denn Parkraum ist nur dann wirklich brauchbar, wenn man sein Auto nicht bloß abstellen, sondern anschließend auch wieder verlassen kann.
Autonomes Fahren – Zukunftsmusik oder Chance?
In Hamburg werden bereits autonome Shuttlefahrzeuge erprobt. Beim Projekt ALIKE können ausgewählte Testpersonen solche Fahrzeuge nutzen. In der Erprobungsphase fährt noch Sicherheitspersonal mit.
Natürlich sind wir damit noch weit entfernt von einer vollständig fahrerlosen Busflotte.
Aber warum sollte man nicht langfristig darüber nachdenken, ob kleinere, flexible Fahrzeuge auch in einer Stadt wie Schweinfurt sinnvoll sein könnten?
Nicht morgen. Nicht übermorgen. Aber vielleicht bei der nächsten grundlegenden Neuplanung des Nahverkehrs.
Denn wenn wir immer nur das machen, was wir schon immer gemacht haben, brauchen wir uns über fehlende Fortschritte nicht zu wundern.
Und dann gibt es noch die Sache mit den Parkplätzen
Manchmal beobachte ich auch Parkflächen, auf denen Anhänger oder Fahrzeuge über lange Zeit stehen.
Da stellt sich die Frage, ob knapper Parkraum immer sinnvoll genutzt wird.
Natürlich gilt: Auf einem privaten Parkplatz darf der Berechtigte im Rahmen der geltenden Vorschriften grundsätzlich selbst entscheiden, was dort abgestellt wird. Ein länger stehender Anhänger ist also nicht automatisch ein Rechtsverstoß.
Aber das Thema zeigt doch, wie unterschiedlich wir über Parkraum nachdenken.
Die einen suchen verzweifelt einen Stellplatz. Andere Flächen werden langfristig zum Abstellen genutzt. Auch darüber könnte man bei einer umfassenden Verkehrsplanung nachdenken.
Meine Forderung: Erst die Menschen, dann die Pläne!
Liebe Leute, ich bin weder gegen Elektrobusse noch gegen moderne Verkehrskonzepte. Ich bin auch nicht gegen die Stadtwerke. Und ich weiß, dass Verkehrsplanung kompliziert ist.
Aber gerade weil Schweinfurt finanziell unter Druck steht, müssen wir doch besonders genau hinschauen.
Wo fahren Busse tatsächlich mit vielen Menschen? Wo sind sie schlecht ausgelastet? Welche Haltestellen werden gebraucht? Wo fehlen Verbindungen? Was kostet uns der Betrieb wirklich? Und was können wir von anderen Städten lernen?
Vielleicht wäre ein kleinerer Bus auf manchen Strecken sinnvoll. Vielleicht wäre eine bessere Taktung wichtiger als ein kostenloses Ticket. Vielleicht brauchen wir ganz andere Lösungen für ältere Menschen und für Wohngebiete, die schlecht angebunden sind.
Aber eines weiß ich ganz sicher: Ein Nahverkehr ist nicht deshalb gut, weil er auf dem Papier gut aussieht. Er ist dann gut, wenn die Menschen ihn gerne benutzen und zuverlässig ankommen.
Und deshalb möchte ich, dass Stadt, Stadtwerke und Politik endlich noch deutlicher zeigen, wie sie den tatsächlichen Bedarf der Bürger ermitteln und welche Konsequenzen sie daraus ziehen.
Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Denn Schweinfurt kann es sich finanziell nicht leisten, Geld zu verschwenden. Und die Menschen können es sich nicht leisten, bei der Mobilität auf der Strecke zu bleiben.
Der Bürger muss nicht zum Fahrplan passen. Der Fahrplan muss zum Bürger passen!
Jetzt seid ihr gefragt, Schweinfurt!
Ich möchte wissen, wie ihr unseren Stadtbusverkehr erlebt.
Kommt ihr noch überall vernünftig hin? Fehlen euch Haltestellen? Sind die Busse zu bestimmten Zeiten leer oder überfüllt? Würdet ihr einen kostenlosen Innenstadtbus nutzen? Oder wären kleinere Busse auf Bestellung die bessere Lösung?
Und was sagt ihr zu den E-Scootern und unseren Parkhäusern?
Schreibt mir eure Erfahrungen, möglichst mit konkreten Linien, Haltestellen und Uhrzeiten.
Denn vielleicht sollten wir die Menschen, die täglich mit dem Bus fahren, endlich einmal genauso ernst nehmen wie diejenigen, die den Fahrplan entwerfen.
Das war Sandra Spezial bei SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten.
Was raus muss, muss raus! Und heute musste eben die Frage raus, ob Schweinfurts Verkehrsplanung manchmal selbst den Anschluss verpasst hat.
Sandra Spezial ist ein persönlicher, kritischer Meinungsbeitrag. Die geschilderten Beobachtungen sind persönliche Eindrücke. Ein Zusammenhang zwischen E-Scooter-Nutzung und Busangebot sowie die Wirtschaftlichkeit einzelner Linien oder Fahrzeugtypen sind bislang nicht durch belastbare lokale Daten belegt.

