Symbolbild
Das Geld ist schneller weg als der Monat vorbei – was ist eigentlich los?
Von Sandra Grätsch | SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten | 15. Oktober 2026
Mal ganz ehrlich, liebe Leute: Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass euer Geld inzwischen schneller verschwindet, als ihr es verdienen oder eure Rente überhaupt auf dem Konto begrüßen könnt?
Da gehst du einkaufen, hast eigentlich gar nichts Besonderes im Wagen, stehst an der Kasse und denkst: Moment mal, habe ich jetzt Lebensmittel gekauft oder gerade eine Anzahlung auf ein Einfamilienhaus geleistet?
Und kaum bist du wieder zu Hause, wartet schon die nächste Rechnung. Strom, Heizung, Versicherungen, Telefon, Auto. Irgendwas ist immer.
Willkommen im ganz normalen Alltag des Jahres 2026.
Die Inflation steigt wieder – und der Geldbeutel merkt es
Jetzt könnte man sagen: Sandra, übertreib doch nicht, wir haben doch offizielle Statistiken.
Gut, dann schauen wir uns diese Statistiken einmal an.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate in Deutschland im September 2026 bei 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das war der höchste Wert seit Dezember 2023.
Besonders auffällig: Energie verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 14,9 Prozent.
Aber die eigentliche Geschichte beginnt viel früher.
Im Jahr 2020 lag der Preisindex für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke bei 100 Punkten. Im August 2026 waren es bereits 136,7 Punkte.
Das bedeutet: Lebensmittel und alkoholfreie Getränke waren im Durchschnitt rund 36,7 Prozent teurer als im Basisjahr 2020.
Und das ist keine gefühlte Zahl. Das ist amtliche Statistik.
Aus 100 Euro werden fast 137 Euro
Stellen wir uns einmal einen vergleichbaren Einkauf vor, der im Jahr 2020 genau 100 Euro gekostet hätte.
Für denselben statistischen Warenkorb aus Lebensmitteln und alkoholfreien Getränken wären im August 2026 rechnerisch rund 136,70 Euro fällig gewesen.
Das sind 36,70 Euro mehr.
Und jetzt überlegt einmal, wie oft eine Familie im Monat einkaufen muss.
Natürlich kauft nicht jeder dieselben Produkte. Wer viel Frisches kauft, andere Marken bevorzugt oder Angebote nutzt, erlebt andere Preisveränderungen. Aber die Richtung ist eindeutig.
Essen ist kein Luxus. Essen muss jeder.
Und dann kommen die Rechnungen
Beim Einkaufen hört es ja nicht auf.
Die Wohnung muss bezahlt werden. Strom und Heizung laufen weiter. Versicherungen werden fällig, das Auto braucht vielleicht neue Reifen, und wenn die Waschmaschine kaputtgeht, interessiert sie sich herzlich wenig dafür, ob gerade Geld übrig ist.
Besonders schwierig wird es für Menschen, deren Einkommen ohnehin knapp bemessen ist.
Wer jeden Monat mehrere Hundert Euro zurücklegen kann, wird eine höhere Lebensmittelrechnung eher verkraften.
Wer aber nach Miete, Nebenkosten und festen Verpflichtungen nur noch wenig Geld zur Verfügung hat, für den können schon 30 oder 50 Euro zusätzlich ein echtes Problem werden.
Und genau deshalb ist eine durchschnittliche Inflationsrate nicht für alle Menschen dasselbe.
Warum sinken die Preise nicht wieder?
Das ist eine Frage, die ich immer wieder höre.
Wenn die Inflation zurückgeht, müsste doch eigentlich alles wieder billiger werden, oder?
Nein. Und genau darin steckt ein großes Missverständnis.
Wenn die Inflationsrate beispielsweise von sechs auf drei Prozent fällt, steigen die Preise im Durchschnitt immer noch – nur langsamer.
Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre verschwinden dadurch nicht.
Man kann sich das wie eine Treppe vorstellen: Wir sind mehrere Stufen nach oben gegangen. Wenn wir jetzt langsamer steigen, stehen wir trotzdem noch weit oben.
Damit die Preise insgesamt wieder sinken, müsste das Preisniveau tatsächlich zurückgehen.
Was ist mit Löhnen und Renten?
Natürlich sind auch Löhne und Renten in den vergangenen Jahren gestiegen. Das darf man bei dieser Diskussion nicht verschweigen.
Aber entscheidend ist doch nicht allein, was auf dem Gehaltszettel oder Rentenbescheid steht.
Entscheidend ist, was man sich davon noch leisten kann.
Und da sieht die Wirklichkeit von Haushalt zu Haushalt ganz unterschiedlich aus.
Ein Mensch mit gutem Einkommen kann auf einen Restaurantbesuch verzichten und trotzdem ordentlich leben.
Ein anderer überlegt bereits beim Einkauf, ob er sich bestimmte Lebensmittel überhaupt noch leisten kann.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Wenn Sparen irgendwann keinen Spaß mehr macht
Natürlich kann man Preise vergleichen, Sonderangebote nutzen und Verträge überprüfen.
Das ist vernünftig.
Aber ich frage mich: Wie oft sollen die Menschen eigentlich noch sparen?
Beim Essen? Beim Heizen? Beim Autofahren? Beim Urlaub? Bei einem schönen Nachmittag mit den Enkeln?
Irgendwann ist doch der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr von Sparsamkeit sprechen kann, sondern von ständigem Verzicht.
Und das betrifft nicht nur den Einzelnen.
Wenn Menschen weniger Geld für Gaststätten, Geschäfte, Kultur und Freizeit ausgeben können, spüren das auch unsere Unternehmen vor Ort.
Da schließt sich der Kreis zu unserem Bericht über das Wirtshaussterben.
Denn wenn das Geld knapp wird, ist der Besuch im Gasthaus oft einer der ersten Posten, der gestrichen wird.
Meine Meinung: Ein Land muss für seine Menschen bezahlbar bleiben
Ich erwarte nicht, dass alles umsonst ist. Unternehmen müssen wirtschaftlich arbeiten, Beschäftigte wollen vernünftig bezahlt werden, und auch öffentliche Leistungen kosten Geld.
Aber ich erwarte, dass die Politik die Lebenswirklichkeit der Menschen ernst nimmt.
Nicht nur die großen Zahlen in den Statistiken.
Sondern auch die Rentnerin, die im Supermarkt Preise vergleicht. Die Familie, die sich fragt, ob ein Ausflug am Wochenende noch drin ist. Den Selbstständigen, der nach Abzug aller Kosten kaum noch etwas übrig hat.
Denn wirtschaftliche Entwicklung sollte sich nicht nur daran messen lassen, wie hoch Umsätze und Gewinne sind.
Sondern auch daran, ob die Menschen von ihrem Geld vernünftig leben können.
Und jetzt seid ihr dran!
Mich interessiert eure Meinung.
Kommt ihr mit eurem Geld noch gut über den Monat?
Was belastet euch besonders? Lebensmittel, Energie, Miete, Versicherungen oder etwas ganz anderes?
Und worauf verzichtet ihr inzwischen, was früher selbstverständlich war?
Schreibt uns eure Erfahrungen und diskutiert mit. Bitte ohne persönliche Angriffe – unterschiedliche Lebenssituationen verdienen Respekt.
Das war Sandra Spezial bei SW-N-TV.
Was raus muss, muss raus. Und manchmal muss eben auch die Frage raus: Wie lange soll das eigentlich noch so weitergehen?
Quellen und Datengrundlage:
- Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex September 2026, Pressemitteilung vom 13. Oktober 2026.
- Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex nach Ausgabenkategorien, Basisjahr 2020.
Die statistischen Angaben beziehen sich auf Deutschland insgesamt. Die persönlichen Einschätzungen und Wertungen sind ein redaktioneller Meinungsbeitrag von Sandra Grätsch.

