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SANDRA SPEZIAL: Wir zahlen Spitzenpreise – aber bekommen wir auch Spitzenleistungen?
Steuern, Sozialabgaben, Renten, Wohneigentum, Bildung und immer neue Belastungen: Deutschland gehört beim Kassieren zur Spitzengruppe. Aber bekommen wir Bürger auch das zurück, was wir erwarten dürfen? Eine persönliche politische Abrechnung von Sandra Grätsch.
Liebe Leute,
ich habe mich in den vergangenen Tagen mit unseren Steuern, den Staatsausgaben und den sogenannten Sondervermögen beschäftigt. Und je mehr Zahlen ich mir anschaue, desto mehr frage ich mich:
Was bekommen wir Bürger eigentlich für unser Geld?
Ich rede nicht davon, dass wir keine Steuern bezahlen sollen. Ein Staat muss finanziert werden. Wir brauchen Schulen, Krankenhäuser, Straßen, Sicherheit und ein funktionierendes Sozialsystem.
Aber wenn wir bei den Belastungen ganz vorne mitspielen, dann sollte man doch erwarten dürfen, dass wir bei den Leistungen ebenfalls vorne stehen.
Oder sehe ich das falsch?
Beim Kassieren Weltklasse – beim Wohneigentum Schlusslicht!
Jetzt haltet euch einmal fest.
Laut OECD betrug die gesamte Steuer- und Sozialabgabenbelastung auf die Arbeitskosten eines alleinstehenden Durchschnittsverdieners in Deutschland 2025 rund 49,3 Prozent. Nur Belgien lag unter den OECD-Ländern noch höher.
Dabei handelt es sich um den sogenannten Steuer- und Abgabenkeil, der auch die Arbeitgeberbeiträge berücksichtigt. Es bedeutet also nicht, dass jedem Beschäftigten persönlich 49,3 Prozent vom Bruttolohn abgezogen werden.
Aber die Belastung der Arbeit ist enorm.
Und was ist mit dem Vermögen, das sich die Menschen aufbauen können?
2024 lebten in Deutschland gerade einmal rund 47 Prozent der Bevölkerung in selbst genutztem Wohneigentum.
EU-Durchschnitt: 68 Prozent!
Deutschland liegt damit beim Wohneigentum auf dem letzten Platz der Europäischen Union.
Natürlich liegt das auch an unserer Geschichte, unserem Mietwohnungsmarkt und den Immobilienpreisen. Aber das Ergebnis bleibt.
Wir sind wirtschaftlich eines der stärksten Länder Europas, und trotzdem wohnt die Mehrheit unserer Bevölkerung zur Miete.
Da stimmt für mich etwas nicht.
Arbeiten bis 67 – und was kommt danach?
Schauen wir auf unsere Renten.
Die OECD hat errechnet, dass ein heutiger Berufseinsteiger mit vollständiger Erwerbsbiografie und Durchschnittsverdienst in Deutschland künftig aus der verpflichtenden Altersvorsorge eine Nettorente von etwa 53,3 Prozent seines vorherigen Nettoverdienstes erwarten kann.
Der OECD-Durchschnitt liegt bei 63,2 Prozent.
In Frankreich liegt der entsprechende Wert bei rund 70 Prozent.
Das sind Modellrechnungen, keine heutigen Durchschnittsrenten. Aber sie zeigen, wie unterschiedlich die Alterssicherungssysteme funktionieren.
Und jetzt soll mir bitte jemand erklären, warum wir bei der Belastung der Arbeit so weit vorne liegen, bei dieser Rentenkennzahl aber deutlich unter dem Durchschnitt.
Natürlich muss man dabei auch private und betriebliche Altersvorsorge berücksichtigen. Aber die kann sich nicht jeder im gleichen Umfang leisten.
Ein langes Arbeitsleben sollte doch mehr ermöglichen als die ständige Sorge, ob das Geld im Alter reicht.
Hohe Strompreise – und unsere Schulen?
Beim Strom sieht es nicht besser aus.
Im ersten Halbjahr 2025 hatte Deutschland laut Eurostat mit durchschnittlich 38,35 Cent pro Kilowattstunde die höchsten Haushaltsstrompreise der EU.
Das ist der gesamte Strompreis, nicht allein die staatliche Abgabenlast. Trotzdem bezahlt der Bürger die Rechnung.
Und dann schauen wir auf unsere Schulen.
Bei der PISA-Studie 2022 erreichten deutsche Schülerinnen und Schüler die schlechtesten Ergebnisse seit Beginn der jeweiligen Messungen.
Schweden lag in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften vor Deutschland. Auch Estland und Finnland zeigen in wichtigen Bereichen bessere Ergebnisse.
Natürlich ist nicht jedes andere Schulsystem besser. Aber müssen wir uns damit zufriedengeben, dass eine der größten Volkswirtschaften Europas bei zentralen Bildungsleistungen nur durchschnittlich abschneidet?
Wir reden ständig von unserer Zukunft. Aber wie viel Zukunft verspielen wir, wenn die Bildung nicht Schritt hält?
Milliarden für Europa – aber wie steht es um die Bürger?
Deutschland war 2024 mit rund 13,1 Milliarden Euro der größte Nettozahler des regulären EU-Haushalts.
Frankreich lag bei etwa 4,8 Milliarden Euro.
Das bedeutet nicht, dass Deutschland dieses Geld einfach verliert. EU-Mittel finanzieren unter anderem Landwirtschaft, Forschung und regionale Entwicklung. Deutschland profitiert außerdem vom gemeinsamen Binnenmarkt.
Aber wir dürfen doch fragen, ob die finanzielle Lastenverteilung gerecht ist.
Und vor allem dürfen wir fragen, warum wir uns im eigenen Land bei Wohneigentum, Altersvorsorge und Bildung mit Ergebnissen zufriedengeben sollen, die häufig weit hinter unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten zurückbleiben.
Der Kaiser lässt grüßen – und die nächste Steuer kommt bestimmt!
1902 wurde unter Kaiser Wilhelm II. die Schaumweinsteuer eingeführt, unter anderem zur Finanzierung der Kriegsflotte.
Der Kaiser ist weg. Die damalige Flotte ist weg. Die Steuer existiert noch.
Heute diskutieren wir über Zuckersteuern, CO₂-Bepreisung und Plastikabgaben.
Bei der Zuckersteuer frage ich weiterhin: Warum muss der Staat über eine zusätzliche Steuer Einfluss auf den Zuckergehalt von Getränken nehmen? Warum werden verbindliche Höchstgrenzen nicht als Alternative stärker diskutiert?
Und wenn das Geld nicht reicht, werden zusätzliche Schulden aufgenommen.
100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr. 500 Milliarden Euro Kreditermächtigung für Infrastruktur und Klimaneutralität.
Das können notwendige Investitionen sein. Aber sie müssen sich auch an ihren Ergebnissen messen lassen.
Denn ein Sondervermögen macht uns nicht automatisch vermögender.
Und jetzt auch noch die Raucher – Milliarden für die Staatskasse!
Kaum habe ich mich durch die ganzen Zahlen gearbeitet, kommt schon die nächste Nachricht.
Die Tabaksteuer wird weiter erhöht!
Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 einer schrittweisen Erhöhung ab 2027 zugestimmt. Bis 2030 könnte eine Packung mit 20 Zigaretten durchschnittlich fast zwölf Euro kosten.
Und jetzt wird es interessant.
Für 2027 rechnet der Bund mit rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlichen Steuereinnahmen. Im Jahr 2030 sollen es sogar rund 4,461 Milliarden Euro mehr sein – allein in diesem Jahr!
Das sind Mehreinnahmen gegenüber der bisherigen Rechtslage, nicht die gesamten Tabaksteuereinnahmen.
Und wohin fließt das Geld?
Wird es gezielt für Suchtprävention eingesetzt? Für Entwöhnungsprogramme? Für unsere Krankenhäuser?
Nein, eine solche Zweckbindung ist nicht vorgesehen. Die Einnahmen fließen in den allgemeinen Bundeshaushalt.
Die Bundesregierung nennt neben dem Gesundheitsschutz ausdrücklich die Konsolidierung des Bundeshaushalts als Ziel der Steuererhöhung.
Da muss ich wenigstens nicht mehr rätseln, ob es auch ums Geld geht!
Natürlich ist Rauchen gesundheitsschädlich. Das bestreitet niemand. Und ich wünsche jedem Menschen, dass er von einer Nikotinabhängigkeit loskommt.
Aber schauen wir doch einmal auf die Zahlen.
Laut Statistischem Bundesamt rauchten 2021 rund 18,9 Prozent der Menschen ab 15 Jahren. Im Jahr 2025 waren es 19,1 Prozent.
Die Raucherquote ist in diesem Zeitraum also praktisch nicht gesunken!
Das beweist nicht, dass höhere Tabaksteuern grundsätzlich wirkungslos sind. Ohne die Steuererhöhungen könnte der Konsum höher liegen. Langfristig ist die Raucherquote schließlich zurückgegangen.
Aber die jüngste Entwicklung gibt mir doch Anlass zu fragen, ob immer höhere Preise allein der richtige Weg sind.
Und dann mache ich mir noch über etwas anderes Gedanken.
Weichen manche Menschen künftig auf billigere Zigaretten aus? Auf den illegalen Markt? Oder auf E-Zigaretten?
Auch E-Zigaretten sind nicht harmlos. Sie können abhängig machen und gesundheitliche Schäden verursachen, auch wenn sie im Allgemeinen weniger Schadstoffe freisetzen als herkömmliche Tabakzigaretten.
Und auch die Liquids sollen höher besteuert werden.
Was passiert mit Familien, in denen das Geld ohnehin kaum bis zum Monatsende reicht? Eine Sucht verschwindet nicht automatisch, weil der Staat die Preise erhöht.
Ich frage mich auch, weshalb wir bei gesundheitsschädlichem Konsum nicht viel stärker über konsequente Prävention und wirksame Hilfe sprechen.
Und weshalb wird beispielsweise die Besteuerung von Alkohol nicht genauso grundsätzlich hinterfragt?
Ich stelle deshalb die Frage: Geht es in erster Linie um Gesundheit – oder zunehmend auch darum, Haushaltslöcher zu stopfen?
Beides kann ein Ziel sein. Aber dann sollte die Politik auch offen erklären, woran sie den gesundheitlichen Erfolg messen will.
Für mich ist diese Steuererhöhung jedenfalls das i-Tüpfelchen auf einer Entwicklung, die ich schon lange kritisch sehe.
Immer neue Belastungen. Immer neue Einnahmen.
Und wir Bürger sollen das alles einfach hinnehmen?
Liebe Politiker, wir Bürger sind nicht blöd!
Und damit komme ich zu dem, was mich wirklich ärgert.
Wir diskutieren ständig darüber, wie viel Geld der Staat zusätzlich braucht.
Aber viel zu selten darüber, was die Menschen für das Geld bekommen, das sie längst bezahlen.
Wir haben eine der höchsten Belastungen auf Arbeit innerhalb der OECD.
Wir haben die niedrigste Wohneigentumsquote der EU.
Wir haben eine unterdurchschnittliche künftige Rentenersatzquote aus der verpflichtenden Altersvorsorge.
Wir hatten die höchsten Haushaltsstrompreise der EU.
Unsere Schulen kämpfen mit erheblichen Leistungsproblemen.
Und nun sollen zusätzliche Milliarden durch die Tabaksteuer hereinkommen.
Das sind die Zahlen und Entwicklungen, über die ich sprechen möchte.
Natürlich funktioniert Deutschland in vielen Bereichen gut. Natürlich gibt es Leistungen, um die uns andere Länder beneiden.
Aber gerade deshalb darf man doch fragen, warum wir in so wichtigen Bereichen nicht besser dastehen.
Ich will keine Politik, die immer nur erklärt, warum sie mehr Geld braucht. Ich will eine Politik, deren Ergebnisse überzeugen.
Vielleicht liegt unser Problem nicht ausschließlich darin, wie viel Geld der Staat einnimmt.
Vielleicht sollten wir viel öfter darüber sprechen, wie wirkungsvoll er es ausgibt.
Denn eines ist für mich klar:
Wer seinen Bürgern Spitzenbelastungen zumutet, muss sich auch an Spitzenleistungen messen lassen!
Meine Meinung ist nicht käuflich!
Und zum Schluss möchte ich noch etwas ganz Persönliches sagen.
Ich bin in Deutschland aufgewachsen. In einem Land, in dem ich gelernt habe, meine Meinung frei zu sagen.
Ich bin als Demokratin erzogen worden. Und das werde ich auch bleiben.
Ich greife mit diesem Beitrag keine Partei an. Ich beleidige keine Politiker. Ich stelle Fragen, vergleiche Zahlen und ziehe meine eigenen Schlüsse.
Vielleicht gefällt das nicht jedem. Vielleicht sieht der eine oder andere Unternehmer, Politiker oder Leser die Dinge ganz anders.
Das ist sein gutes Recht!
Aber genauso ist es mein Recht, meine Meinung zu vertreten.
Ich betreibe SW-N-TV als unabhängiges Regionalfernsehen. Natürlich brauche auch ich Werbekunden und Partner, um meine Arbeit finanzieren zu können.
Aber meine persönliche Meinung kann und werde ich nicht davon abhängig machen, wer bei mir Werbung schaltet.
Ich bin kein Sprachrohr einer Partei. Und ich werde auch keines werden.
Wir leben in einer Demokratie. Und eine Demokratie lebt davon, dass Menschen nicht nur wählen gehen, sondern auch nachfragen, widersprechen und kritisch denken.
Meine Meinung muss niemand teilen.
Aber ich werde sie weiterhin sagen.
Ich bin ein freier Mensch. Ich bin Demokratin. Und ich werde beides bleiben.
Das war Sandra Spezial bei SW-N-TV.
Eure Sandra
SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten
Quellen und Faktencheck – Sandra Spezial
Die statistischen Angaben beruhen auf Veröffentlichungen von OECD, Eurostat, Statistischem Bundesamt und Deutschem Bundestag. Internationale Vergleiche bilden nicht sämtliche Unterschiede zwischen den nationalen Steuer-, Renten-, Bildungs- und Sozialsystemen ab.
- Steuern und Sozialabgaben: OECD, Taxing Wages 2026 – Steuer- und Abgabenkeil einschließlich Arbeitgeberbeiträgen.
https://www.oecd.org/en/publications/taxing-wages-2026_3a5169ef-en.html - Renten: OECD, Pensions at a Glance 2025, Deutschland – modellierte künftige Rentenersatzquoten.
https://www.oecd.org/en/publications/pensions-at-a-glance-2025-country-notes_8a53ef12-en/germany_c480c8fa-en.html - Wohneigentum: Eurostat, Housing in Europe 2025.
https://ec.europa.eu/eurostat/web/interactive-publications/housing-2025 - Strompreise: Eurostat, europäische Energiepreisstatistik.
https://ec.europa.eu/eurostat/web/energy/database - Bildung: OECD, PISA 2022, Deutschland.
https://www.oecd.org/en/publications/pisa-2022-results-volume-i-and-ii-country-notes_ed6fbcc5-en/germany_1a2cf137-en.html - Tabaksteuer: Deutscher Bundestag, Beschluss vom 15. Oktober 2026, einschließlich der vom Finanzausschuss geänderten Einnahmeprognosen.
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw42-de-tabaksteuer-1224154 - Raucherquote: Statistisches Bundesamt, 26. Mai 2026, 19,1 Prozent der Menschen ab 15 Jahren rauchen.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_22_p002.html - Ziel der Tabaksteuererhöhung: Bundesfinanzministerium, Fragen und Antworten zur Änderung des Tabaksteuergesetzes.
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/aenderung-des-tabaksteuergesetzes.html
Redaktioneller Hinweis: „Sandra Spezial“ ist ein persönlicher Meinungsbeitrag von Sandra Grätsch. Die darin vertretenen Ansichten sind unabhängig von Werbepartnern und Sponsoren von SW-N-TV.
SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten. Unabhängig. Kritisch. Meinungsstark.

