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Schweinfurt – eine Innenstadt zum Leben oder ein Hindernisparcours aus Beton?

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Sandra Spezial: Schweinfurt – eine Innenstadt zum Leben oder ein Hindernisparcours aus Beton?

Fahrräder und E-Scooter zwischen Fußgängern, unebene Wege, unbequeme Bänke und Plätze, denen das gewisse Etwas fehlt. Ich bin 72 Jahre alt und frage mich: Für wen gestalten wir eigentlich unsere Innenstadt?
Von Sandra Grätsch | SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten
Liebe Leute, heute muss wieder einmal etwas raus. Und diesmal geht es um unsere Innenstadt. Um das Herz von Schweinfurt. Um unseren Marktplatz, den Roßmarkt, die Fußgängerzone, den Zeughausplatz und den Schillerplatz.
Ich kenne Schweinfurt seit meiner Jugend. Ich habe erlebt, wie sich unsere Stadt verändert hat. Und ich will gar nicht behaupten, dass nichts gemacht wurde. Es wurde gebaut, saniert, gepflastert, bepflanzt und umgestaltet.
Aber manchmal frage ich mich: Haben wir bei all diesen Maßnahmen vielleicht das Wichtigste vergessen? Die Menschen, die hier leben!
Schweinfurt war schon in meiner Jugend eine Einkaufsstadt. Man ging in die Innenstadt, kaufte etwas ein und ging wieder nach Hause. Heute haben wir andere Geschäfte, moderne Plätze und neue Gestaltungselemente. Aber mir fehlt immer noch das Gefühl, dass unsere Innenstadt ein richtig gemütlicher Lebensraum geworden ist.
Ein Ort, an dem man sich trifft, auf einer schönen Bank sitzt, die Enkel spielen oder einfach einmal die Seele baumeln lässt.
Stattdessen sehe ich vielerorts Pflastersteine, freie Flächen und ein paar Blumenkübel. Und frage mich: Soll das schon alles gewesen sein?

Fußgängerzone – muss ich mir mit 72 einen Rückspiegel anschaffen?

Ich bin 72 Jahre alt. Und wenn ich vormittags durch unsere Fußgängerzone gehe, fühle ich mich nicht immer sicher.
Da kommen Radfahrer, E-Scooter und gelegentlich Autos oder Lieferfahrzeuge. Manche nehmen Rücksicht. Andere offenbar weniger.
Und ich? Ich schaue immer wieder nach hinten, weil ich nicht weiß, ob gleich jemand auf zwei Rädern an mir vorbeischießt.
Ich möchte in einer Fußgängerzone spazieren gehen können, ohne ständig damit rechnen zu müssen, dass mir jemand gefährlich nahekommt.
Besonders in der Keßlergasse beobachte ich immer wieder Radfahrer, die dort nicht fahren dürften.
Nun muss man fairerweise unterscheiden: In Teilen der Schweinfurter Fußgängerzone gibt es zeitabhängige Freigaben für den Radverkehr. Deshalb kommt es auf die konkrete Beschilderung an.
Aber unabhängig davon gilt doch wohl eines: Wer sich einen Weg mit Fußgängern teilt, hat Rücksicht zu nehmen!
Ältere Menschen können nicht immer blitzschnell zur Seite springen. Menschen mit Rollator oder Gehbehinderung schon gar nicht. Und auch Kinder bewegen sich nicht nach einem exakt berechenbaren Fahrplan.
Vielleicht sollten Stadt und Ordnungsdienst die Regeln deutlicher erklären und ihre Einhaltung häufiger kontrollieren. Denn eine Fußgängerzone sollte kein Ort sein, an dem die Schwächsten ständig ausweichen müssen.
Ich will nicht erst einen Rückspiegel an meiner Handtasche montieren müssen, um sicher durch Schweinfurt zu kommen!

Roßmarkt – ein Flickenteppich unter den Füßen?

Dann unser Roßmarkt. Ich beobachte dort Bodenplatten, die stellenweise nicht auf gleicher Höhe liegen. Für mich wirkt manches wie ein Flickenteppich.
Und jetzt stellt euch einmal einen älteren Menschen mit Gehstock vor. Oder jemanden mit Rollator. Oder einen Menschen, der ohnehin Schwierigkeiten beim Gehen hat.
Was für andere nur eine kleine Unebenheit ist, kann dann zur Stolperfalle werden.
Ich finde, die Stadt sollte die Gehflächen regelmäßig überprüfen und solche Stellen konsequent beseitigen.
Dabei geht es nicht nur um Schönheit. Es geht um Sicherheit und Barrierefreiheit.
Schweinfurt hat inzwischen sogar einen Gesamtbericht zur Barrierefreiheit aus dem Jahr 2025. Das ist gut und wichtig. Aber ein Konzept auf Papier verhindert noch keinen Sturz.
Barrierefreiheit muss man auf dem Pflaster erleben können – nicht nur in einer Broschüre nachlesen!

Marktplatz – ein paar Bäume machen noch keine Wohlfühloase

Unser Marktplatz ist das Herz der Stadt. Und bevor jetzt jemand sagt, ich hätte nicht richtig hingeschaut: Ja, natürlich wurden auf einer Seite Bäume gepflanzt. Es gibt auch Sitzgelegenheiten und das schöne historische Rathaus.
Aber mir fehlt ein stimmiges Gesamtkonzept. Ich empfinde den Platz trotz dieser Maßnahmen als zu offen und an vielen Stellen wenig gemütlich.
Warum denken wir nicht einmal größer?
Was wäre, wenn wir die Durchgangsstraße am Marktplatz für den allgemeinen Autoverkehr sperren und die gewonnene Fläche dem Platz zuschlagen würden?
Mehr Raum für Fußgänger. Mehr Grün. Mehr Schatten. Mehr Platz für schöne Sitzbereiche, Begegnungen und vielleicht sogar kleine Spielmöglichkeiten.
Natürlich müsste man prüfen, wie Anlieferung, Rettungswege und die Erreichbarkeit für Menschen mit Einschränkungen sichergestellt werden können. Aber warum sollte man eine solche Idee nicht wenigstens ernsthaft untersuchen?
Der Marktplatz muss weiterhin für Märkte und Veranstaltungen funktionieren. Trotzdem könnten wir darüber nachdenken, wie er auch an ganz gewöhnlichen Tagen zum Verweilen einlädt.
Ich wünsche mir einen Marktplatz, auf dem man nicht nur schnell etwas erledigt, sondern gerne eine Stunde länger bleibt.

Zeughausplatz und Schillerplatz – wo bleibt die Fantasie?

Auch am Zeughausplatz gibt es Bepflanzung und Blumenkübel. Das weiß ich. Und trotzdem wirkt das Ganze auf mich stellenweise lieblos.
Hier ein Kübel, dort eine Sitzgelegenheit, dazwischen viel Fläche. Das ist für mich noch keine Platzgestaltung, die Begeisterung auslöst.
Ähnlich empfinde ich es am Schillerplatz.
Warum nicht mehr grüne Bereiche, schöne Blühpflanzen, Schatten, gemütliche Ecken und ein paar Ideen, die diese Plätze unverwechselbar machen?
Vielleicht sollten wir unserem Gartenbauamt einmal richtig Gelegenheit geben, kreativ zu werden.
Nicht einfach nur Pflanzen verteilen, sondern zusammen mit Stadtplanung, Senioren, Familien und Menschen mit Behinderung überlegen, wie aus diesen Plätzen kleine Wohlfühloasen werden könnten.
Und damit meine ich keine sündhaft teuren Prestigeprojekte. Manchmal reicht schon eine kluge Gestaltung mit den richtigen Pflanzen, vernünftigen Sitzgelegenheiten und einer Atmosphäre, die Menschen anzieht.
Wir sind eine Industriestadt. Aber unsere Innenstadt muss deshalb doch nicht wirken, als hätte man bei der Gestaltung die Fantasie eingespart!

Sitzbänke ohne Rückenlehne – wer denkt eigentlich an ältere Menschen?

Jetzt komme ich zu einer Kleinigkeit, die eigentlich gar keine Kleinigkeit ist: Sitzbänke.
Da werden Sitzgelegenheiten aufgestellt, auf denen man zwar irgendwie sitzen kann, aber bequem ist etwas anderes.
Ich bin 72 Jahre alt und sage euch: Eine Rückenlehne ist keine überflüssige Dekoration!
Gerade ältere Menschen brauchen Bänke, an denen sie sich anlehnen können. Und Armlehnen wären ebenfalls sinnvoll, weil sie das Aufstehen erleichtern.
Warum wird bei solchen Entscheidungen nicht häufiger aus der Sicht der Menschen gedacht, die diese Bänke tatsächlich benutzen?
Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen einmal selbst eine Stunde auf eine Bank ohne Rückenlehne setzen. Am besten noch in der prallen Sonne. Danach kommen möglicherweise ganz neue Ideen!

Müll, Schmutz und verschmutzte Sitzplätze – das muss doch nicht sein!

Was mich ebenfalls ärgert, sind verschmutzte Aufenthaltsbereiche.
Ich habe in der Innenstadt Stellen gesehen, an denen Müll herumliegt und Sitzgelegenheiten so schmutzig sind, dass ich mich nicht daraufsetzen möchte.
Und ja, ich finde das schlicht unappetitlich.
Man kann die schönsten Blumenkübel aufstellen. Wenn rundherum Abfall liegt oder Flächen verdreckt sind, ist die Wirkung dahin.
Warum nicht regelmäßig gründlich reinigen? Wo es das Material erlaubt, vielleicht auch einmal mit einem geeigneten Hochdruckreiniger.
Und vor allem: häufiger kontrollieren, bevor solche Stellen überhaupt unansehnlich werden.
Natürlich kann die Stadt nicht verhindern, dass einzelne Menschen ihren Müll achtlos wegwerfen. Dafür tragen auch die Verursacher Verantwortung.
Aber Sauberkeit ist nun einmal eine Voraussetzung dafür, dass öffentliche Plätze gerne genutzt werden.
Eine schöne Bank nützt mir nichts, wenn ich mich erst frage, ob ich anschließend meine Hose waschen muss!

Öffentliche Toiletten – kein Luxus, sondern ein Stück Lebensqualität

Und dann haben wir noch das Thema öffentliche Toiletten.
Gerade für Senioren und Menschen mit Behinderung ist es wichtig, dass ausreichend saubere, gut erreichbare und barrierefreie Toiletten vorhanden sind.
Es gibt solche Einrichtungen in Schweinfurt. Aber wie gut sind sie verteilt? Wie zuverlässig sind sie geöffnet? Sind sie ausreichend ausgeschildert?
Und wie sieht es mit der tatsächlichen Nutzbarkeit aus?
Das sollte man nicht nach dem Motto behandeln: Irgendwo wird schon eine Toilette sein.
Wer unterwegs dringend eine braucht, hat wenig davon, wenn er erst lange suchen muss.
Eine seniorenfreundliche Innenstadt braucht deshalb ein verlässliches Toilettenkonzept.

Kinder in der Innenstadt – dürfen die auch einmal Spaß haben?

Jetzt denken wir einmal an Familien.
Eine Mutter möchte einen Kaffee trinken, die Großeltern haben den Wunsch, sich auszuruhen, und die Kinder möchten spielen.
Warum schaffen wir nicht mehr kleine, attraktive Spielmöglichkeiten mitten im Zentrum?
Es muss nicht gleich ein riesiger Spielplatz sein. Vielleicht kleine Spielinseln, die sich harmonisch in die Plätze einfügen.
Daneben bequeme Bänke, etwas Schatten und eine Umgebung, in der Eltern und Großeltern ihre Kinder gut im Blick behalten können.
Das würde Familien einen Grund geben, länger in der Innenstadt zu bleiben. Und ganz nebenbei könnte davon auch der Einzelhandel profitieren.
Denn wer sich wohlfühlt, bleibt eher, schaut sich um und besucht vielleicht noch ein Geschäft oder ein Café.
Eine lebendige Innenstadt braucht nicht nur Schaufenster. Sie braucht Menschen, die dort gerne Zeit verbringen!

Mehr Grün ist keine Spinnerei – auch die Politik beschäftigt sich damit

Und jetzt wird es interessant.
Im Juli 2026 hat die Stadtratsfraktion SPD/Volt einen kommunalen Hitzeschutzplan beantragt. Außerdem sollen Möglichkeiten zur Entsiegelung und Begrünung geprüft werden, besonders in der Innenstadt und anderen dicht bebauten Bereichen.
Dabei sollen gerade Senioren, Kinder und Menschen mit Behinderung stärker berücksichtigt werden.
Das zeigt doch: Die Diskussion über zu viel versiegelte Fläche und zu wenig angenehme Aufenthaltsorte ist längst in der Stadtpolitik angekommen.
Auch die Stadt selbst weist in ihrem Klimaanpassungskonzept darauf hin, dass große versiegelte Flächen Hitze speichern und Bäume durch Schatten und Verdunstung zur Kühlung beitragen.
Da frage ich mich: Wenn wir längst wissen, was eine Innenstadt lebenswerter macht – warum merkt man davon an manchen Plätzen noch so wenig?
Natürlich wächst ein Baum nicht über Nacht. Und natürlich kostet eine Umgestaltung Geld. Aber gerade deshalb sollten wir jetzt anfangen, langfristig zu planen. Nicht nur bis zum nächsten Sommer, sondern für die kommenden Jahrzehnte.

Schweinfurt hat Pläne – aber kommen sie auch bei den Menschen an?

Ich möchte ausdrücklich anerkennen, dass sich etwas bewegt.
Die Stadt hat einen Gesamtbericht „Barrierefreies Schweinfurt 2025“ veröffentlicht. Seit 2026 gibt es außerdem einen gemeinsamen Beirat für Menschen mit Behinderung und Senioren, der bei städtebaulichen Planungen mitwirken soll.
Das sind wichtige Schritte.
Aber ich würde gerne wissen, wie stark diese Erkenntnisse und die Erfahrungen der Betroffenen tatsächlich in die Gestaltung unserer Innenstadt einfließen.
Werden ältere Menschen gefragt, bevor neue Sitzgelegenheiten angeschafft werden?
Werden Menschen mit Rollator oder Rollstuhl bei der Prüfung von Gehwegen einbezogen?
Und sitzen Familien mit Kindern mit am Tisch, wenn über die Gestaltung öffentlicher Plätze gesprochen wird?
Vielleicht sollten die Verantwortlichen einmal einen gemeinsamen Rundgang durch die Innenstadt machen. Nicht nur mit Planungsunterlagen in der Hand, sondern mit Menschen, die dort täglich unterwegs sind.

Meine Meinung: Schweinfurt braucht keine Blumenkübel-Kosmetik!

Liebe Leute, ich weiß, dass unsere Stadt finanziell unter Druck steht. Und ich verlange nicht, dass morgen der gesamte Marktplatz umgegraben wird.
Aber ich wünsche mir endlich ein Gesamtkonzept. Eine Innenstadt, die nicht nur zum Einkaufen da ist, sondern zum Leben.
Mit mehr Grün, mehr Schatten, bequemen Bänken mit Rücken- und Armlehnen, sauberen Aufenthaltsbereichen, sicheren Gehwegen, gut erreichbaren Toiletten und kleinen Spielmöglichkeiten für Kinder.
Und vor allem mit mehr Rücksicht.
Ich möchte mit 72 Jahren durch die Fußgängerzone gehen können, ohne ständig nach hinten schauen zu müssen.
Ich möchte über den Roßmarkt laufen, ohne auf jede einzelne Bodenplatte achten zu müssen.
Ich möchte mich auf eine saubere Bank setzen, mich anlehnen und einfach einmal die Stadt genießen.
Und ich möchte sehen, dass auch Familien mit Kindern gerne in unserer Innenstadt bleiben.
Schweinfurt braucht nicht einfach mehr Blumenkübel. Schweinfurt braucht mehr Fantasie, mehr Aufenthaltsqualität und eine Stadtplanung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt!

Jetzt seid ihr dran, Schweinfurt!

Wie erlebt ihr unsere Innenstadt?
Fühlt ihr euch in der Fußgängerzone sicher? Welche Plätze sollten grüner und gemütlicher werden?
Wo fehlen Bänke mit Rückenlehnen, Toiletten oder Spielmöglichkeiten?
Und was haltet ihr von der Idee, die Durchgangsstraße am Marktplatz zu sperren und den Platz für Fußgänger zu erweitern?
Schreibt mir eure Meinung. Vielleicht habt ihr sogar ganz konkrete Vorschläge.
Denn die Zukunft unserer Innenstadt sollte nicht allein auf dem Reißbrett entstehen. Sie sollte gemeinsam mit den Menschen gestaltet werden, die hier leben.
Das war Sandra Spezial bei SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten.
Was raus muss, muss raus! Und heute muss raus: Weniger Betonromantik, mehr Grün, mehr Rücksicht – und endlich eine Innenstadt, in der man gerne bleibt!

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