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Über 2.000 Beschäftigte bei IG-Metall-Warnstreik in Schweinfurt – Sorge um Löhne und Arbeitsplätze

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Über 2.000 Beschäftigte bei IG-Metall-Warnstreik in Schweinfurt – Sorge um Löhne und Arbeitsplätze

Schweinfurt, 4. November 2026. Mehr Geld, sichere Arbeitsplätze und eine Zukunft für die Industriestandorte: Mit einem Warnstreik und einer Kundgebung in der Gunnar-Wester-Straße hat die IG Metall am Mittwoch ihren Forderungen in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie Nachdruck verliehen. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich mehr als 2.000 Beschäftigte an der Kundgebung. SW-N-TV war vor Ort, berichtete live und hat die Veranstaltung in einem Filmbeitrag dokumentiert.

Zu den beteiligten Betrieben gehörten nach Angaben der IG Metall unter anderem ZF, Schaeffler, SKF, Bosch Rexroth und SRAM.

Fünf Prozent mehr Entgelt gefordert

Die IG Metall Bayern fordert eine Entgelterhöhung von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 110 Euro steigen. Weiterhin verlangt die Gewerkschaft eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg gut laufender Unternehmen sowie Vereinbarungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten.

Nach zwei Verhandlungsrunden konnte bislang keine Einigung mit den Arbeitgebern erzielt werden.

Jürgen Kerner kritisiert Arbeitgeberangebot

Hauptredner der Kundgebung war Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. Er kritisierte das bisherige Angebot der Arbeitgeber als unzureichend.

Nach seiner Darstellung stehe der Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt ein Angebot gegenüber, das für wirtschaftlich besser aufgestellte Betriebe maximal 1,3 Prozent vorsehe – und dies erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Kerner verwies zugleich auf die schwierige Lage der Automobilzulieferindustrie. Gerade in Regionen wie Schweinfurt seien Beschäftigte seit Jahren mit Stellenabbau, wirtschaftlichen Veränderungen und Unsicherheit konfrontiert.

Er forderte die Unternehmen auf, stärker in neue Technologien, Produkte und Produktionsverfahren zu investieren, statt vor allem Arbeitsplätze abzubauen oder Produktionen ins Ausland zu verlagern.

Auch die wirtschaftliche Verantwortung der Unternehmen gegenüber ihren Belegschaften und Standorten spielte in seiner Rede eine zentrale Rolle.

Auszubildende machen auf ihre Situation aufmerksam

Auf der Kundgebung kamen auch junge Beschäftigte und Auszubildende zu Wort. Sie schilderten die finanziellen Belastungen während der Ausbildung und machten deutlich, dass steigende Lebenshaltungskosten gerade für junge Menschen eine erhebliche Herausforderung darstellen.

Die geforderte Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro soll nach Auffassung der IG Metall dazu beitragen, eine Ausbildung finanziell attraktiver zu machen.

Thomas Höhn: Es geht um die Stabilität der Einkommen

Im Gespräch mit SW-N-TV erläuterte Thomas Höhn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt, die Hintergründe des Tarifkonflikts.

Die Positionen der Tarifparteien lägen derzeit weit auseinander. Höhn kritisierte insbesondere die aus seiner Sicht unzureichende Berücksichtigung der gestiegenen Lebenshaltungskosten im Arbeitgeberangebot.

Er äußerte außerdem Bedenken gegenüber Forderungen nach erleichterten Abweichungen von tariflichen Regelungen.

Auf die Frage, ob niedrigere Löhne zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen könnten, zeigte sich Höhn skeptisch. Internationale Handelskonflikte, die Wirtschaftspolitik Chinas und Veränderungen in der Automobilindustrie hätten seiner Einschätzung nach wesentlich größere Auswirkungen auf die Unternehmen.

Als Beispiele nannte er Schaeffler, ZF und SKF, deren wirtschaftliche Entwicklung eng mit internationalen Märkten verbunden sei.

Höhn warnte zugleich davor, die Kaufkraft der Beschäftigten weiter zu schwächen. Sinkende Realeinkommen hätten auch Folgen für den privaten Konsum und damit für die gesamte Wirtschaft.

Sein zentraler Punkt: In der aktuellen Tarifrunde gehe es der Gewerkschaft weniger um eine Umverteilung als vielmehr darum, die Kaufkraft und den Lebensstandard der Beschäftigten zu stabilisieren.

Industriestandort Schweinfurt unter Druck

Die Kundgebung machte deutlich, dass die Tarifauseinandersetzung in Schweinfurt über die reine Entgeltfrage hinausgeht.

Der Strukturwandel in der Automobilindustrie, internationale Handelsbeziehungen und die Zukunft der regionalen Produktionsstandorte beschäftigen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend.

Die IG Metall verbindet ihre Entgeltforderungen deshalb ausdrücklich mit dem Ziel, Beschäftigung und industrielle Standorte langfristig zu sichern.

Ob und in welchem Umfang die Arbeitgeber auf die Forderungen eingehen werden, bleibt Gegenstand der weiteren Tarifverhandlungen.

SW-N-TV war bei der Kundgebung vor Ort und hat die Veranstaltung sowohl live übertragen als auch in einem Filmbericht festgehalten. Darin kommen unter anderem Jürgen Kerner und Thomas Höhn zu Wort.

SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten | Redaktion Sandra Grätsch

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