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Fleißig, arrogant, sympathisch? So sieht Europa uns Deutsche wirklich!
Die Österreicher nennen uns „Piefke“, die Briten „Krauts“, die Franzosen „Boches“. Aber was halten unsere europäischen Nachbarn tatsächlich von uns? Sind wir fleißig, zuverlässig und sympathisch – oder arrogant, humorlos und rechthaberisch? Und wie beurteilen sie unsere Wirtschaft, unsere politische Macht und unsere militärische Rolle? SW-N-TV hat internationale Umfragen unter die Lupe genommen.
Mal Hand aufs Herz: Wir Deutschen haben ja selbst so unsere Vorstellungen von anderen Nationen. Die Italiener lieben Pasta, die Franzosen ihren Wein und die Briten ihren Tee. Und wir? Wir gelten angeblich als pünktlich, ordentlich und fleißig.
Aber stimmt dieses Bild überhaupt? Und mögen uns unsere Nachbarn eigentlich?
Wir haben uns durch verschiedene internationale Untersuchungen gearbeitet. Nicht nur durch eine einzelne Umfrage, sondern durch Studien von Meinungsforschungsinstituten wie YouGov, CSA Research, Pew Research Center und dem Deutsch-Polnischen Barometer.
Dabei haben wir bewusst zwei Dinge auseinandergehalten: Was halten die Menschen von uns Deutschen persönlich? Und wie beurteilen sie Deutschland als Wirtschafts- und politische Macht?
Denn das ist keineswegs dasselbe.
Österreich – die Piefkes sind zuverlässig, aber rechthaberisch!
Fangen wir gleich bei unseren südlichen Nachbarn an.
Die Österreicher haben für uns Deutsche einen ganz besonderen Namen: Piefke. Mal liebevoll-spöttisch, mal durchaus abwertend.
Eine österreichische Untersuchung von 2021 ergab: Rund 70 Prozent halten Deutsche für verlässlich, etwa 60 Prozent für direkt. Aber ebenso viele bezeichnen uns als rechthaberisch.
Immerhin: Drei Viertel der Befragten könnten sich eine Partnerschaft mit einem Deutschen oder einer Deutschen vorstellen.
Wirtschaft und Macht: Deutschland wird als bedeutender Nachbar und Wirtschaftspartner gesehen. Gleichzeitig wünschen sich viele Österreicher, dass Deutschland in Europa stärker auf kleinere Staaten Rücksicht nimmt.
Militär: Österreich ist neutral. Eine vergleichbare repräsentative Bewertung der heutigen Bundeswehrstärke durch Österreicher lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten.
Mein Eindruck: Die Österreicher kennen unsere guten Seiten – aber eben auch unsere Macken.
Frankreich – die Boches sind beliebter, als manche glauben
„Boche“ ist eine historische, abwertende französische Bezeichnung für Deutsche. Besonders bekannt wurde sie durch die beiden Weltkriege.
Wer daraus aber schließt, die Franzosen könnten uns nicht leiden, liegt ziemlich daneben.
Eine repräsentative CSA-Umfrage von Ende 2024 zeigt: 88 Prozent der Franzosen haben ein gutes oder sehr gutes Bild von Deutschland.
35 Prozent verbinden Deutschland mit Sympathie, 27 Prozent mit Respekt. Misstrauen äußern 13 Prozent.
Deutsche gelten in Frankreich als gründlich, arbeitsam und leistungsfähig. Eine ältere CSA-Untersuchung von 2022 zeigte allerdings auch, dass Deutschland zunehmend mit Arroganz verbunden wurde.
Wirtschaft und Macht: Über 80 Prozent der Befragten verbanden Deutschland 2024 mit wirtschaftlicher und politischer Stärke. 83 Prozent hielten die deutsch-französischen Beziehungen für wichtig für die Europäische Union.
Militär: Frankreich ist selbst eine bedeutende Militärmacht. Die Frage, wie stark die Franzosen die Bundeswehr einschätzen, ist von ihrer grundsätzlichen Zustimmung zu mehr deutscher Sicherheitsverantwortung zu unterscheiden.
Die Franzosen mögen uns also offenbar mehr, als so manches alte Klischee vermuten lässt.
Großbritannien – fleißige Krauts, aber arrogant?
Die Briten haben gleich mehrere historische Spitznamen für uns: „Krauts“, „Fritz“ oder „Jerry“. Vor allem die letzten beiden erinnern an Kriegszeiten.
Und was denken sie über uns?
Eine britische Opinium-Umfrage von 2016 lieferte bemerkenswerte Ergebnisse. Die Befragten sollten europäischen Ländern bestimmte Eigenschaften zuordnen.
60 Prozent wählten Deutschland als das effizienteste Land, 35 Prozent als das fleißigste – aber 40 Prozent auch als das arroganteste.
Das bedeutet nicht, dass 40 Prozent alle Deutschen persönlich arrogant finden. Es bedeutet, dass sie Deutschland unter den angebotenen Ländern am häufigsten mit dieser Eigenschaft verbanden.
Wirtschaft und Macht: Die Deutschen genießen Anerkennung für Organisation, Effizienz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. In einer Pew-Untersuchung von 2019 hatten 74 Prozent der Briten ein positives Deutschlandbild.
Militär: Großbritannien ist selbst eine Militärmacht. Deutschland wird als wichtiger europäischer Sicherheitspartner betrachtet, ohne dass sich daraus automatisch eine positive Bewertung der Einsatzfähigkeit unserer Bundeswehr ergibt.
Tüchtig ja, bescheiden offenbar weniger – zumindest in dieser älteren Befragung.
Italien – die Cruccos gelten als fleißig
In Italien gibt es den Ausdruck „Crucco“ für Deutsche. Er kann spöttisch oder beleidigend gemeint sein.
Interessant ist, dass Deutsche in Untersuchungen zu nationalen Eigenschaften besonders mit Fleiß verbunden werden.
Trotzdem ist das Deutschlandbild nicht durchgehend positiv: Bei einer Pew-Umfrage von 2019 hatten 53 Prozent der Italiener eine positive Meinung über Deutschland.
Unter jüngeren Italienern fiel das Urteil freundlicher aus als unter älteren.
Wirtschaft und Macht: Deutschland wird als einflussreiche europäische Wirtschaftsmacht wahrgenommen. Gerade die deutsche Industrie spielt dabei eine wichtige Rolle.
Militär: Italien ist NATO-Mitglied. Wie die italienische Bevölkerung die konkrete Stärke der Bundeswehr bewertet, lässt sich aus den genannten Sympathieumfragen nicht bestimmen.
Wir gelten also als tüchtig. Aber Fleiß allein macht einen noch lange nicht zum beliebtesten Nachbarn.
Polen – zwischen Sympathie, Skepsis und Geschichte
In Polen begegnet uns gelegentlich die Bezeichnung „Szwab“, ursprünglich von „Schwabe“ abgeleitet. Auch „Szkop“ ist als abwertender Ausdruck bekannt.
Das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen ist historisch besonders belastet. Umso wichtiger sind aktuelle Befragungen.
Das Deutsch-Polnische Barometer 2025 zeigt: Nur 32 Prozent der befragten Polen empfanden Sympathie für Deutsche. Etwa jeder Vierte äußerte Abneigung.
Dabei war die Sympathie in früheren Jahren deutlich höher gewesen.
Wirtschaft und Macht: Deutschland bleibt ein bedeutender Nachbar und Handelspartner. Gleichzeitig werden deutsche Entscheidungen in der Europapolitik zunehmend kritisch beurteilt.
Militär: Polens eigene Sicherheitsinteressen spielen angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine eine große Rolle. Daraus lässt sich aber nicht ohne eine entsprechende Befragung ableiten, wie Polen die tatsächliche Kampfkraft der Bundeswehr einschätzen.
Gerade hier zeigt sich: Wirtschaftliche Nähe und persönliche Sympathie müssen nicht Hand in Hand gehen.
Spanien – organisiert, fleißig und effizient
Die Spanier haben ein bemerkenswert positives Bild von Deutschland.
Eine Untersuchung des Real Instituto Elcano aus dem Jahr 2025 beschreibt, dass Deutsche als organisiert, ernsthaft, fleißig und effizient wahrgenommen werden.
Deutschland erhielt auf einer Skala von null bis zehn eine Bewertung von 7,1 Punkten. Das ist etwas weniger als bei der vorherigen Untersuchung, aber weiterhin ein hoher Wert.
31 Prozent verbanden Deutschland ausdrücklich mit Sympathie, 47 Prozent mit Bewunderung.
Wirtschaft und Macht: Die Spanier schätzen insbesondere unsere Industrie, Technik und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Auch politisch gilt Deutschland als einflussreich.
Militär: Eine direkte Bewertung der Bundeswehrstärke war nicht der Schwerpunkt dieser Untersuchung.
Einen landesweit verbreiteten, vergleichbar bekannten Spitznamen wie „Piefke“ oder „Kraut“ konnten wir für Spanien nicht ausreichend belegen.
Niederlande – die Moffen werden erstaunlich positiv gesehen
„Mof“ beziehungsweise „Moffen“ ist eine historisch abwertende niederländische Bezeichnung für Deutsche.
Das heutige Deutschlandbild ist allerdings deutlich freundlicher.
In einer Pew-Umfrage von 2019 bewerteten 89 Prozent der Niederländer Deutschland positiv.
Wirtschaft und Macht: Die beiden Länder sind wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Deutschland wird als bedeutender Nachbar und europäischer Partner wahrgenommen.
Militär: Die Niederlande arbeiten auch militärisch eng mit Deutschland zusammen. Das ist eine Tatsache der Zusammenarbeit, aber kein Beleg dafür, wie die niederländische Bevölkerung die Bundeswehr bewertet.
Der alte Spottname und das positive Deutschlandbild passen auf den ersten Blick kaum zusammen. Genau das macht die Sache interessant.
Schweiz – die Gummihälse von nebenan
In der deutschsprachigen Schweiz hört man gelegentlich „Gummihals“ für Deutsche, außerdem regional „Schwob“.
Der erste Ausdruck spielt auf das Klischee an, Deutsche würden sich besonders anpassungsfähig oder unterwürfig gegenüber Vorgesetzten verhalten.
Ob Schweizer uns heute mehrheitlich sympathisch, arrogant oder zuverlässig finden, müsste anhand einer passenden aktuellen Befragung beurteilt werden.
Wirtschaft und Macht: Deutschland ist für die Schweiz ein wichtiger wirtschaftlicher Partner.
Militär: Die Schweiz ist neutral. Die militärische Zusammenarbeit und die Bewertung deutscher Streitkräfte sind zwei unterschiedliche Fragen.
Tschechien – nicht jeder ist von uns begeistert
Auch in Tschechien gibt es historische abwertende Bezeichnungen für Deutsche, darunter „Skopčák“.
Eine ältere GfK-Untersuchung zu nationalen Eigenschaften zeigte, dass Deutsche von einem Teil der tschechischen Befragten als arrogant wahrgenommen wurden.
In der Pew-Umfrage von 2019 hatten 51 Prozent der Tschechen ein positives Deutschlandbild, während 43 Prozent negativ urteilten.
Wirtschaft und Macht: Deutschland ist ein bedeutender Wirtschaftspartner Tschechiens.
Militär: Beide Länder gehören der NATO an. Eine konkrete Einschätzung der Bundeswehrstärke durch tschechische Befragte lässt sich aus den genannten Studien nicht ableiten.
Hier liegen Zustimmung und Ablehnung deutlich näher beieinander als in Frankreich oder den Niederlanden.
Schweden – ein gutes Bild von Deutschland
Auch die Schweden gehören zu den europäischen Befragten mit überwiegend positivem Deutschlandbild.
2019 bewerteten 86 Prozent Deutschland positiv.
Eine internationale YouGov-Untersuchung von 2013, an der auch Schweden teilnahmen, zeigte zudem, dass Deutsche im europäischen Vergleich besonders häufig mit Fleiß und Ehrlichkeit verbunden wurden.
Wirtschaft und Macht: Deutschland wird als wichtiger europäischer Wirtschafts- und Politikpartner wahrgenommen.
Militär: Schweden ist inzwischen NATO-Mitglied. Ob die Bevölkerung die Bundeswehr für stark hält, wurde mit den genannten Sympathiewerten nicht gemessen.
Griechenland – hier sitzen alte Konflikte tiefer
In Griechenland fiel das Deutschlandbild in früheren Untersuchungen besonders kritisch aus.
2019 hatten nur 34 Prozent der Befragten eine positive Meinung über Deutschland.
Schon während der europäischen Schuldenkrise wurden Deutsche in Umfragen häufig mit Arroganz und mangelndem Mitgefühl verbunden.
Wirtschaft und Macht: Deutschlands Rolle in der europäischen Finanzpolitik hat das Bild des Landes erheblich beeinflusst.
Militär: Eine direkte aktuelle griechische Einschätzung der Bundeswehrstärke liegt den hier verwendeten Untersuchungen nicht zugrunde.
Gerade Griechenland zeigt, wie stark politische Entscheidungen das Bild eines ganzen Volkes prägen können.
Dänemark, Belgien, Luxemburg, Finnland und Norwegen
Auch diese Länder gehören zu unserem europäischen Umfeld.
Aus Dänemark ist beispielsweise die spöttische Bezeichnung „Pølsetysker“, sinngemäß „Wurstdeutscher“, bekannt.
Finnland, Norwegen und Dänemark waren an der internationalen YouGov-Untersuchung von 2013 beteiligt, in der Deutsche im europäischen Vergleich häufig als besonders fleißig und ehrlich eingeschätzt wurden.
Für Belgien und Luxemburg sowie für die einzelnen militärischen Bewertungen dieser Länder liegen uns in den hier ausgewerteten Quellen keine hinreichend vergleichbaren Zahlen vor.
Deshalb verzichten wir darauf, nationale Meinungen zu erfinden.
Und wie mächtig finden uns die Europäer?
Über die Länder hinweg fällt ein Unterschied auf.
Deutschland wird vielfach als wirtschaftlich leistungsfähig, politisch einflussreich und organisatorisch stark wahrgenommen.
Aber Bewunderung ist nicht automatisch Sympathie.
Das zeigen beispielsweise die älteren britischen Befragungen: Effizienz und Fleiß werden anerkannt, gleichzeitig wird Deutschland häufig mit Arroganz verbunden.
Auch in Spanien zeigt sich, dass wirtschaftliche Anerkennung und persönliche Sympathie unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.
Und militärisch?
Die europäische Sicherheitslage hat sich verändert. Von Deutschland wird mehr Verantwortung erwartet. Das bedeutet aber nicht, dass Europas Bürger die Bundeswehr automatisch für besonders stark halten. Dafür braucht es eigene Befragungen über Vertrauen, Ausrüstung und Verteidigungsfähigkeit.
Mein Fazit: Wir Deutschen sind nicht überall beliebt – aber fast überall ein Thema
Ich muss sagen, diese Recherche hat mich überrascht.
Wir Deutschen gelten in vielen Ländern als fleißig, ordentlich, effizient und zuverlässig. Das sind Eigenschaften, auf die man durchaus stolz sein könnte.
Aber dann kommen die anderen Begriffe: arrogant, rechthaberisch, humorlos oder überheblich.
Die Österreicher nennen uns Piefkes, die Franzosen kennen den Boche, die Briten den Kraut und die Niederländer den Mof.
Viele dieser Bezeichnungen stammen aus einer Zeit, in der sich die europäischen Völker keineswegs freundlich gegenüberstanden. Heute sind sie teilweise noch als Neckerei bekannt, teilweise aber nach wie vor echte Beleidigungen.
Und trotzdem: In Frankreich, den Niederlanden oder Schweden ist das Deutschlandbild überwiegend positiv. In Polen und Griechenland zeigt sich dagegen, wie stark Geschichte und Politik die Gefühle gegenüber uns Deutschen beeinflussen können.
Was bleibt also?
Wir werden respektiert. Wir werden manchmal bewundert. Wir werden kritisiert. Und gelegentlich macht man sich über uns lustig.
Vielleicht sollten wir Deutschen uns deshalb nicht nur fragen, wie wir selbst unser Land sehen.
Sondern auch einmal genauer hinhören, was unsere Nachbarn über uns erzählen.
Denn die interessanteste Frage lautet am Ende nicht, ob Deutschland mächtig ist.
Sondern ob die Menschen Europas uns Deutsche eigentlich mögen.
Recherche und Redaktion: Sandra Grätsch – SW-N-TV / Schweinfurter Nachrichten
Recherchezeitpunkt: Oktober 2026. Die verwendeten Umfragen stammen aus unterschiedlichen Jahren und untersuchen teilweise unterschiedliche Fragen. Historische Werte sind nicht als aktuelle Momentaufnahme zu verstehen. Bei Recherche und redaktioneller Aufbereitung wurde ChatGPT (OpenAI) unterstützend eingesetzt. Die journalistische Verantwortung liegt bei SW-N-TV.
Quellen zum Bericht
Die wichtigsten Studien sind hier direkt verlinkt.
- YouGov 2013 – Bild der Deutschen in Europa: 7.573 Befragte in sieben Ländern; Fleiß und Ehrlichkeit.
YouGov
- Opinium 2016 – Britische Europabilder: Eigenschaften wie effizient, arrogant und fleißig.
The Guardian
- Deutsche Botschaft Wien 2021 – Deutschlandbild in Österreich: Verlässlichkeit, Direktheit und Rechthaberei.
Auswärtiges Amt
- CSA Research 2024 – Deutschlandbild in Frankreich: Sympathie und Ansehen.
Institut CSA
- Real Instituto Elcano 2025 – Deutschlandbild in Spanien: Persönliche Eigenschaften, Sympathie und wirtschaftliche Bedeutung.
realinstitutoelcano.org
- Deutsch-Polnisches Barometer 2025: Sympathie und Nachbarschaftsbeziehungen.
deutsch-polnisches-barometer.de
- Pew Research Center 2019 – Europäische Einstellungen: Länderübergreifende Bewertungen Deutschlands.

