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Stadtgalerie Schweinfurt – erst die Geschäfte, jetzt die Ärzte? Wer rettet hier eigentlich wen?

Symbolfoto

Sandra Spezial: Stadtgalerie Schweinfurt – erst die Geschäfte, jetzt die Ärzte? Wer rettet hier eigentlich wen?

17 Jahre Stadtgalerie, massive Leerstände, Millionenpläne und heftiger politischer Widerstand. Was hat uns das Einkaufszentrum wirklich gebracht – und soll unsere Innenstadt jetzt ein zweites Mal dafür bezahlen?
Von Sandra Grätsch | SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten | 16. Oktober 2026
Liebe Leute, heute muss ich wieder einmal etwas loswerden. Und diesmal geht es um unsere Stadtgalerie Schweinfurt. Oder sollte ich besser sagen: um ein Einkaufszentrum, das einst unsere Stadt beleben sollte und inzwischen selbst dringend neues Leben braucht?
Erinnert ihr euch noch an die großen Hoffnungen? Neue Geschäfte, zusätzliche Besucher, mehr Kaufkraft und ein modernes Einkaufserlebnis. Schweinfurt sollte als Einkaufsstadt attraktiver werden.
Und heute? Heute diskutieren wir darüber, ob Arztpraxen, Gesundheitsangebote und andere Dienstleistungen die leer stehenden Flächen füllen sollen.
Da frage ich mich: Hat die Stadtgalerie Schweinfurt eigentlich geholfen – oder haben wir uns damals ein Problem geschaffen, das jetzt selbst gerettet werden muss?

2009 eröffnet – und schon damals wurde gestritten

Am 26. Februar 2009 öffnete die Stadtgalerie ihre Türen. Bereits 2005 hatten die Schweinfurter bei einem Bürgerentscheid über das Vorhaben abgestimmt. Eine knappe Mehrheit sprach sich dafür aus.
Schon damals warnten Kritiker davor, dass ein zusätzliches Einkaufszentrum Kaufkraft aus der bestehenden Innenstadt abziehen könnte. Die Befürworter dagegen versprachen sich eine Stärkung des gesamten Einkaufsstandorts.
Und natürlich war anfangs einiges los. Neue Geschäfte, neugierige Besucher und zahlreiche Erwartungen.
Aber nach 17 Jahren darf man doch einmal fragen: Was ist aus diesen Erwartungen geworden?

Erst die Geschäfte geholt – und jetzt stehen die Flächen leer?

Wer heute durch die Stadtgalerie läuft, kann die Veränderungen kaum übersehen. Zahlreiche Ladenflächen stehen leer oder sind nicht regulär als Geschäfte genutzt.
Auch unsere Redaktion hat bereits mehrfach über die Situation berichtet.
Das Einkaufszentrum sollte zusätzliche Kunden anziehen. Stattdessen diskutieren wir heute über sinkende Besucherzahlen, Leerstände und eine grundlegende Neuausrichtung.
Natürlich wäre es zu einfach, der Stadtgalerie allein die Schuld am Niedergang einzelner Geschäfte zu geben. Onlinehandel, Corona, steigende Kosten und verändertes Einkaufsverhalten haben überall Spuren hinterlassen.
Aber eines möchte ich endlich einmal wissen:
Wie viel zusätzliche Kaufkraft hat die Stadtgalerie tatsächlich nach Schweinfurt gebracht – und wie viel wurde nur innerhalb der Stadt verlagert?
Wenn Geschäfte erst aus der Innenstadt ins Einkaufszentrum wechseln und später auch dort verschwinden, dann sollte man die damalige Planung doch kritisch hinterfragen dürfen.

Rund 21 Millionen Euro – und plötzlich sollen die Ärzte kommen

Der Betreiber ECE möchte die Stadtgalerie neu aufstellen. Geplant sind unter anderem medizinische Angebote, Arztpraxen und weitere Dienstleistungen. Der Einzelhandel soll nach den bisherigen Planungen weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Für die Neuausrichtung steht eine Investition von rund 21 Millionen Euro im Raum.
Am 28. April 2026 stimmte der Stadtrat mit 26 zu 19 Stimmen dafür, das notwendige Planänderungsverfahren einzuleiten.
Wichtig: Das war noch keine endgültige Genehmigung aller geplanten Nutzungen.
Aber die Richtung ist klar.
Was einst als Einkaufsmagnet gedacht war, soll jetzt offenbar auch mit Arztpraxen wieder auf die Beine kommen.
Und da stellt sich die nächste Frage: Wo sollen diese Ärzte eigentlich herkommen?

Die SPD spricht von einem Vertrauensbruch

Die Schweinfurter SPD hat bereits im Oktober 2025 deutliche Kritik geübt.
Hintergrund waren Berichte über gezielte Anschreiben des Centermanagements an Schweinfurter Ärzte. Der Redaktion von Schweinfurt NEWS lag nach eigenen Angaben eine entsprechende E-Mail vor.
SPD-Stadtrat Peter Hofmann sprach von einem Vertrauensbruch. Nach Darstellung der SPD hatte ECE zuvor signalisiert, bestehende Innenstadtpraxen nicht aktiv abwerben zu wollen.
Auch Ralf Hofmann kritisierte die Ansprache von Ärzten und warnte vor negativen Folgen für die Innenstadt.
Die SPD befürchtet, dass mit umziehenden Arztpraxen auch Patientenfrequenz verloren geht – und damit Kundschaft für Apotheken, Geschäfte und Gastronomie.
Das sind ernst zu nehmende Vorwürfe, die wir allerdings sauber einordnen müssen: Ein Werbeschreiben ist noch kein Beweis dafür, dass tatsächlich Praxen umgezogen sind oder rechtswidrig gehandelt wurde.
Aber die politische Frage bleibt:
Soll die Stadtgalerie ausgerechnet dadurch gerettet werden, dass man Angebote aus anderen Teilen Schweinfurts in das Einkaufszentrum verlagert?

Dr. Ulrike Schneider und ZUKUNFT.ödp: Nicht noch einmal zulasten der Innenstadt!

Auch die Initiative ZUKUNFT.ödp um Dr. Ulrike Schneider gehört zu den deutlichen Kritikern der Pläne.
Schneider hat wiederholt vor einer Schwächung der Innenstadt gewarnt. Die Initiative lehnt Nutzungsänderungen ab, die bestehende Ärzte, Physiotherapeuten oder Apotheken aus anderen Lagen abziehen könnten.
Besonders bemerkenswert finde ich ihren grundsätzlichen Vorwurf: Die Stadt habe sich über Jahre nicht ausreichend mit den Problemen und Auswirkungen der Stadtgalerie auseinandergesetzt.
Und damit trifft sie einen Punkt, der auch mich beschäftigt.
Warum beschäftigen wir uns erst dann intensiv mit der Zukunft eines Einkaufszentrums, wenn dort so viele Flächen leer stehen?
Die Initiative fordert, andere Zukunftsperspektiven ernsthaft zu prüfen, und setzt sich grundsätzlich auch für mehr Wohnen in der Innenstadt ein.
Ob sich ausgerechnet das Gebäude der Stadtgalerie wirtschaftlich und baulich für Wohnungen eignen würde, ist allerdings eine andere Frage. Dazu gibt es unterschiedliche Einschätzungen.
Aber ich finde, über Alternativen darf und muss man sprechen.

SPD, ZUKUNFT.ödp und weitere Kritiker – alles nur Schwarzseher?

In der Stadtratsdebatte im April 2026 positionierten sich neben Schneider und der SPD auch Vertreter der Linken und der Freien Wähler kritisch zum Vorgehen beziehungsweise zum Zeitpunkt der Entscheidung.
Andere Stadträte sahen dagegen die Chance, mit privaten Investitionen einen zunehmend problematischen Standort zu stabilisieren.
Und natürlich ist auch dieses Argument nicht von der Hand zu weisen.
Denn was wäre die Alternative? Ein Einkaufszentrum, in dem irgendwann noch mehr Läden leer stehen?
Auch das wäre für Schweinfurt keine schöne Entwicklung.
Aber genau deshalb brauchen wir eine ehrliche Abwägung.
Es darf doch nicht nur darum gehen, die Stadtgalerie zu retten. Es muss darum gehen, Schweinfurt insgesamt zu stärken!

Arztpraxen in der Stadtgalerie – gut für Patienten oder schlecht für die Innenstadt?

Ich will gar nicht bestreiten, dass moderne Praxisräume in einem Einkaufszentrum Vorteile haben können.
Parkmöglichkeiten, Aufzüge, kurze Wege und mehrere medizinische Angebote an einem Standort können für Patienten attraktiv sein.
Aber stellen wir uns vor, eine bestehende Arztpraxis zieht aus der Innenstadt in die Stadtgalerie.
Dann hat Schweinfurt nicht automatisch einen Arzt mehr.
Die Praxis ist nur an einer anderen Adresse.
Und was passiert mit den bisherigen Räumen? Mit der Apotheke nebenan? Mit dem Café, in dem Patienten anschließend ihren Kaffee trinken? Mit den kleineren Geschäften, die von diesen Besuchen profitieren?
Natürlich könnte die Stadtgalerie dadurch selbst wieder mehr Besucher bekommen.
Aber was nützt es Schweinfurt, wenn wir an einer Stelle eine Lücke schließen und dafür an einer anderen eine neue aufreißen?
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Arztpraxen grundsätzlich in ein Einkaufszentrum gehören.
Die entscheidende Frage lautet, ob das geplante Konzept einen zusätzlichen Nutzen für die gesamte Stadt bringt.

Und was sagen die Bürger?

Dass die Pläne umstritten sind, zeigte im Juni 2026 auch eine Leserumfrage der Newsallianz.
Von 2.000 Teilnehmenden sprachen sich 64,8 Prozent gegen die geplante Umnutzung aus. 35,2 Prozent befürworteten sie.
Das war keine repräsentative Umfrage und auch kein Bürgerentscheid. Trotzdem zeigt das Ergebnis, wie kritisch viele der teilnehmenden Leser die Pläne sehen.
Ich finde, diese Bedenken sollte man ernst nehmen.
Denn die Stadtgalerie war schon bei ihrer Entstehung ein großes Streitthema.
Und jetzt, 17 Jahre später, diskutieren wir erneut darüber, welche Auswirkungen das Einkaufszentrum auf unsere Stadt haben könnte.
Man könnte fast meinen, Schweinfurt dreht sich bei diesem Thema seit Jahren im Kreis.

Was hat uns die Stadtgalerie wirklich gebracht?

Jetzt kommen wir zu meiner eigentlichen Frage.
Hat die Stadtgalerie zusätzliche Kaufkraft nach Schweinfurt geholt?
Hat sie neue Besucher aus dem Umland angezogen?
Hat sie unsere Innenstadt belebt?
Oder hat sie einen Teil der Kundschaft aus den bestehenden Einkaufsstraßen abgezogen?
Und wie hat sich das alles seit der Eröffnung entwickelt?
Ich möchte keine gefühlten Erfolgsgeschichten hören.
Ich möchte Zahlen sehen.
Besucherzahlen über die Jahre. Leerstandsquoten. Veränderungen im Einzelhandel. Und vor allem eine nachvollziehbare Bewertung der Auswirkungen auf die übrige Innenstadt.
Denn nur weil ein Einkaufszentrum viele Besucher hat, bedeutet das noch lange nicht, dass die gesamte Stadt davon profitiert.
Die Stadtgalerie ist nicht Schweinfurt. Sie ist ein Teil von Schweinfurt!

Ein privater Investor – aber eine öffentliche Verantwortung

Natürlich hat der Betreiber das Recht, sein Einkaufszentrum wirtschaftlich neu aufzustellen.
Und wenn ein Unternehmen rund 21 Millionen Euro investieren möchte, ist das zunächst einmal ein beachtliches Vorhaben.
Aber die Stadt muss bei ihrer Entscheidung mehr im Blick haben als die Wirtschaftlichkeit eines einzelnen Gebäudes.
Sie muss auch an die übrigen Geschäftsstraßen, die medizinische Versorgung, die Erreichbarkeit und die langfristige Entwicklung der Innenstadt denken.
Dazu gehört ein unabhängiges Gutachten, dessen Ergebnisse nachvollziehbar auf den Tisch gehören, bevor endgültige Entscheidungen fallen.
Denn Schweinfurt kann es sich in seiner angespannten finanziellen Situation nicht leisten, bei der Stadtentwicklung immer wieder dieselben Fehler zu machen.

Meine Meinung: Schluss mit den schönen Versprechen!

Liebe Leute, ich bin nicht gegen die Stadtgalerie.
Ich bin auch nicht grundsätzlich gegen neue Nutzungen oder moderne Arztpraxen.
Aber ich bin damit nicht einverstanden, dass man große Veränderungen beschließt, ohne die Folgen für die gesamte Stadt ausreichend zu berücksichtigen.
Wir haben schon einmal gehört, wie großartig dieses Einkaufszentrum für Schweinfurt werden soll.
Heute stehen wir vor einem Gebäude mit erheblichen Leerständen und diskutieren über die nächste große Zukunftsvision.
Deshalb möchte ich endlich Antworten.
Wie hoch ist der tatsächliche Leerstand? Wie viele neue Nutzer sind konkret interessiert? Welche bestehenden Praxen könnten ihren Standort verlagern? Welche neuen Angebote würden wirklich hinzukommen? Und was sagt die unabhängige Untersuchung über mögliche Folgen für die Innenstadt?
Vor allem aber:
Werden wir in zehn Jahren wieder hier sitzen und fragen, warum die nächste große Idee nicht funktioniert hat?
Schweinfurt braucht keine weitere Runde vollmundiger Versprechen.
Schweinfurt braucht eine Innenstadt, in der Menschen gerne einkaufen, arbeiten, wohnen, zum Arzt gehen und ihre Freizeit verbringen.
Und zwar nicht nur in einem Einkaufszentrum, sondern in unserer ganzen Stadt.

Jetzt seid ihr gefragt, Schweinfurt!

Wie denkt ihr über unsere Stadtgalerie?
Kauft ihr dort noch regelmäßig ein? Welche Geschäfte vermisst ihr? Würdet ihr Arztpraxen dort begrüßen? Oder habt ihr Angst, dass dadurch andere Teile der Innenstadt weiter geschwächt werden?
Und jetzt kommt die ganz große Frage:
Hätten wir die Stadtgalerie damals überhaupt gebraucht?
Schreibt mir eure Meinung und eure Erfahrungen.
Denn über die Zukunft unserer Innenstadt sollten nicht nur Investoren und Politiker diskutieren.
Sondern vor allem die Menschen, die hier leben.
Das war Sandra Spezial bei SW-N-TV – Schweinfurter Nachrichten.
Was raus muss, muss raus! Und diesmal musste die Frage raus: Wer rettet hier eigentlich wen – die Stadtgalerie oder unsere Innenstadt?
Dieser Beitrag ist ein persönlicher journalistischer Kommentar. Aussagen und Vorwürfe von Parteien und Initiativen sind diesen ausdrücklich zugeordnet. Eine abschließende Bewertung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Einkaufszentrums und der Auswirkungen geplanter Nutzungsänderungen ist anhand der bislang öffentlich zugänglichen Daten nicht möglich.

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