StartPolitikWenn der Nachbarschaftsstreit vor Gericht landet

Wenn der Nachbarschaftsstreit vor Gericht landet

Symbolbild KI

785 neue Verfahren an Bayerns Amtsgerichten – in Gemünden am Main gab es 2025 keinen einzigen Fall

Unterfranken/Bayern. Die Hecke wächst zu hoch, der Hund bellt zu laut, das Auto steht am falschen Platz – und schon kann aus einem kleinen Ärger unter Nachbarn ein handfester Streit werden. In Bayern schaffen es solche Auseinandersetzungen vergleichsweise häufig bis vor Gericht. Im vergangenen Jahr gingen bei den Amtsgerichten im Freistaat 785 neue Verfahren wegen Nachbarschaftsstreitigkeiten ein.

Nach einer repräsentativen Umfrage von Allianz Direct ist Bayern sogar das Flächenland mit den meisten Nachbarschaftsstreitigkeiten in Deutschland. Fast 58 Prozent der Befragten gaben an, bereits Ärger mit ihren Nachbarn gehabt zu haben. Die Gründe reichen von Lärmbelästigungen und Gartenbepflanzungen über bellende Hunde bis hin zu falsch abgestellten Autos.

Dabei soll der Gang vor Gericht eigentlich nicht die erste Wahl sein. Bei klassischen Nachbarschaftsstreitigkeiten ist in Bayern vor einer Klage in bestimmten Fällen eine außergerichtliche Streitschlichtung gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch kamen 2025 zu den 785 neuen Verfahren an den Amtsgerichten noch 48 Berufungsverfahren vor den Landgerichten hinzu.

In Gemünden kein einziger Fall

Besonders häufig beschäftigte der Streit am Gartenzaun die Justiz in den großen Städten. Spitzenreiter war das Amtsgericht München mit 57 neuen Verfahren. Es folgten Nürnberg mit 34 und Rosenheim mit 29 Fällen.

Ganz anders sieht es in Unterfranken aus: Im Gerichtsbezirk Gemünden am Main landete im gesamten Jahr 2025 kein einziger Nachbarschaftsstreit vor Gericht. Ob dort tatsächlich harmonischere Nachbarschaftsverhältnisse herrschen oder Konflikte schlicht häufiger ohne Richter gelöst werden, lässt sich aus der Statistik allerdings nicht ablesen.

„Klärendes Gespräch am Gartenzaun“

Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) rät ohnehin dazu, Konflikte möglichst früh persönlich anzusprechen. „Das wirksamste Mittel, um eine Eskalation zu vermeiden, ist immer noch ein klärendes Gespräch am Gartenzaun“, sagt der Minister.

Wenn eine Verständigung nicht mehr möglich sei, komme es darauf an, neben den eigenen Ansprüchen auch die Rechte der anderen Seite im Blick zu behalten. „Wenn das alles nicht mehr hilft, ist es wichtig, nicht nur die eigenen Rechte zu kennen, sondern auch die des Nachbarn zu akzeptieren“, so Eisenreich.

Was Nachbarn dürfen – und was nicht

Informationen zu den wichtigsten privatrechtlichen Regeln zwischen Grundstücksnachbarn hat das Bayerische Justizministerium in der Broschüre „Rund um die Gartengrenze“ zusammengestellt. Darin geht es unter anderem um typische Konflikte an Grundstücksgrenzen. Eine weitere Broschüre unter dem Titel „Schlichten statt prozessieren“ informiert darüber, wann vor einer Klage zunächst ein Schlichtungsverfahren durchgeführt werden muss.

Broschüre „Rund um die Gartengrenze“

Broschüre „Schlichten statt prozessieren“

Zusätzlich bietet die bayerische Justiz in ihrer Videoreihe „Recht lebensnah“ Informationen zu Nachbarschaftsstreitigkeiten an.

Informationsvideos der Bayerischen Justiz

Bezahlte Werbung
Werbung der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge

Auch wir arbeiten mit KI

Hinweis: Inhalte wurden mit künstlicher Intelligenz bearbeitet
RELATED ARTICLES

Kommentar verfassen

Most Popular

Recent Comments