Grünen-Gesetzentwurf soll Fernverkehr in der Fläche stärken – Paul Knoblach sieht neue Chance für die Region
Schweinfurt. Kommt Schweinfurt doch noch zu seinem lange geforderten ICE-Halt? Ein neuer Vorstoß der Grünen im Bundestag gibt der Diskussion um eine bessere Fernverkehrsanbindung der Stadt neuen Schwung. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem das Fernverkehrsangebot auf der Schiene ausgeweitet und bestehende Verbindungen in der Fläche gesichert werden sollen. Schweinfurt gehört dabei zu bundesweit 78 Städten, für die ein ICE-Halt gefordert wird.
Der Schweinfurter Landtagsabgeordnete Paul Knoblach begrüßt die Initiative seiner Parteikollegen. Für ihn ist die Forderung allerdings nicht neu. Bereits 2023 hatte sich der Grünen-Politiker öffentlich für eine bessere Fernverkehrsanbindung Schweinfurts eingesetzt und sich deshalb an Verantwortliche der Deutschen Bahn gewandt.
Bahn hatte IC-Halt bis 2028 angekündigt
Knoblach erinnerte damals an das Fernverkehrskonzept, das die Deutsche Bahn im Jahr 2015 vorgestellt hatte. Demnach sollte Schweinfurt spätestens 2028 einen IC-Halt erhalten. Vorgesehen war dies im Zusammenhang mit dem Ausbau der Verbindung Bamberg–Würzburg–Stuttgart–Tübingen. Die Antwort der Bahn auf Knoblachs Vorstoß fiel nach dessen Darstellung jedoch ernüchternd aus: Vorerst werde daraus nichts.
Nun sieht der Abgeordnete neue Bewegung in der Sache. Dass die Bundestags-Grünen Schweinfurt ausdrücklich als eine der Städte nennen, die beim Fernverkehr bislang zu kurz kommen, wertet Knoblach als Bestätigung seiner langjährigen Forderung.
Eine bessere Bahnanbindung sei nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Bedeutung Schweinfurts wichtig. Knoblach verweist auf den Industriestandort und die geplante KI-Gigafactory auf dem Gelände der ehemaligen Conn Barracks.
„Im Gegensatz zu den gut ausgebauten Nord-Süd-Verbindungen sind die Ost-West-Beziehungen in Deutschland vernachlässigt“, sagt Knoblach. Für Schweinfurt gehe es dabei vor allem um eine bessere Anbindung auf der Achse Bamberg–Würzburg.
Bund soll notfalls Fernzüge bestellen
Mit ihrem Gesetzentwurf wollen die Grünen grundsätzlich verändern, wie Fernverkehrsverbindungen in Deutschland gesichert werden. Nach ihrer Darstellung sind die großen Metropolen zwar eng miteinander verbunden, während Angebote abseits der besonders rentablen Strecken ausgedünnt oder ganz gestrichen würden.
Das Konzept sieht vor, wirtschaftlich rentable Verbindungen weiterhin den Bahnunternehmen zu überlassen. Auf Strecken, die sich für die Anbieter nicht ausreichend rechnen, soll der Bund dagegen die Gebühren für die Nutzung der Gleise senken können. Reicht auch das nicht, soll er nach den Vorstellungen der Grünen Fernverkehrsleistungen selbst bestellen können – ähnlich wie es die Länder bereits beim Regionalverkehr tun.
Hintergrund ist auch der zunehmende Wettbewerb auf der Schiene. Neue Anbieter drängen auf den deutschen Markt, konzentrieren sich nach Ansicht der Grünen aber naturgemäß vor allem auf lukrative Strecken. Mit einer sogenannten „Fernverkehrsgarantie“ soll verhindert werden, dass kleinere Großstädte und ländlichere Regionen dabei weiter ins Hintertreffen geraten.
Die Kosten für dieses Modell beziffert die Partei auf maximal 400 Millionen Euro jährlich.
Knoblach übt scharfe Kritik an früherer Verkehrspolitik
Knoblach verbindet seine Zustimmung zu dem Vorstoß mit deutlicher Kritik an der Verkehrspolitik vergangener Bundesregierungen. Verschiedene Regierungen hätten der Bahn Sparzwänge auferlegt. Besonders die früheren CSU-Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer macht der Grünen-Abgeordnete für den Zustand der Schieneninfrastruktur verantwortlich.
Die Bahn sei inzwischen „nur noch ein Scherbenhaufen“, kritisiert Knoblach. Dass der Betrieb dennoch funktioniere, sei vor allem den Beschäftigten zu verdanken. Mit dem Gesetzentwurf seiner Partei könnten nach seiner Einschätzung zumindest Teile der Fehlentwicklung korrigiert werden.
Ob daraus tatsächlich ein ICE-Halt in Schweinfurt wird, ist damit allerdings noch lange nicht entschieden. Der Vorstoß bringt eine seit Jahren bestehende Forderung aber wieder auf die bundespolitische Tagesordnung – und damit neue Hoffnung auf eine bessere Fernverkehrsanbindung der Stadt.
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