Die Kita „Sternwarte mit Mensa“ auf der Keesburg wurde vom städtischen Fachbereich Hochbau als Pilotprojekt nach dem Würzburger Energiestandard geplant und gebaut. Die Materialien sind weitestgehend ökologisch und recycelbar. Fotos: Rainer Wengel
WÜRZBURG - Immer am letzten Juniwochenende finden seit nunmehr 30 Jahren in Bayern die „Architektouren“ statt, eine Präsentation qualitätsvoller Architektur, ausgewählt von einem unabhängigen Beirat aufgrund von Bewerbungen aus der Architektenschaft. Präsentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden an diesen beiden Tagen Neu- und Umbauten, Modernisierungen, Sanierungen, Innenräume, Renaturierungen, Parks, Grün- und Außenanlagen und vieles mehr aus den Bereichen Architektur, Landschafts-, Innenarchitektur sowie Stadtplanung. Die Architektouren, organisiert von der Bayerischen Architektenkammer, stellen jedes Jahr über 20.000 interessierten Besuchenden architektonische Lösungen vor und gewähren einen Blick hinter die Kulissen.
Bei der diesjährigen 30. Auflage der Architektouren werden bayernweit 199 Projekte gezeigt. Die Stadt Würzburg ist mit einem vom städtischen Fachbereich Hochbau geplanten und umgesetzten Objekt vertreten, der Kindertagesstätte „Sternwarte mit Mensa“ auf der Keesburg.
Am Sonntag, den 28. Juni 2026, wird die Kita „Sternwarte mit Mensa“ als ein herausragendes architektonisches Beispiel ihre Pforten für die „Architektouren“ öffnen. Der städtische Fachbereich Hochbau bietet um 13:30 und um 15 Uhr in der Kita mit Mensa in der Caroline-Herschel-Straße 3, direkt an die Goethe-Kepler-Grundschule und Sternwarte angrenzend, Führungen an.
Was macht das KiTa-Gebäude so besonders?
Die zahlreichen Herausforderungen, wie der große, weitgehend zu erhaltende Baumbestand, die Integration der bestehenden Tartanbahn und des vorhandenen Sportplatzes und die Einplanung einer neuen Schulmensa in das Gebäude, gaben den Planern an mehreren Stellen Tüftelarbeit auf. Die Vision der Planung war, „den Neubau in den bestehenden Schulgarten mit großem Baumbestand einfügen“; die Tartanbahn und Sportplatz der Goethe-Kepler-Schule für Schulveranstaltungen weiter nutzbar zu erhalten, eine zukünftige gemeinsame Nutzung des Außengeländes durch Kita und Grundschule zu schaffen, eine Schulmensa, die für die Hortkinder auf kurzem Wege erreichbar ist, in dem Gebäude Richtung Schule zu orientieren, den Wagen der Naturgruppe auf dem Gelände zu erhalten und den Modulbau der Kita nach Fertigstellung des Neubaus zurückzubauen“, erklärt die Projektverantwortliche Ulrike Landeck.
Entstanden ist ein kindgerechtes Gebäude in Holzständerbauweise, das sich von der Johannes-Kepler-Straße aus kommend zurückhaltend in das naturnahe Gelände einfügt. An der Sternwarte vorbei geht es direkt in das mittige, offene Foyer, das nach Öffnung der mobilen Trennwand als großer Veranstaltungsraum sowohl für die Kita, als auch die Grundschule nutzbar ist. Von diesem aus schließt nach Westen die Schulmensa an, die auf kurzem Weg von der Schule aus erreichbar ist. In dem Westtrakt befinden sich außerdem die Leitung, der Personalraum, Technik- und Hauswirtschaftsraum der Kita.
Der zweistöckige Ostflügel beherbergt im Erdgeschoss die zwei Krippengruppen für je 12 Kinder und im Obergeschoss zwei Kindergarten-Gruppen für je 25 Kinder. Die Naturgruppe im Freien ist für 18 Kinder ausgelegt. Der Laubengang im Obergeschoss ist mit einer Netzkonstruktion als Absturzsicherung geschützt. Die überdachte Terrasse unter den Laubengang im Osten wird von der Krippe bespielt. Alle Außenbereiche können gemeinsam von Kita und Schule genutzt werden. Der ursprüngliche Standort des Kitamodulbaus ist der Parkplatz für den Neubau.
Pilotprojekt nach dem „Würzburger Energiestandard“
Der Holzständerbau mit 1.365 m² Nutzfläche wurde energetisch so konzipiert, dass der KfW 40 Standard erfüllt wird. Beheizt wird er über Sole/Wasserwärmepumpen, als Wärmequelle wurden vor dem Westflügel im Außenbereich Erdkollektoren in 1,80 m Tiefe verlegt. Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung belüften das Gebäude und die Stromversorgung erfolgt über Photovoltaikanlagen auf den Flachdächern. Bereits in die Planung wurde der bestehende, große Baumbestand zur natürlichen Verschattung der Gebäude miteinbezogen.
Die Kita Sternwarte ist als städtischer Neubau ein Pilotprojekt nach dem „Würzburger Energiestandard“. Wenn nicht baukonstruktiv relevant, wurden mineralische oder synthetische Dämmstoffe vermieden, Dämmstoffe in der Regel aus nachwachsenden Rohstoffen und weitestgehend ökologische Materialien verwendet und ansatzweise „Cradle to Cradle“ verfolgt, also weitgehend versucht, schadstofffreie, biologisch abbaubare oder technisch recycelbare Produkte einzusetzen, im Kontext der Kreislaufwirtschaft. „Es ist eine außergewöhnliche Anerkennung für den städtischen Fachbereich Hochbau, dass das hier von der Verwaltung geplante Kita-Gebäude von einem unabhängigen Beirat für die Architektouren 2026 ausgewählt wurde“, freut sich Oberbürgermeister Martin Heilig. „Der Einsatz von ökologischen Materialien und die Würzburger Energie Standards sind hier beispielhaft umgesetzt und mit einer harmonischen und sensitiven Architektur verschmolzen.“ Baureferent Benjamin Schneider ruft Interessierte dazu auf, die beiden Möglichkeiten zur Führung am 28. Juni zu nutzen: Da die Kita „Sternwarte“ auf der Keesburg Anfang März 2025 von den zwei Kinderkrippen- und den zwei Kindergartengruppen bereits bezogen wurde, besteht ansonsten keine Möglichkeit, das Gebäude zu besichtigen.
Das zweite, in diesem Jahr für die Architektouren ausgewählte Objekt in der Stadt Würzburg ist im Übrigen Umbau und Sanierung der Klosteranlage und Kirche der Erlöserschwestern in der Theresienstraße. Mehr Infos, auch zu den weiteren Objekten im Landkreis und im Freistaat finden sich im Booklet der Architektouren 2026: https://www.byak.de/planen-und-bauen/architektur-baukultur/architektouren.html



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