StartPolitikIG Metall Schweinfurt warnt vor Abbau des Sozialstaats

IG Metall Schweinfurt warnt vor Abbau des Sozialstaats

Foto: IG Metall Schweinfurt

Betriebsräte und Vertrauensleute diskutieren über Rente, Pflege und Arbeitszeit

Schweinfurt – Wie lassen sich Rente, Pflege und Gesundheitsversorgung langfristig sichern? Und was bedeuten längere Lebensarbeitszeiten für Menschen in körperlich belastenden Berufen? Mit diesen Fragen haben sich Betriebsräte und Vertrauensleute bei einer Aktivenkonferenz der IG Metall Schweinfurt beschäftigt.

Die Veranstaltung unter dem Titel „Werkstatt Sozialstaat – zwischen Schlagzeilen und Wirklichkeit“ fand am Samstag, 25. Juli, am Schweinfurter Zeughaus sowie in den Räumen von DGB und IG Metall statt. Im Mittelpunkt standen aktuelle Reformdebatten zur gesetzlichen Rente, zur Pflege- und Gesundheitspolitik sowie zu Arbeitszeit und sozialer Sicherheit.

In mehreren Workshops informierten Fachleute über die unterschiedlichen Themenbereiche. Frank Firsching, Regionsgeschäftsführer des DGB Unterfranken, sprach über Gesundheit und Pflege. Theresia Stahl von der IG-Metall-Vorstandsverwaltung befasste sich mit der Arbeitszeit. Maximilian Waclawczyk, ebenfalls von der Vorstandsverwaltung, widmete sich der Rentenpolitik.

Kritik am höheren Renteneintrittsalter

Kritisch diskutiert wurden insbesondere Überlegungen, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben und die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Nach Ansicht der Teilnehmenden würden solche Maßnahmen vor allem Beschäftigte treffen, die über Jahrzehnte in Schichtarbeit, Produktion oder anderen körperlich belastenden Bereichen tätig waren.

„Wer jahrzehntelang gearbeitet, Beiträge gezahlt und oft unter hohen Belastungen Leistung erbracht hat, darf am Ende nicht bestraft werden“, lautete eine zentrale Forderung der Konferenz. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren sei aus Sicht der Gewerkschafter kein Privileg, sondern eine Anerkennung der erbrachten Lebensleistung.

Auch einer Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 oder 69 Jahre erteilten die Teilnehmenden eine Absage. Eine solche Forderung gehe an der Arbeitsrealität vieler Beschäftigter vorbei. Stattdessen brauche es verlässliche und flexible Möglichkeiten für den Übergang in den Ruhestand.

Altersteilzeit als wichtiges Instrument

Besondere Kritik äußerten die Konferenzteilnehmer an Überlegungen, das Altersteilzeit-Blockmodell abzuschaffen. Dieses habe sich vor allem in Industriebetrieben bewährt, um Beschäftigten einen planbaren und gesundheitlich vertretbaren Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen.

Nach Einschätzung der IG Metall spielt die Altersteilzeit zudem eine wichtige Rolle bei betrieblichen Umstrukturierungen. Sie ermögliche es, Veränderungsprozesse sozialverträglich zu gestalten. Eine Abschaffung würde deshalb sowohl den Beschäftigten als auch den Unternehmen Handlungsmöglichkeiten nehmen.

Pflege dürfe kein Armutsrisiko werden

Auch mögliche Leistungskürzungen und steigende Eigenanteile in der Pflege wurden kritisch bewertet. Die Teilnehmenden warnten davor, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zusätzlich zu belasten.

Die Gewerkschaft fordert eine solidarisch finanzierte Pflegeversicherung, die eine verlässliche Versorgung gewährleistet und Familien wirksam entlastet. Pflege dürfe nicht zum Armutsrisiko werden.

Ähnlich fiel die Bewertung der aktuellen Debatten über die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung aus. „Gesundheit darf nicht von der Größe des Geldbeutels abhängen“, betonten die Teilnehmenden. Statt zusätzlicher Belastungen für Versicherte oder Einschränkungen von Leistungen seien solidarische Finanzierungsmodelle notwendig.

„Deutschland: STABIL!“

Nach Auffassung der Konferenz müssen Rente, Pflege, Gesundheit und Arbeitsbedingungen gemeinsam betrachtet werden. Gute soziale Leistungen seien nicht nur Kostenfaktoren, sondern eine Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität.

Zum Abschluss präsentierten die Teilnehmenden ein Transparent mit dem Motto „Deutschland: STABIL!“. Dahinter stehen drei zentrale Forderungen der IG Metall Schweinfurt: stabile Löhne, sichere Arbeitsplätze und ein starker Sozialstaat.

„Stabilität entsteht nicht durch Sozialabbau, längere Arbeitszeiten oder schlechtere Renten“, erklärte die Gewerkschaft. Notwendig seien vielmehr gute Arbeit, soziale Sicherheit und verlässliche staatliche Leistungen.

Mit Blick auf die kommenden politischen Debatten rief die IG Metall zur Teilnahme an einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf. Diese soll am 26. September 2026 am Kornmarkt in Nürnberg stattfinden. Gewerkschaften, Sozialverbände und Beschäftigte wollen dort für einen starken Sozialstaat, gute Arbeit und eine gerechte Zukunft demonstrieren.

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