Fotos: Bettina Krüger
Grafenrheinfeld - Senftenhof, Sauerstück, Tennig, Rieders, Funkeneiche, Erli, Röte, Bandwehr, Renz, Röthleiner Lacke oder Drei Gruben – viele Grafenrheinfelder kennen diese Namen noch, doch nur wenige wissen heute, welche Geschichten sich dahinter verbergen. Historische Flurnamen sind weit mehr als alte Bezeichnungen. Sie erzählen von der Beschaffenheit der Landschaft, von früheren Besitzern, von alten Berufen, der Landwirtschaft oder besonderen Ereignissen. Oft sind sie die einzigen erhaltenen Zeugnisse der Orts- und Sprachgeschichte und machen sichtbar, wie eng Mensch und Landschaft über Jahrhunderte miteinander verbunden gewesen sind.
Ein weiteres Projekt aus dem Regionalbudget der Mainbogengemeinden hat die Gemeinde Grafenrheinfeld erfolgreich umgesetzt. An sechs besonderen Standorten sind neue Informationstafeln entstanden, die über die historischen Flurnamen sowie die Bildstöcke und Wegekreuze in der Gemarkung informieren.
Bürgermeister Christian Keller hat die Arbeiten gemeinsam mit dem Ideengeber und ehemaligen Gemeinderat Walter Kasper sowie Bauhofleiter Matthias Pfister vor Ort abgenommen. Dabei ist die Freude über das gelungene Ergebnis bei allen Beteiligten deutlich spürbar gewesen.
Die Idee zu dem Projekt hat Walter Kasper eingebracht, der sich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte Grafenrheinfelds beschäftigt hat. Mit großem Engagement hat er insgesamt 81 historische Flurnamen erforscht und dokumentiert. Ergänzt worden sind diese Informationen durch die insgesamt 46 Bildstöcke im Gemeindegebiet – 33 im Ort und 13 in der Flur –, die bis heute wichtige Zeugnisse der Orts- und Glaubensgeschichte sind.
Auch die Bildstöcke erzählen ihre ganz eigenen Geschichten. Sie sind häufig aus Dankbarkeit, nach überstandenen Krankheiten oder Unglücken oder als Zeichen tiefen Glaubens errichtet worden. Viele dienten früher als Orientierungspunkte entlang der Wege oder waren Stationen für Bittgänge und Prozessionen. Namen wie das Fischermarterle, das Krautmarterle oder das Beichtmarterle erinnern bis heute an frühere Berufe, örtliche Besonderheiten oder kirchliche Traditionen und zeigen, wie eng das tägliche Leben der Menschen mit ihrem Glauben und ihrer Heimat verbunden gewesen ist.
Auf den neuen Tafeln sind die historischen Flurnamen mit Karten und kurzen Erläuterungen dargestellt. Gleichzeitig zeigen sie die Standorte der Bildstöcke und Wegekreuze. So haben Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste die Möglichkeit erhalten, die Landschaft und ihre Geschichte auf eine ganz neue Weise zu entdecken.
„Mit den neuen Informationstafeln haben wir ein Stück Heimatgeschichte dauerhaft sichtbar gemacht. Es freut mich sehr, dass wir mit Unterstützung des Regionalbudgets dieses besondere Projekt verwirklichen konnten. Geschichte wird dadurch direkt vor Ort erlebbar und bleibt für kommende Generationen erhalten“, hat Bürgermeister Christian Keller bei der Abnahme gesagt.
Auch Walter Kasper hat sich über die Umsetzung seiner Idee gefreut. Für ihn ist das Projekt weit mehr als eine Sammlung historischer Informationen. „Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und kann die Zukunft neu gestalten.“ Dieser Gedanke von August Bebel hat ihn während seiner gesamten Forschungsarbeit begleitet und findet nun mit den Informationstafeln einen sichtbaren Platz in der Gemeinde.
Umgesetzt worden ist das Projekt vom gemeindlichen Bauhof. Besonders Bauhofmitarbeiter Sebastian Rudolph hat mit viel handwerklichem Geschick die Fundamente erstellt und die Halterungen für die Schilder gefertigt und montiert. Bürgermeister Christian Keller hat sich gemeinsam mit Walter Kasper und Bauhofleiter Matthias Pfister ausdrücklich für die hervorragende Arbeit des Bauhofteams bedankt.
Insgesamt hat die Gemeinde rund 6.800 Euro investiert. Durch die Förderung aus dem Regionalbudget der Mainbogengemeinden ist das Projekt finanziell unterstützt worden.
Mit den sechs Informationstafeln hat Grafenrheinfeld einen weiteren Beitrag zur Bewahrung seiner Geschichte geleistet. Historische Flurnamen und Bildstöcke sind mehr als Relikte vergangener Zeiten – sie sind steinerne und sprachliche Zeugnisse der Identität einer Gemeinde. Dank des Projekts bleiben ihre Geschichten sichtbar und können auch in Zukunft von Bürgerinnen und Bürgern, Schulklassen und Gästen entdeckt werden.
Text: Christian Keller
Fotos: Bettina Krüger




Fotos: Bettina Krüger



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