Lobbyarbeit für Würzburgs ältere Mitmenschen: Beim Festakt „50 Jahre Seniorenbeirat“ verabschiedeten Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová (rechts), Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel (Bildmitte, Zweite Reihe) und Ehrengast Dr. Hülya Düber (Fünfte von links) viele langjährig Engagierte, die dem neuen Gremium nicht mehr angehören werden. Foto: Georg Wagenbrenner
Jubiläumsfeier mit vielen Weichenstellungen
WÜRZBURG – Tage mit Feierlichkeiten, programmatischer Arbeit und zahlreichen personellen Übergängen liegen hinter der Würzburger Seniorenvertretung. Beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Seniorenbeirats wurde deutlich, dass es allen Beteiligten auch an einem runden Geburtstag primär immer um die Sache geht, die Verbesserung der Lebenssituation der älteren Generation in Würzburg. Die Herausforderungen sind dabei vielfältig. Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová hob passend zu den Außentemperaturen und als Leiterin des Umwelt- und Klimareferats beispielsweise den Hitzeschutz hervor und lobte das Hitzetelefon als „ein gutes Zusammenwirken von kommunaler Verantwortung und bürgerschaftlichem Engagement“. Viele weitere konkrete Beispiele sollten beim Festakt noch Erwähnung finden und eine Bilanz über die Arbeit von 1976 bis 2026 liegt jetzt auch in schriftlicher Form vor.
Prof. Eberhard Grötsch stellte die Jubiläumsbroschüre vor, die nicht nur einen Blick zurückwirft bis zu den Anfängen unter Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeitler und Sozialreferent Dr. Peter Motsch, sondern auch für die zukünftige Arbeit eine gute Grundlage bietet mit zahlreichen Links zu wertvollen Projekten, Portalen, Grundsatzpapieren und Partnern. Auch die Kommunalpolitik wurde gefragt, „was sie mit den Alten vorhat“, und antwortet in der Festschrift in kompakter Form.
Eine Bundespolitikerin, die frühere Sozialreferentin Dr. Hülya Düber, beteiligte sich ebenfalls am dreistündigen Fachtag, der dem Festakt vorausging, und überbrachte dann im gut gefüllten Sitzungssaal des Würzburger Rathauses die Glückwünsche an den Beirat, dessen Arbeit sie lange begleitet hatte: „Wenn ich heute zehn Jahre zurückblicke, stelle ich fest, dass damals viele Entwicklungen noch am Anfang standen. Heute gehören Quartiersarbeit, Begegnungsangebote, Beteiligungsmöglichkeiten für ältere Menschen und neue Formen der Unterstützung selbstverständlich zur Seniorenarbeit in Würzburg.“ Dahinter stecke die Arbeit vieler Menschen: in der Verwaltung, bei den Wohlfahrtsverbänden, in den Einrichtungen und Vereinen, aber eben auch im Seniorenbeirat und in der Seniorenvertretung.
Diese verschiedenen Partner im Einsatz für eine gute Seniorenpolitik waren nun einmal mehr im Austausch und erlebten auch viel Input aus anderen Städten. So referierte beispielsweise Dagmar Vogt-Janssen, die Fachbereichsleiterin Senioren der Stadt Hannover, darüber, wie man Altenhilfe und Pflegestrukturen „gut zusammen denkt“. Die Berliner Stadtplanerin Dr. Petra Potz blickte genau auf das Quartier und wie man Orte gegen Einsamkeit schaffen kann. Sie hatte viele Best-Praxis-Beispiele dabei. In Wien nutzt man Laubengänge, um generationsübergreifend in Kontakt zu kommen, in Bocholt wurde unter Einbindung einer Schule ein ehemaliger Supermarkt zum Begegnungscafé. In anderen Supermärkten wird weiterhin eingekauft, aber man hat „Plauderkassen“, wo das Bezahlen nicht in Windeseile erledigt sein muss. Und in solchen Aufzählungen finden sich auch immer wieder Beispiele aus Würzburg etwa das Konzept der Stadtteilbücherei am Hubland, wo die Kundschaft nicht zwingend auf Personal angewiesen ist und es viele Anreize zum Verweilen und Austausch untereinander auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten gibt.
Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel skizzierte in ihrem Grußwort, dass aktuell viele soziale Sicherungssysteme zunehmend unter Druck geraten: „Umso wichtiger ist es, bestehende Unterstützungsangebote nicht nur aufzubauen, sondern dauerhaft zu sichern.“ Förderprogramme wie „Selbstbestimmt Leben im Alter“ und „Gute Pflege in Bayern“ haben wichtige Entwicklungen angestoßen. Sie ermöglichen den Aufbau nachhaltiger Unterstützungsstrukturen und stärken quartiersnahe Angebote für ältere Menschen, ob nun in Rottenbauer oder in der Sanderau. Die Sozialreferentin lobte in diesem Zusammenhang den neu gegründeten Freundeskreis der Seniorenvertretung sowie die „Renate und Rudolf Fiedler Stiftung“. Mit diesen Instrumenten werde es leichter, Projekte zu fördern und das Engagement durch Öffentlichkeitsarbeit sichtbar zu machen.
Der Festakt bot zugleich einen passenden Rahmen, um die personellen Veränderungen in der Seniorenvertretung und Seniorenbeirat sichtbar zu machen. Mit dem Ende der Amtsperiode verabschiedeten sich zahlreiche engagierte Mitglieder aus beiden Gremien, die die Interessen älterer Menschen in Würzburg über viele Jahre hinweg mit großem Einsatz vertreten haben. Zu ihnen zählt auch Dr. Michael Schwab, der als langjähriger Chefarzt der Geriatrie des Bürgerspitals und vielen Bürgerinnen und Bürgern durch das Bewegungsangebot „Würzburg bewegt sich“ bekannt ist.
Gleichzeitig bleibt den Gremien wertvolle Expertise erhalten. So werden Dr. Elisabeth Jentschke und Prof. Dr. Theresia Wintergerst ihre fachlichen Kenntnisse und Erfahrungen weiterhin in die Arbeit des Seniorenbeirats einbringen. Mit Dr. Kathrin Taschner konnte zudem eine ausgewiesene Fachfrau für die Mitarbeit gewonnen werden, die die Nachfolge von Dr. Michael Schwab antritt.
Neben dieser Kontinuität prägen auch neue Mitglieder die Arbeit von Seniorenvertretung und Seniorenbeirat. Die neu zusammengesetzten Gremien nutzten deshalb den folgenden Klausurtag, um sich kennenzulernen, gemeinsame Ziele zu entwickeln und die Zusammenarbeit für die kommende Amtsperiode zu gestalten.
Weitere Informationen zu den Mitgliedern der Seniorenvertretung und zu aktuellen Projekten finden sich auf der Internetseite der Seniorenvertretung Würzburg Auf www.seniorenvertretung-wuerzburg.de.
Nicht alle Veränderungen können hier wiedergegeben werden, doch eine zentrale Schlüsselübergabe prägte den gesamten Festakt: Mit Kerstin Klein moderierte bereits die neue Leitung Seniorenarbeit und Geschäftsführung Seniorenbeirat und Vertretung durch das Format, während ihr Vorgänger im Doppel-Amt Hendrik Lütke noch viel Lob und Anerkennung für seine Arbeit erfuhr, die er zuletzt im „Resturlaub“ vor seinem Ruhestand geleistet hat, etwa um die Jubiläumsbroschüre fristgerecht abzuschließen.



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