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Nürnberger Tiergarten will unerwünschte Paviane töten – PETA fordert Zuchtstopp und droht mit Strafanzeige

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Nürnberg / Stuttgart, 9. Februar 2024 – Der Nürnberger Tiergarten informierte gestern darüber, dass man einige der 45 dort gehaltenen Guinea-Paviane aus Gründen des „Populationsmanagements“ töten will. Das Affenhaus würde „aus allen Nähten“[1] platzen, so der Tiergarten. Man wolle mit dieser Entscheidung auch einen „gesellschaftlichen Diskurs“[2] über das Töten von als überzählig erachteten Primaten anstoßen, da dies bislang vor allem bei anderen Tierarten wie Huftieren oder Vögeln praktiziert werden würde.„Es ist bezeichnend für den in unserer Gesellschaft stark verankerten Speziesismus, dass der Tiergarten Nürnberg in seiner Ankündigung bereits starke Reaktionen der Öffentlichkeit vorhersagt“, so die Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Tötungen von Publikumslieblingen wie Primaten, Löwen oder Giraffen gelten als weniger akzeptabel als das Töten von Huftieren, die oftmals Zoo-intern als Nahrung für andere Tiere verwendet werden. Sogenannte Überschusstötungen, also das Töten „überzähliger“, gesunder Tiere, sind in Zoos nichts Neues. Auch der Nürnberger Tiergarten hat in der Vergangenheit wiederholt Tiere getötet – darunter auch Tiere, die gefährdeten Arten angehören, beispielsweise Mendesantilopen. Dies verdeutlicht wieder einmal, wie sehr das Zoopublikum mit dem vermeintlichen Artenschutz-Argument getäuscht wird. Bei den Guinea-Pavianen, die nun getötet werden sollen, gibt der Zoo sogar offen zu, dass eine Auswilderung gar nicht möglich oder gewollt ist. Auch das Argument, die Zucht weiterer Tiere sei notwendig für das Sozialgefüge, ist reine Doppelmoral. Denn gleichzeitig haben zoologische Einrichtungen keinerlei Skrupel, den Tieren andere grundlegende Bedürfnisse abzusprechen: Vögeln werden die Flügel gestutzt, Raubtiere können ihrem natürlichen Jagdverhalten nicht nachgehen und Elefantinnen werden von ihrem Familienverband getrennt – nur wenige Beispiele von vielen. Das Züchten und Töten von Tieren ist ein von Zoos selbst geschaffener Teufelskreis. Dieser kann nur durchbrochen werden, wenn Pläne zu Zuchtstopps und der Schließung von Zoos erarbeitet werden, anstatt über die etwaige Tötung der Tiere zu diskutieren – egal welche Art es betrifft.“PETA prüft StrafanzeigeEine Tiertötung kann nicht mithilfe einer Zwangssituation gerechtfertigt werden, die man zuvor selbst voraussehbar durch die Zucht herbeigeführt hat. Eine „Überschuss“-Situation von Tieren in Zoos als solche wird daher rechtlich nicht als vernünftiger Grund angesehen, um Tiere zu töten. Das Vorgehen soll vermeintlich dadurch legitimiert werden, dass die getöteten Tiere anschließend als Nahrung für andere Tiere dienen sollen. So heißt es auch seitens der Bundesregierung, BT-Drs. 17/12235, 7: „Tötung kann aber immer nur eine Ultima Ratio sein, wenn eine tierschutzgerechte Haltung, ggf. im Rahmen einer anderweitigen Unterbringung, faktisch ausgeschlossen ist. Ob für diesen Ausnahmefall ein vernünftiger Grund iSd Tierschutzgesetzes zur Rechtfertigung gegeben ist, bedarf im Einzelfall der sorgfältigen Prüfung.“ PETA Deutschland e.V. wird im Falle von Pavian-Tötungen Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Nürnberger Tiergartens erstatten.PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

[1] BR (2024): Paviane im Tiergarten müssen getötet werden. Online abrufbar unter: https://www.br.de/nachricht/paviane-im-tiergarten-nuernberg-muessen-getoetet-werden-100.html (09.02.2024).[2] Stuttgarter Nachrichten (2024): Tiergarten will Paviane für Artenschutz töten. Online abrufbar unter: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nuernberg-tiergarten-will-paviane-fuer-artenschutz-toeten.71e16349-5097-49dc-b485-7ac02eaad059.html (09.02.2024).

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