Deutschland, der Pazifist im Tarnanzug
Eine Glosse über Aufrüstung, Weltrettung und andere Märchen
Ach, Deutschland. Eben noch der moralische Musterknabe des Friedens, jetzt wieder der Hans Dampf im Kriegsgerät. Kaum ruft irgendwo jemand „Gefahr!“, schon polieren wir unsere Panzer, als gäbe es einen Preis für die schönste Tarnlackierung. Und das alles, versteht sich, nur zu unserem Schutz. Rein defensiv. Wirklich!
Wir haben aus der Geschichte gelernt – nämlich, dass man sie schnell vergisst, wenn’s politisch passt. Statt mit Diplomatie die Welt zu nerven, werfen wir jetzt wieder mit Sondervermögen um uns, als wäre es Monopoly-Geld. Rüstungskonzerne jubeln, Politiker lächeln, und die Rüstungslobby reibt sich die Hände so heiß, dass man daran vermutlich Würstchen grillen könnte.
Sanktionen gegen Putin? Ja, klar, das beeindruckt ihn bestimmt total – irgendwo zwischen Tee und Schachbrett. In Wirklichkeit läuft er wohl zur Höchstform auf: „Oh, ihr wollt mich wirtschaftlich ruinieren? Jetzt erst recht, ihr Luschen!“
Und der Nahe Osten? Israel bekommt von uns die diplomatische Kuschelpackung: ein bisschen Verständnis hier, ein paar mahnende Worte dort – und bloß keine klaren Kanten. Die Hamas? Offiziell verurteilt, inoffiziell immer wieder von irgendwem unterstützt. Die UNO? Unser zahnloser Tiger, der höchstens faucht, wenn der Wind günstig steht.
Dabei wissen wir doch längst: Kriege lösen nichts. Sie sind die Ikea-Bauanleitung für noch größere Probleme – nur ohne Schrauben, dafür mit Blut. Das Geld, das wir in Panzer, Drohnen und Raketen pumpen, könnte ganze Kontinente satt machen. Könnte. Wenn wir wollten.
Aber hey, eine starke Weltgemeinschaft mit Mut, Macht und Moral – das klingt so nach Utopie, dass es im Bundestag vermutlich als Science-Fiction gilt. Also bleiben wir lieber, wer wir sind: Friedensapostel im Tarnanzug, immer bereit, den nächsten Konflikt mit ein bisschen mehr Feuerkraft zu „lösen“.
Sandra Grätsch
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