Fukushima-Mahnwache

Veranstalter: Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft ( SWAB)Redebeitrag von Babs Günther, Sprecherin
Vor 8 Jahren ereignete sich ein massives Unglück in Japan: ein schweres Erdbeben, ein gewaltiger Tsunami forderten mehr als 20000 Tote – und in Folge kam es im AKW Fuushima – Daiichi zu einem atomaren Super-Gau mit 3facher Kernschmelze.
2019: der japanische Staat vermittelt den Eindruck von „Normalität“

  • Lebensmittel aus der Region Fukushima seien sicher
  • Bewohner können / sollen in ihre Häuser in den vorherigen Sperrzonen zurückkehren
  • Man wirbt für Tourismus und die Olympischen Spiele 2020 – die auch in der Region Fukushima stattfinden sollen! – und erhofft sich, damit die „Erholung der Region“ zeigen zu können

Ein positives Bild …
Greenpeace und IPPNW sehen das anders.Greenpeace Japan erhebt den Vorwurf, dass die japanische Regierung in Berichten an die Vereinten Nationen „…das Ausmaß, die Komplexität, und die Strahlungsrisiken in Gebieten von Fukushima sowie die Arbeitsbedingungen für Arbeiter absichtlich falsch darstellt“.
Laut Greenpeace bergen die Strahlenwerte in der Sperrzone um das AKW, aber auch in Gebieten, in denen die Evakuierungsanordnungen aufgehoben wurden, ein signifikantes Gesundheits-Risiko für die Bevölkerung – die international empfohlenen Strahlen-Höchstwerte werden um das 5- 100fache überschritten.Arbeiter, die zu Dekontaminierungsarbeiten eingesetzt werden, würden unter schlechtesten Arbeits-Bedingungen ausgebeutet,
Die bisher geleisteten staatlichen Hilfen (z.B. Wohngeld) für geflüchtete Bewohner aus den evakuierten Gebieten laufen aus.
Die Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) berichten, dass Japaner, die 2011 beim Supergau als Kinder in Fukushima waren, ein mind. 15faches Risiko haben, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.Bereits bei 205 Kindern sind bisher Krebszellen gefunden worden – doch von der Fukushima Medical University ist geplant, die Untersuchungsintervalle zu vergrößern, ab dem 18. Lebensjahr sollen die  Untersuchungskosten nicht mehr übernommen werden.
Alex Rosen, IPPNW Vorsitzender äußert sich dazu sehr eindeutig: „Die Bewohner von Fukushima und die Menschen in Japan haben ein unveräußerliches Recht auf Gesundheit und auf ein Leben in einer gesunden Umwelt. Die korrekte Fortführung und wissenschaftliche Begleitung der Schilddrüsenuntersuchungen liegen im öffentlichen Interesse und dürfen nicht durch politische oder wirtschaftliche Beweggründe konterkariert werden.“
Obwohl die Mehrheit der Japaner einen Übergang zu erneuerbaren Energien fordert, will der Staat die nach Fukushima abgeschalteten Atomreaktoren wieder anfahren und zugleich die Zahl der Kohlekraftwerke im Land dramatisch erhöhen, beklagt Greenpeace.
Fukushima 2019 bedeutet auch „umfassende Entsorgungsprobleme“:
Erst kürzlich wurde zum 1.Mal versucht, mit einem Roboter das Innere eines der zerstörten Reaktoren zu untersuchen. Plan: 2021 mit der Entsorgung der Reaktoren zu beginnen – doch ein Plan für die Lagerung bzw. Endlagerung des hochradioaktiv kontaminierten Materials ist nicht bekannt.Es ist nicht klar, was tun ist mit über einer Million Tonnen Wasser, gesammelt in mehreren hundert Tanks – alle 10 Tage wird ein neuer Tank benötigt – die auf dem AKW-Gelände gelagert sind. Dieses bietet keine weitere Lagerkapazität.Das Wasser ist zwar gefiltert, aber immer noch radioaktiv belastet: mit Tritium, Jod 129, Strontium 90;Tepco, die AKW-Betreiberfirma plant die Einleitung ins Meer – Fischer, Bewohner, umliegende Länder sind dagegen; nach der Atomkatastrophe wurde bereits massenhaft radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer eingeleitet,Tausende Kanister mit hochbelasteten Filterrückständen müssen entsorgt werden. Plastiksäcke mit kontaminiertem Laub, Dreck, Erde türmen sich in der Region – es gibt keine Lösung für eine sichere Entsorgung der radioaktiv belasteten Materialien und Stoffe. Doch es gibt Pläne, auch Erde, die weit über den existierenden Grenzwerten liegt, bei Bauarbeiten zu verwenden.
2019, acht Jahre nach dem atomaren Super-Gau in Japan, zeigt sich, dass „nichts gut ist“ – auch wenn die japanische Regierung versucht, die Auswirkungen und die Dimension der atomaren Katastrophe zu ignorieren. 

In Deutschland wurde in Folge der Atomkatastrophe von Fukushima der  Atomausstieg beschlossen – aber leider noch nicht durchgesetzt: immer noch sind Atomanlagen und 7 hochgefährliche AKW am Netz,gefährden Umwelt und Lebewesen und produzieren stetig weiteren hochradioaktiven Atommüll – für den es weltweit bisher keine ausreichend sichere Lagermöglichkeit gibt. Hierzulande wird er derzeit an den AKW-Standorten aufbewahrt, in sicherheitstechnisch fragwürdigen Zwischenlagern – wie in Grafenrheinfeld. Der Endlager-Standort-Suchprozess für hochradioaktiven Atommüll wurde gestartet – und gestaltet sich schwierig.
Wir sind in der glücklichen Lage, dass das AKW Grafenrheinfeld „vom Netz gegangen ist“. Doch das gesamte atomare Inventar befindet sich weiterhin am AKW-Standort;  Grafenrheinfeld ist – und bleibt für ungewisse Zukunft – Atomstandort! Daraus ergibt sich, dass „wir“ /die Bevölkerung“ in der unglücklichen Lage sind, weiterhin mit strahlungsrelevanten, negativen Auswirkungen konfrontiert zu werden!
Kürzlich wurde bekannt, dass radioaktiv belastetes Material aus dem AKW Gundremmingen in der Müllverbrennungsanlage Weißenhorn seit 2016 regelmäßig verbrannt wurde und auch weiterhin verbrannt werden soll. Verbrennung kann Radioaktivität nicht beseitigen, diese wird lediglich neu in der Umwelt verteilt – mit allen Strahlenrisiken, die sich daraus ergeben.Aufgrund der rechtlichen  Vorgaben zu  „Freimessung“ und „Freigabe“  radioaktiv belasteten Materials ist das „legal“.Was passiert an anderen Atomstandorten? Wo wird – vielleicht – auch Atommüll verbrannt? Wie sehen die Planungen für den Raum Schweinfurt aus?

Nun spanne ich einen Bogen nach Ahaus:vorgestern, am Samstag, 9.3.2019 fand in Ahaus eine wichtige Demo statt: wir – vom Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft – erklären uns solidarisch mit den Forderungen der Anti-Atom-AktivistInnen von Ahaus!
Noch in diesem Jahr sollen Castoren mit waffenfähigem Atommüll aus dem Forschungsreaktor Garching und dem Versuchsreaktor AVR Jülich ins Zwischenlager nach Ahaus rollen.In Garching bei München haben die für 2019 geplanten Castortransporte vom Forschungsreaktor FRM II in das Zwischenlager in Ahaus eine wichtige Hürde genommen: Das Bundesamt für Kerntechnische Entsorgungssicherheit hat die Transportbehälter vom Typ Castor MTR-3 zugelassen. Auch für die 152 Castoren mit verbrauchten Brennelementekugeln des Versuchsreaktors AVR in Jülich steht neben dem Export in die USA die Verbringung nach Ahaus zur Debatte.In beiden Fällen handelt es sich um Atom-Sondermüll, der hoch angereichertes Uran enthält, welches für Atomwaffen missbraucht werden könnte. Transporte mit solchem Material, wie auch die Einlagerung in Ahaus bilden Angriffsflächen für Diebstahl und Missbrauch.  Eine Möglichkeit zur Abreicherung des Mülls gibt es in Ahaus nicht.

Zwischenlager-Konzept gescheitert
Damit steht Ahaus stellvertretend für das insgesamt gescheiterte Zwischenlagerkonzept in Deutschland: Bereits in den 2030er Jahren werden die ersten Betriebsgenehmigungen – darunter Gorleben und Ahaus – auslaufen, lange bevor ein „Endlager“ in Betrieb gehen kann.Es steht zu befürchten, dass die bestehenden Atommülllager einfach verlängert werden, ohne dass wichtige Fragen, wie die längerfristige Gebäude- und Behältersicherheit, sowie die nötige Uran-Abreicherung rechtzeitig geklärt werden.Wir unterstützen diese Forderungen:

  • Keine Verlängerung der bestehenden Genehmigungen für Zwischenlager! Umgehende Entwicklung von tragfähigen neuen Konzepten für eine möglichst sichere, längerfristige Zwischenlagerung unter Einbeziehung internationaler Forschungsergebnisse.
  • Kein Transport von atomwaffenfähigem Material aus Garching nach Ahaus! Stattdessen Lagerung der Brennelemente, Abreicherung und endlagergerechte Verpackung in Garching! Schluss mit dem Einsatz von waffenfähigem Uran im FRM II!
  • Kein Transport der Brennelementbehälter mit unkalkulierbarem Inhalt aus Jülich nach Ahaus! Stattdessen Bau einer erdbebensicheren Lagerhalle in Jülich und Entwicklung von Konzepten zur endlagergerechten Verpackung dieser Elemente in Jülich!
  • Keine weitere Produktion von Atommüll, da alle bisherigen Entsorgungskonzept fehlgeschlagen sind (siehe Asse, Morsleben, Gorleben, Schacht Konrad)!keine Endloslager werden!

Auch wir haben  – in Grafenrheinfeld – ein Atommüllzwischenlager – und ein weiteres, zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dem AKW-Rückbau – wird z.Z. errichtet – und nur wenigen in der Region ist das bewusst!

Der AKW Rückbau ist ein wichtiges Thema, dass uns umtreibt …. wir bekommen dazu leider kaum Informationen von Preussen-Elektra. Das läuft an anderen Standorten besser: in Philippsburg z.B. tagt regelmäßig eine Info-Kommission und informiert die interessierte Bevölkerung über die Rückbaumassnahmen. Dort dürfen auch Fragen gestellt werden – so etwas hätten wir auch am AKW-Standort Grafenrheinfeld gerne – wir fordern Öffentllichkeitsbeteiligung!!!

Bevor ich das Wort an Elmar Rachle weitergebe, einige abschliessende Worte:der Atomausstieg muss forciert werden, ebenso der Kohleausstieg! Die Energiewende muss fortgesetzt werden,hin zu einer Energieversorgung die klimaneutral, dezentral, bezahlbar, vertragssicher ist und Importe von Kohle- und Atomstrom ausschliesst.

Wir haben hier Unterschriftenlisten mit der Forderung, den Euratomvertrag zu beenden. Dieser Vertrag wurde vor mehr als 60 Jahren geschlossen, ist immer noch gültig und dient dazu, in der EU den Bau und die Entwicklung neuer AKWs zu fördern.Wir müssen raus aus dem Euratom-Vertrag!

Ende April jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl –aus diesem Anlass lädt das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) herzlich ein zur Film-Matinee am So., 28.04.2019 ; um 11.00 Uhr im KUK im Schweinfurt;
gezeigt wird der Film „Wackersdorf“- der Film über die Planungen für die WAA und und den Widerstand , der sich dagegen erhoben hat! 
Claus Bößenecker, Zeitzeuge, zuständig für Rechtsfragen zur WAA am Landratsamt und gleichzeitig WAA-Gegner, ist anwesend und Gesprächspartner im Anschluß an die Filmvorführung.Mit vielen Grüßen
Babs Güntherfür das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB), Sprecherin

Werbeanzeigen

Ersten Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.