„Wir retten die Bienen und die Bauern“

Ein packender Vortrag zum Volksbegehren Artenvielfalt in Schweinfurt 04.02.2019, Schweinfurt. Keinen Zweifel an der Wichtigkeit des aktuellen Volksbegehrens Artenvielfalt ließ der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Dr. Norbert Schäffer, bei seinem gestrigen Vortrag in Schweinfurt. Der Saal im Pfarrzentrum St. Kilian war gut gefüllt und nach einem packenden Vortrag beteiligten sich die Zuhörer rege an der Diskussion.

Eingeladen hatte der Aktionskreis in Schweinfurt, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Bürger bestmöglich über Ziele und Inhalte des Volksbegehrens zu informieren und eine großmögliche Mobilisierung für die laufende Eintragungsphase in den Rathäusern vom 31.1. bis zum 13.2. zu schaffen. „Es ist Zeit zu handeln, denn das Artensterben hat auch in Bayern dramatische Ausmaße angenommen“, sagte der Dr. Norbert Schäffer gleich zu Beginn. „Zugleich hat nun jeder wahlberechtigte Bürger die Chance, mit seiner Unterschrift im Rathaus endlich für ein höchst wirksames Naturschutzgesetz einzutreten.“ Ob Feldhamster oder Feldlerche, Wildbienen oder Schwalbenschwanz und der Wiesensalbei – diese Arten und noch viele tausend mehr gehen stark zurück und füllen die Roten Listen. Und zwar massiv. Dr. Schäffer machte deutlich, dass dieser Schwund sehr bald auch ökonomisch katastrophale Folgen haben werde:

„Allein bei der Bestäubungsarbeit, die Insekten für uns erledigen, sprechen wir von Beträgen im dreistelligen Milliardenbereich weltweit!“. Der Gesetzesentwurf setze an den Wurzeln des Artensterbens an, so Schäffer. Deshalb sei unter anderem eine bayernweite Vernetzung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen vorgesehen. Auch der bayernweite Schutz von Gewässerrändern, in allen anderen Bundesländern schon Pflicht, sei ein weiterer wichtiger und wirksamer Baustein des Volksbegehrens. Hier wollen die Initiatoren in einem Abstand von fünf Metern ein Verbot der ackerbaulichen Nutzung. Zudem sollen Hecken, Feldgehölze, Streuobstwiesen und andere Rückzugsgebiete für die bedrohten Tierarten besser geschützt werden. Der wichtigste Schritt sei der deutliche Ausbau der ökologischen Landwirtschaft, Dr. Schäffer. „Wir verknüpfen dieses Ziel aber mit einem verbindlichen Zeitpunkt.“ Chance für die Landwirte Der Gesetzesentwurf zeichne sich vor allem dadurch aus, dass er den Landwirten an drei entscheidenden Stellen eine interessante wirtschaftliche Perspektive biete, so Schäffer. „10 Prozent der Grünlandfläche müssen künftig zu Blühwiesen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Bayerische Staatsregierung den Landwirten ein richtig gutes Angebot unterbreiten müssen. Das genau ist in unserem Sinn.“ Ähnliches gelte für den Biotopverbund. Auch hier würde der Bayerische Staat Flächen benötigen und den Landwirten ein wirtschaftlich lukratives und langfristiges Angebot machen müssen. Nicht zuletzt könnte die Bayerische Staatsregierung von Österreich lernen. Gute Förderprogramme kombiniert mit einem massiven Ausbau des Nachfragemarktes haben dort dazu geführt, dass bereits 27 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Besonders die Umstellung aller Kantinen in Behörden, Schulen, Universitäten und Krankenhäusern hatten den Absatzmarkt gestützt. Das geht in Bayern genauso gut, so Dr. Schäffer. „Unsere Landwirte können sich darauf freuen, dass ihnen endlich gute und langfristige Angebote gemacht werden. So kommen Artenschutz und Ökonomie zusammen und die Landwirte bekommen endlich eine Perspektive weg vom ewigen Wachstumszwang!“ Hohe Hürden – große Wirksamkeit Damit es so weit kommt, müssen die bayerischen Wählerinnen und Wähler bis zum 13. Februar fleißig in die Rathäuser strömen. Knapp 1 Millionen Wahlberechtigte müssen sich unter Vorlage des Personalausweises in die Listen eintragen, damit das Volksbegehren erfolgreich ist. Esther Wagenhäuser von der ÖDP und Harald Vorberg vom Landesbund für Vogelschutz, beide Sprecher des Schweinfurter Aktionskreises, zeigten sich optimistisch, dass die Bürger aus Stadt und Landkreis Schweinfurt mitmachen. Das lokale Aktionsbündnis zum Volksbegehren Artenvielfalt wird getragen von zahlreichen Schweinfurter Organisationen und Parteien, darunter der LBV, BUND, ÖDP, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, Die Linke und viele mehr.

Bild:
BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) Kreisgruppe Schweinfurt

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