Der Arbeitsmarkt im Januar 2019

Die kalte Jahreszeit ließ die Arbeitslosigkeit saisonbedingt ansteigen

Die insgesamt positive Entwicklung in 2018 am Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön setzte sich zu Beginn des neuen Jahres fort. „Die Anzahl der arbeitslosen Menschen blieb zum Jahresbeginn unter der 8.000-er Marke. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,2 Prozent“, kommentierte Thomas Stelzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die aktuellen Zahlen. Im Januar 2019 waren in der Region Main-Rhön 7.974 Menschen arbeitslos gemeldet, das waren 1.099 oder 16 Prozent mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote stieg von 2,8 Prozent im Dezember auf 3,2 Prozent im Januar. Gegenüber dem Vorjahr gab es keine Veränderung. Im Januar 2018 lag die Arbeitslosenquote ebenso bei 3,2 Prozent, damals wurden 7.719 arbeitslose Menschen gezählt, dies waren 255 Personen weniger. Überwiegend Männer waren von der Winterarbeitslosigkeit betroffen, da diese oftmals in den Außenberufen arbeiten. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Männer stieg im Vergleich zum Januar 2018 überproportional stark (+ 843 Personen / + 22,5 Prozent) auf 4.589 an. „Witterungsbedingte Entlassungen und das Ende des Weihnachtsgeschäftes sind Faktoren, die sich auch auf dem Arbeitsmarkt in unserer Region als übliche saisonale Komponente auswirken und die Arbeitslosenzahlen spürbar ansteigen lassen. Hinzu kamen auslaufende befristete Arbeitsverträge“, bewertet Stelzer die aktuelle Situation.

Die Bewegungszahlen auf dem Arbeitsmarkt in der Region sind weiterhin relativ hoch. 1.955 Menschen konnten im Januar ihre Arbeitslosigkeit beenden. Dies waren 58 Personen weniger als im Vorjahresmonat. Im Gegenzug mussten sich 3.059 Arbeitnehmer erstmals oder erneut arbeitslos melden. Dies waren 225 Personen mehr als im Januar 2018.

Die Arbeitslosenzahlen nach Regionen:

Arbeitslose Arbeitslosen- Veränderung in %-Punkten

Anzahl absolut Quote zum Vormonat zum Vorjahr

AA Schweinfurt 7.974 3,2 % + 0,4 +/- 0,0

Stadt Schweinfurt 1.710 6,1 % + 0,6 + 0,2

Lkr. Schweinfurt 1.680 2,5 % + 0,3 +/- 0,0

Lkr. Bad Kissingen 1.901 3,3 % + 0,5 + 0,1

Lkr. Rhön-Grabfeld 1.265 2,8 % + 0,5 +/- 0,0

Lkr. Haßberge 1.418 2,8 % + 0,5 – 0,1

Leichter Anstieg der Kurzarbeit auf weiterhin niedrigem Niveau

Die Zahl der Betriebe, welche für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet hatten, stieg um sechs auf 20 Betriebe mit insgesamt 454 Arbeitnehmern. Gegenüber dem Dezember waren 326 Personen mehr betroffen. Vor einem Jahr lagen die Zahlen niedriger. Im Januar 2018 waren es 15 Betriebe mit 103 Beschäftigten. „Die Kurzarbeit als Frühindikator deutet auf eine sich fortsetzende positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hin, da sich diese weiterhin auf einem niedrigen Niveau bewegt“, resümierte Stelzer.

Geringer Anstieg bei den arbeitslosen Menschen mit Fluchthintergrund

Im Januar wurden in der Region Main-Rhön 642 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund gezählt. Das waren 8,1 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen. Den weitaus größten Anteil bildeten dabei Menschen aus Syrien (397 Personen), gefolgt von afghanischen Staatsbürgern (84). Knapp die Hälfte des Personenkreises (46 Prozent) ist jünger als 35 Jahre und zwei Drittel der arbeitslosen Menschen im Kontext von Fluchtmigration sind männlich. Verglichen mit dem Vorjahr stellt sich die Situation ähnlich dar. Damals wurden 593 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund gezählt. Das waren 49 Personen weniger und entsprach 7,7 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen. „Der Arbeitsmarkt in unserer Region zeigte sich aufnahmefähig auch für geflüchtete Menschen. Angesichts der jungen Altersstruktur könnte das Schul- und Qualifikationsniveau der Geflüchteten noch gesteigert werden und so die Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration erleichtern“, erläuterte Stelzer.

Positive Entwicklung bei der Unterbeschäftigungsquote im Vorjahresvergleich

Die Arbeitsmarktstatistik erfasst zudem die Unterbeschäftigung. Diese beinhaltet neben den arbeitslosen Menschen beispielsweise auch Personen in Weiterbildungen sowie Selbständige, die mit einem Gründungszuschuss gefördert werden und daher nicht als arbeitslos gelten. Sie vermittelt damit einen umfassenderen Eindruck über die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Im Vorjahresvergleich hat sich die Situation verbessert. 10.940 Menschen waren im Januar von Unterbeschäftigung betroffen, das waren 865 mehr als im Dezember 2018, allerdings 388 Personen weniger als im Januar 2018. Die Unterbeschäftigungsquote stieg im letzten Monat um 0,4 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent an. Im Vorjahresmonat lag diese noch bei 4,6 Prozent. Im Zusammenhang mit der Betrachtung der Unterbeschäftigung wird ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Teilnehmerzahlen in Sprach- und Integrationskursen gelegt. Diese ist im Vergleich zum Vormonat um106 auf 597 Personen gesunken. Im Januar 2018 war die Zahl mit 958 Teilnehmern um 361 Personen höher.

Stellenbestand weiterhin auf beeindruckend hohem Niveau

Die neueste Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (Stand: Januar 2019) liegt vor. Diese wird halbjährlich durchgeführt. Nach deren Einschätzung gibt es keinen generellen flächendeckenden und branchenübergreifenden Fachkräftemangel in ganz Deutschland. Deutschlandweit gibt es jedoch erhebliche Engpässe in einigen technischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Im Vergleich zur Analyse im Juni 2018 sind mehrere Berufe neu als Berufe mit einem Engpass eingestuft worden. So kamen u.a. weitere Bauberufe im Handwerk hinzu. Auch bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr ist nun ein Mangel sichtbar.

Für Bayern wurden in nachfolgend aufgelisteten Branchen weitere Engpässe zusätzlich zur bundesweiten Analyse definiert: Ein Mangel an Fachkräften wiesen die Berufsgruppen Holzbearbeitung und –Verarbeitung sowie Metallbearbeitung, technisches Zeichnen, Konstruktion, Modellbau und Hochbau sowie technischer Betrieb Eisenbahn-, Luft- und Schiffsverkehr auf. Zusätzlich wurde ein Mangel an Spezialisten in den Bereichen Gartenbau sowie Informatik festgestellt. „Viele Arbeitgeber in unserer Region signalisieren, dass die Besetzung offener Stellen zunehmend schwerer fällt und die Bereitschaft besteht bei der Bewerberauswahl Kompromisse einzugehen und mehr in die zukünftigen Mitarbeiter zu investieren“, resümiert Stelzer.

Die Mangelsituation zeigt sich auch durch die anhaltend große Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Anzahl der gemeldeten Arbeitsstellen blieb im Januar gegenüber dem Dezember nahezu unverändert hoch bei 5.248 offenen Arbeitsangeboten. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt der aktuell gemeldete Stellenbestand um 251 Stellen höher, dies entspricht einem Plus von 5 Prozent. „Der hohe Bestand an offenen Stellen hat auch seine Schattenseiten. So können die Unternehmen ihren Bedarf an Fachkräften oft nur mit Verzögerungen decken. Mehr als 236 Tage dauert es im Durchschnitt, bis eine Stelle wieder besetzt wird. Noch vor einem Jahr waren es rund 54 Tage weniger“, so Stelzer. Im Januar nahmen die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter 736 neue Stellenangebote entgegen. Das waren 43 Stellenzugänge weniger als vor einem Jahr. Von den Stellenmeldungen sind beispielsweise dem verarbeitenden Gewerbe 115 Stellen zuzurechnen. 93 der offenen Stellen betrafen die Branche Gesundheit und Soziales. Weitere 76 Stellen im Zugang fielen auf den Bereich des Handels und der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Die Baubranche mit 34 Stellenzugänge war ebenfalls gewichtig vertreten. Der Branche Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mit 43 neuen Zugängen fiel ebenfalls ein großes Gewicht bei den Stellenmeldungen zu. „Auch Ungelernte profitieren erfreulicherweise von der guten Konjunktur. Sie haben es allerdings ungleich schwerer einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. In vielen Fällen setzen die Arbeitgeber jedoch eine Ausbildung bei der Arbeitnehmersuche voraus. Rund 80 Prozent der gemeldeten Stellen forderten einen Berufsabschluss bzw. eine höherwertigere Ausbildung“, betont Stelzer.

Prognose des IAB: Nur leichte Brexit-Delle

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) – Arbeitsmarktbarometer ist im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,4 Punkte gefallen. Der Frühindikator des IAB deutet mit 103,5 Punkten aber weiterhin auf eine positive Arbeitsmarktentwicklung in den kommenden Monaten hin. „Ein Einbruch sieht anders aus. Obwohl ein harter Brexit mittlerweile deutlich wahrscheinlicher geworden sei, werde der deutsche Arbeitsmarkt auf Kurs bleiben. Zwar schwäche sich die Konjunktur ab, gegenüber derartigen Schwankungen sei der Arbeitsmarkt aber robust. Arbeitskräfte gerade in verarbeitenden Berufen in der Exportwirtschaft sind knapp. Viele Unternehmen werden sich Beschäftigte sichern, auch in einer vorübergehenden Brexit-Delle“, teilte ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ mit. Für die aktuelle Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt gilt: „Seit der Wiedervereinigung erreicht die Beschäftigung Rekordhöchststände und die Arbeitslosigkeit Rekordtiefststände. Die Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt sind in der Region Main-Rhön für die anstehende Integration von arbeitslosen Menschen noch so gut wie niemals zuvor“, fasst Stelzer die Lage am heimischen Arbeitsmarkt zusammen.

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