Über 250 internationale Experten diskutierten am Uniklinikum Würzburg das richtige Management von lebensbedrohlichen Einsatzlagen

Beim ersten Würzburger Forum Bevölkerungsschutz (WüFoBEST) am 12. Januar 2019 beleuchteten nationale und internationale Experten in Fachvorträgen die komplexen Herausforderungen, die sich aus Terroranschlägen und besonderen Einsatzlagen ergeben. Zentrales Ergebnis: Um solche Situationen aus Sicht des Bevölkerungsschutzes zu bewältigen, müssen die Maßnahmen aller beteiligten Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) gut koordiniert ineinandergreifen sowie die erforderlichen Maßnahmen im Vorfeld gemeinsam geplant, geschult und abgestimmt werden.

Das neue Konferenzformat „Würzburger Forum Bevölkerungsschutz (WüFoBEST)“ stand mit seiner Pilotveranstaltung am 12. Januar dieses Jahres unter der Überschrift „Management lebensbedrohlicher Einsatzlagen“. Die Organisatoren der Veranstaltung – die Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) und der Bezirksverband Unterfranken des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) – griffen ein hochaktuelles Thema auf, was sich unter anderem daran ablesen lässt, dass die Tagung innerhalb kürzester Zeit ausgebucht war: Über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen im Hörsaal des Zentrums Operative Medizin des UKW zusammen. Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Prof. Dr. Georg Ertl, den Ärztlichen Direktor des UKW, unterstrichen der bayerische Landtagsabgeordnete Manfred Ländner, der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Jochen Lange, Vizepräsident der Regierung von Unterfranken, und der Landesarzt des BRK, Prof. Dr. Peter Sefrin, in ihren Grußworten die Bedeutung der Tagung, nicht zuletzt wegen den ständig steigenden Anforderungen an alle Beteiligten.

Ziel: Reibungslose Zusammenarbeit polizeilicher und nicht-polizeilicher Kräfte

Als lebensbedrohlich gelten Einsatzlagen mit hohem Gefährdungspotenzial für das Leben von Opfern und Einsatzkräften, bei denen ein oder mehrere Täter mit Waffen, Sprengmitteln oder gefährlichen Werkzeugen und Stoffen gegen Menschen vorgehen. „Um die mit diesen Terroranschlägen oder Amoktaten verbundenen Herausforderungen zu meistern, ist eine möglichst reibungslose Zusammenarbeit von polizeilicher und nicht-polizeilicher Gefahrenabwehr unerlässlich“, erläuterte Prof. Dr. Thomas Wurmb, Leiter der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie des UKW. Diesem interdisziplinären Ansatz entsprechend waren unter den internationalen und nationalen Referenten des Forums Vertreter aus Polizei, Rettungsdiensten, Bundes- und Kommunalbehörden sowie dem Krankenhauswesen. „Dieser Grundgedanke des Austausches zwischen allen Beteiligten ist uns besonders wichtig, um unsere Bevölkerung noch besser schützen zu können“, betonte Harald Erhard, Bezirksgeschäftsführer des BRK Bezirksverbandes Unterfranken.

Wie retten, wenn noch Gefahr für Leib und Leben besteht?

Die versammelten Experten diskutierten unter anderem die Frage, wie bei einer noch nicht beendeten lebensbedrohlichen Einsatzlage, also unter einer fortgesetzten Bedrohung, eine bestmögliche Versorgung von Verletzten organsiert werden kann. Hier müssen einerseits klare Absprachen getroffen werden, wie sich Einsatzkräfte verhalten sollen, damit sie sich möglichst wenig selbst gefährden und trotzdem ihre Aufgaben erfüllen können. „Für uns Polizeikräfte besteht die große Herausforderung darin, das taktische Vorgehen zur Beendigung der Gewalttaten so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen gerettet werden können“, verdeutlichte Günther Epple von der Deutschen Hochschule der Polizei.

Nicht-polizeiliche Einsatzkräfte noch besser koordinieren

Auch unter den vielen nicht-polizeilichen Einsatzkräften aus Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Feuerwehr, Krankenhäusern sowie Behörden, Ämtern, Verwaltungen und politischen Institutionen, besteht Bedarf an noch besserem gegenseitigen Verständnis sowie optimierter Abstimmung und Koordination.

In diesem Gesamtbild gelten Krankenhäuser als kritische Infrastruktur, die einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung lebensbedrohlicher Einsatzlagen leisten. „Die organisationsübergreifenden Konzepte haben eine herausragende Bedeutung bei der Einsatzvorbereitung auf lebensbedrohliche Einsatzlagen“, sagte Dr. Barbara Kowalzik vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. „Deshalb sind die Krankenhäuser als Teil der kritischen Infrastruktur in Deutschland ein wichtiger Faktor bei der Bewältigung von Terror oder Amoklagen“, ergänzte Dr. Felix Kolibay von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Krankenhaus Einsatzplanung (DAKEP e.V.).

WüFoBEST als jährliche Veranstaltung geplant

„Das UKW war vor zwei Jahren mit den Folgen eines Terroranschlags im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld konfrontiert und es ist Prof. Wurmb zu danken, dass er die Erfahrungen von damals aufgenommen, wissenschaftlich verarbeitet und den heutigen Kongress organisiert hat“, resümierte Prof. Ertl.

Nach den Plänen der Organisatoren soll das WüFoBEST zukünftig als jährliche Veranstaltung stattfinden. Hierbei sollen wichtige Themen aus dem Bereich des Bevölkerungsschutzes, wie die Folgen von katastrophalen Naturereignissen oder ein langfristiger Stromausfall auf die Tagesordnung kommen. Darüber hinaus soll das Forum eine nationale und internationale Plattform sein, bei der sich die beteiligten Kräfte besser kennenlernen sowie gemeinsam Probleme identifizieren und diskutieren können.

Bildunterschriften:

Hörsaal3.jpg

Das 1. Würzburger Forum Bevölkerungsschutz stieß auf sehr hohe Teilnehmerresonanz.

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Die Veranstaltung am Uniklinikum Würzburg brachte Vertreter/innen der am Bevölkerungsschutz beteiligten Behörden, Einrichtungen und Organisationen an einem Ort zusammen.

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Der Ideenaustausch unter internationalen Experten und die Vernetzung waren zentrale Ziele beim 1. Würzburger Forum Bevölkerungsschutz.

Bilder (3): Doku-Team BRK Würzburg

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