25 Prozent der Beschäftigten in Schweinfurt drohen Mini-Renten

NGG legt Rentenprognose vor | 15.000 Arbeitnehmer unter der Grundsicherung
25 Prozent der Beschäftigten
in Schweinfurt drohen Mini-Renten
Schweinfurt droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das
befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Rund 15.000 Arbeitnehmer in
Schweinfurt würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen
Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den
Ruhestand gingen. Das sind 25 Prozent aller Beschäftigten in der Stadt.
Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt in Schweinfurt bei aktuell 740 Euro im Monat. Dabei sind
insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des PestelInstituts
hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche
Statistiken ausgewertet.
Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner in Schweinfurt künftig noch deutlich steigen –
nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des
Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 20.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei
einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Ibo Ocak, Geschäftsführer der
NGG-Region Unterfranken, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe,
müsse später auch von seiner Rente leben können. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche
Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat
eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“,
so Ocak. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst
anheben.
Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine SpitzenRenten
werden“, betont Ocak. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk
müssten in Schweinfurt viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen
und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen
Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“,
so der Gewerkschafter.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse
im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen
Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen
seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des
Pestel-Instituts aktuell rund jeder Sechste in Schweinfurt einen Rentenanspruch von weniger als 1.000
Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.
Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe.
„Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen
Rentenversicherung auszugleichen“, so Ocak. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente
sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen,
Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen
können.“

 

Bild-Unterzeile
Sich stützen können im Alter – auch auf die
gesetzliche Rente. Darauf ist der Großteil der
Rentner angewiesen. Die Gewerkschaft NGG
fordert eine Stärkung der gesetzlichen
Rentenversicherung. Andernfalls drohe
Tausenden Altersarmut, auch wenn sie ein
Leben lang gearbeitet haben.
Foto (alle Rechte frei): NGG