Kulturpreis für Michael Wollny: Duo, Solo, Duo Würzburg feiert sich als Musikstadt

Nur selten schaffen es die Alben eines Jazz-Pianisten in die Top 50 der
deutschen Musikcharts. Und noch viel seltener kann man einen solchen
dann auch „Popstar“ im Würzburger Ratssaal am Steinway-Flügel erleben.
Bei der Verleihung des Würzburger Kulturpreises an Michael Wollny kam es
gestern zu diesem ganz be-sonderen Moment und insgesamt war es ein Fest
der Musikstadt Würzburg mit Exkursen in den Literaturbetrieb und die
Bildhauerei.

Die Stadt Würzburg zeichnete mit Wollny einen Pianisten aus, der
mittlerweile zu den wichtigsten europäischen Jazzmusikern zählt. Seine
Karriere ist eng mit der Würzburger Hochschule für Musik verbunden, wo
er Jazzpiano studierte. In Würzburg legte er die Grundlagen für seine
internationale Karriere. Kulturreferent Achim Könneke freute sich über
die sehr gute Wahl der Jury, welcher er zum Zeit-punkt der Entscheidung
noch nicht angehörte. Die Auszeichnung des „Primus inter Piano-Pares“,
wie die Fachzeitschrift „Jazzthing“ Wollny unlängst bezeichnete, sei
über die persönliche Würdigung des Ausnahmemusikers hinaus ein
Zeichen: „Eine Aufforderung, den Jazz in Würzburg in allen seinen
Facetten zu fördern.“

Oberbürgermeister Christian Schuchardt betonte in seiner Rede ebenfalls
den Stellenwert der Musik für Würzburg. Würzburg sei eine Musikstadt und
dies lasse sich auch an den Kulturpreisträgern ablesen. Wollny reiht
sich nun ein unter Persönlichkeiten wie Komponist Prof. Bertold Hummel,
Filmmusiker Norbert Glanzberg, Pianist Prof. Bernd Glemser oder Sängerin
Diana Damrau. Erst im letzten Jahr ging die Auszeichnung an einen
Vertreter der Neuen Musik, Klaus Ospald: „Wir können uns als Kulturstadt
und Musikstadt feiern, die junge Kulturschaffende nicht nur anzieht,
sondern diese auch ausbildet, fördert und ihnen Möglichkeiten zur
Entfaltung bietet.“ Schön sei es natürlich, wenn die Verbindung zu
Würzburg auch im Laufe einer großen, internationalen Karriere
bestehen bleibt. So trat Wollny beispielsweise mehrfach beim Würzburger
Hafensommer auf: „Und wir hoffen natürlich, dass er irgendwann wieder
kommt.“

Die Musikjournalistin Beate Sampson übernahm als ausgewiesene Kennerin
des „Pianisten mit den soghaften Klängen“ die Laudatio und zeigte die
enorme Schaffenskraft Wollnys auf – stets aufgeschlossen für neue
Einflüsse und Kooperationen, Genre-Grenzen überschreitend, aber auch
festhaltend an Konstellationen, die über viele Jahre funktionieren. Weil
Wollny auch mal zu Pink, Kraftwerk oder Robbie Williams greife, könne er
viele Menschen für sich einnehmen, die seinen Jazz sonst vielleicht als
„abgehoben“ abtun würden. Insofern sei es auch ein Glücksfall, dass
dieser Musikvermittler nun auch als Professor in Leipzig sein Können und
seine Begeisterung an die nächste Generation weitergebe.

Carolin und Andreas Obieglo haben ebenfalls beide an der Würzburger
Hochschule für Musik studiert. Als Singer/Songwriter Duo „Carolin No“
machten sie sich zunächst in der hiesigen Musikszene einen Namen. Mit
ihren gleichermaßen eingängigen und musikalisch anspruchsvollen Songs
begeistern sie mittlerweile auch weit über Würzburg hinaus ihr Publikum.
Das Duo kann bereits auf zehn Jahre Bandgeschichte und sechs Studioalben
zurückblicken. Nun erhielt das Musiker-Ehepaar einen der drei
Kultur-Förderpreise.

Prof. Richard Roblee erinnerte sich in seiner Laudatio an den Abend in
Hammelburg, als er das Duo zum ersten Mal erlebte. Die Ausnahmestimme
Carolins war ihm bereits bei der Aufnahmeprüfung zur Hochschule
aufgefallen, nun wurde diese aber auch noch durch Andreas‘ empfindsame
Begleitung ergänzt und so entstand eine harmonische musikalische
Einheit. Mit Texten wie Gedichten und symphonischer Musik, die „Stille
als Klangfarbe nicht übersehen hat“. Das ausgezeichnete Duo bedankte
sich bei Familie, Förderern und Weggefährten. Ein Name fiel an diesem
Abend gleich mehrfach: Den Jazzmusiker Chris Beier bezeichnete das Duo
noch heute als wichtigsten Ratgeber. Wollny verneigte sich vor seinem
Lehrmeister Beier sogar musikalisch durch die Stückauswahl. Carolin No
sangen im Ratssaal über „alle Höhen und alle Tiefen und alles
zwischendrin“ und ernteten großen Applaus.

Die Stadt Würzburg würdigte an diesem Abend aber nicht nur musikalische
Persönlichkeiten, sondern verlieh auch einen Kulturförderpreis  an eine
Germanistin und Verlegerin, die an der Würzburger
Julius-Maximilians-Universität lehrt und forscht. Dr. Christine Ott
gründete noch während des Studiums den Stellwerck-Verlag und setzt
sich seither für literarische Nachwuchsförderung ebenso wie für
Literaturvermittlung ein. Prof. Dr. Wolf Peter Klein haderte acht
Minuten lang humorvoll, keine 120 oder zumindest doch 90 Minuten Zeit
für seine Laudatio als Vorgabe bekommen zu haben, es gelang ihm aber
dennoch zwischen den Zeilen die Gestaltungskraft und den
Gestaltungswillen von Dr. Ott näher zu bringen – im Sozialen wie in der
Würzburger Literaturszene. Die Preisträgerin gab den Dank weiter an
Familie, alle Mitstreiterinnen, alle Nachwuchs-Autoren, die sie erst auf
den Plan gerufen hätten und an alle Menschen in der Stadt, die sich auch
unkonventionellen Projekten gegenüber aufgeschlossen zeigten.

Mit Johannes Hepp wurde zudem ein in Unterfranken geborener junger
Holzbildhauer ausgezeichnet, der einige Jahre Wahl-Würzburger war und in
dieser Zeit viele mit seiner hintersinnigen, oft tragisch-komischen
Darstellung des Menschseins berührte und begeisterte. Eines seiner
markanten Werke gehört mittlerweile zur Städtischen Sammlung im Museum
im Kulturspeicher.

Laudator Hans Schödel lernte erst ein Werk Hepps kennen – einen mit
Kettensäge und feinerem Werkzeug aus einem Holzblock befreiten
Bären-Mann – später dann den Künstler hierzu. Die Freundschaft, die
heute beide verbindet, erlaubte persönli-che Anmerkungen und
Interpretationen der Werke. Wenn man zum Beispiel wisse, dass Hepp
Vegetarier ist, was wolle er uns dann mit dem Mann sagen, der auf eine
pendelnde Weißwurst starrt, fragte Schödel und beschrieb die lebendige
Aura der Arbeiten: „Man begegnet den Figuren, man betrachtet sie nicht
nur.“ Hepp zeigte sich erfreut über die Auszeichnung. Das Künstlerdasein
sei meistens ein sehr einsames Geschäft, eine solche Anerkennung und die
freundlichen Worte an einem solchen Abend seien da ein willkommener
Ausgleich.

Johannes Liepold am Sopransaxofon und Nikolaus Jira am Flügel nahmen
den ausgezeichneten Musikern zumindest noch einen Teil der Arbeit ab und
sorgten als zweites Duo des Abends mit ihren Arrangements für die
Umrahmung des Festakts, der bei Häppchen des Städtischen Casinos im
Foyer seinen kommunikativen Aus-klang fand.

 

Bild „Kulturpreis 2018“
Gruppenbild mit Flügel: Die Preisträger der Kulturpreis- und
Förderpreise-Verleihung mit ihren Laudatoren. Von links:
Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Kulturreferent Achim Könneke,
Prof. Wolf Peter Klein, Prof. Richard Roblee, Andreas und Carolin
Obieglo, Michael Wollny, Dr. Christine Ott, Beate Sampson, Johannes Hepp
und Hans Schödel. Bild: Georg Wagenbrenner