Uniklinikum Würzburg: Netzwerk zur Diagnostik und Behandlung von Kopfverletzungen im Sport gegründet

Vor allem bei Kontaktsportarten treten häufig Kopfverletzungen – englisch Concussions – auf. Unter dem Namen „Concussion Center Würzburg“ will sich in Zukunft ein neu gegründetes, interdisziplinäres Experten-Netzwerk für eine bessere Diagnostik dieser Schädel-Hirn-Traumata sowie eine umfassende Behandlung der Betroffenen einsetzen.

Von den jährlich rund 300.000 traumatischen Kopfverletzungen in Deutschland geht ein erheblicher Teil auf Sportunfälle zurück. Vor allem Kontaktsportarten wie Eishockey, Basketball, Handball oder Fußball bergen das Risiko eines – meist leichten – Schädel-Hirn-Traumas. „Viele Sportlerinnen und Sportler brennen trotz einer solchen Gehirnerschütterung darauf, möglichst schnell das Training und auch den Wettkampfbetrieb wiederaufzunehmen“, weiß der Diplom-Psychologe Gerhard Müller von der Praxis für Sport-Neuropsychologie Würzburg. Laut Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW), erholen sich die Athletinnen und Athleten zwar meist innerhalb weniger Tage, aber es können auch langfristige Folgen auftreten, wie chronische Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder kognitive Einschränkungen. Prof. Dr. Rainer Meffert, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie des UKW, ergänzt: „Statistische Daten belegen zudem: Wer nach einem Schädel-Hirn-Trauma zu früh in den Sport zurückkehrt, erhöht nicht nur das Risiko für eine erneute Gehirnerschütterung, sondern über eine reduzierte Reaktionsfähigkeit auch sein sonstiges Verletzungsrisiko.“

Für eine verstärkte Aufklärung und Prävention

Vor diesem Hintergrund gründeten die drei Experten mit ihren jeweiligen Teams am 21. November dieses Jahres in einer öffentlichen Infoveranstaltung im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin des UKW das „Concussion Center Würzburg“. Zu den Zielen des multidisziplinären Netzwerkes gehören Verbesserungen bei Aufklärung, Diagnostik, Beratung und Prävention. „Wir sind der festen Überzeugung, dass durch eine noch höhere Sensibilisierung der Sportler selbst, aber auch der Sportlehrer, Mannschaftsärzte, Trainer, Vereinsfunktionäre sowie sonstigen Entscheidungsträgern und Verantwortlichen noch viel dafür getan werden kann, Spätfolgen zu vermeiden“, unterstreicht Gerhard Müller.

Die Rückkehr in den Sport sicherer machen

Auch in der Betreuung der Verletzten verspricht die Zentrumsstruktur weitere Vorteile. „Bei der Versorgung von Gehirnerschütterungen ist es wichtig, den Verlauf im Blick zu behalten. Das Netzwerk ermöglicht es, dass unsere vielfältigen Diagnostikmethoden noch effektiver ineinandergreifen mit differenzierten medizinisch-therapeutischen sowie neuropsychologischen Behandlungskonzepten“, erläutert Prof. Ernestus. Nach Einschätzung von Prof. Meffert wird das Concussion Center wesentlich dazu beitragen, den Rückkehrprozess der Trauma-Betroffenen in den Breiten- oder Leistungssport noch sicherer zu machen.

Nach dem Concussion Center Hamburg ist das Würzburger Zentrum die zweite Struktur dieser Art in Deutschland. Eine Zertifizierung durch die Gesellschaft für Sport-Neuropsychologie (GSNP) wurde bereits in die Wege geleitet.

 

 

 

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Beteiligte Expertinnen und Experten bei der Gründung des Concussion Centers Würzburg (von links): Dipl.-Psych. Gerhard Müller (Praxis für Sport-Neuropsychologie Würzburg, PSN Würzburg), Prof. Dr. Rainer Meffert (Uniklinikum Würzburg, UKW), Dr. Christopher Held (UKW), Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus (UKW), Dipl.-Psych. Eva-Maria Müller (PSN Würzburg), Dipl.-Psych. Verena Stadter (PSN Würzburg), Dr. Andreas Eidenmüller (PSN Würzburg) und Dr. Kai Fehske (UKW).

Bild: Dr. Wolfgang Kringler