100 Jahre Ende des 1. Weltkriegs „Zartes Pflänzchen Frieden“

Verzweiflung, Not, Tod – der Erste Weltkrieg, La Grande Guerre oder The Great War auf Französisch und Englisch – rief die Menschen aus 40 Nationen an die Waffen und bedeutete für 17 Millionen Menschen den Tod. Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ war u.a. Nährboden für den Nationalsozialismus in Deutschland, den Faschismus in Italien und Vorläufer des Zweiten Weltkriegs. Der Volkstrauertag erinnert an die Kriegstoten und Opfer aller Nationen. Vorgeschlagen wurde er 1919 als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Auch in diesem Jahr gedachte die Stadt Würzburg wieder mit Kranzniederlegungen an den Friedhöfen der Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Höhepunkt war die Gedenkveranstaltung „Zartes Pflänzchen Frieden“ zum 100. Jahrestags des Ende des 1. Weltkriegs im Ratssaal, bei der auch Delegationen der Partnerstädte Caen, Dundee, Rochester und Trutnov sprachen.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt betonte, dass sich Europa heute, 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, wieder an einer historischen Schwelle befinde. „Der Historiker Gerd Krumeich hat konstatiert, dass heute, wie 1918 der Hass beginnt, aus allen Fugen der Gesellschaft zu brechen, um eine neue Gestalt zu gewinnen“, so Schuchardt in seiner Rede im Ratssaal. „Auch der jungen Generation obliegt es, sich von diesem Hass nicht vereinnahmen zu lassen und ihm entschlossen entgegen zu treten“, forderte er. Er schlug die Brücke zu den Grußworten aus den Partnerstädten, in Caen hatte Schuchardt erst selbst an den Gedenkveranstaltungen am 11. November zum Ende des Ersten Weltkriegs teilgenommen. Stadtrat Patrick Nicolle aus Caen wies auf das heutige gute Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland an den Beispielen Caen und Würzburg hin: „Gemeinsame Spuren der anderen Kultur finden sich in den Partnerstädten“. Lord Provost Ian Borthwick aus Dundee betonte die gemeinsame Arbeit „um eine bessere Zukunft für alle zu schaffen“, Dean Ekberg vom Partnerschaftskomitee aus Rochester blickte in die Zukunft: „Wir werden gemeinsam das nächste Kapitel der Geschichte schreiben.“ Und der Bürgermeister aus Trutnov, Ivan Adamec, brach nach einem kurzen Ausflug in die tschechische Geschichte die Lanze für Europa: „Europa ist die Idee Karls des Großen, Frieden in Europa zu erhalten und zu sichern. Das oberste Gebot muss daher heißen, eine Wiederholung der Kriege nie mehr zuzulassen.“

Der Vortrag des Historikers Roland Flade über eine Würzburger Familie im Ersten Weltkrieg wie auch die Lesung von Schülerinnen und Schülern des Wirsberg-Gymnasiums zum Kriegsende ließ das Leben der Menschen zwischen 1914 und 1918 plastisch wieder auferstehen. Die „völlig neue Dimension der Unmenschlichkeit“, wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt über den Ersten Weltkrieg geurteilt hatte, wurde 100 Jahre später beeindruckend nachvollziehbar.

Der Gedenkveranstaltung im Ratssaal vorangegangen waren auch in diesem Jahr wieder Kranzniederlegungen an den Friedhöfen in den Stadtteilen und der Innenstadt durch Oberbürgermeister, Bürgermeister und Stadträte. Die zentrale Kranzniederlegung fand am Kriegerdenkmal im Husarenwäldchen statt.

 

v.li. Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Lord Provost Ian Borthwick aus Dundee, Bürgermeister von Trutnov Ivan Adamec, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, Stadtrat Patrick Nicolle aus Caen, Bürgermeister Dr. Adolf Bauer, Dean Ekberg aus Rochester. Foto: Claudia Lother