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Würzburg / Austausch mit japanischer Partnerstadt: Touristiker steckten die Köpfe zusammen

Vor Ryota Chono liegen sportliche Jahre. Bei der Stadtverwaltung Otsu
kümmert er sich um den internationalen Tourismus und die
Städtepartnerschaften. Nun absolvierte er eine abwechslungsreiche
Arbeits- und Erkundungswoche in der Partnerstadt Würzburg. Er half im
Büro Würzburg International und der Tourist Info mit und traf
Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Tourismusdirektor Björn Rudek
sowie Marketingleiter Jürgen Ludwig. Kurze Abstecher nach Aschaffenburg
und Frankfurt rundeten sein Bild von der Region ab. Im Gegenzug erfuhren
die deutschen Kollegen viel über die Tourismusstrategie der japanischen
Großstadt, die trotz ihrer 340.000 Einwohner oft als kleine Schwester
der Millionenstadt Kyoto wahrgenommen wird.

Zwei Großereignisse werfen aktuell in Japan ihre Schatten voraus. 2020
finden in Tokio die nächsten Olympischen Spiele statt. Die Hauptstadt
ist in gut drei Stunden mit dem Schnellzug erreichbar. Ziel ist es,
zumindest einen kleinen Teil der erwarteten Besucherströme auch nach
Otsu zu locken. Bereits 2019 ist Japan Ausrichter beim Rugby World Cup.
Dieses Turnier bietet eine noch viel größere Chance für die
Partnerstadt, zusätzliche Gäste anzuziehen. In Otsu werden die
Na-tionalmannschaften von Wales und den Fidschi-Inseln ihre Quartiere
aufschlagen. Die Weltmeisterschaft dauert von September bis November und
hat in Japan und vielen weiteren Ländern eine vergleichbare oder sogar
noch höhere Bedeutung als bei uns der geliebte Fußball.

Wenn nicht derartige Events anstehen, konzentriert man sich laut Chono
in der Partnerstadt bei der Tourismus-Strategie auf drei Länder ganz
besonders: Taiwan, Thailand und Frankreich. Warum Frankreich? Wieder
einmal hat dies mit Kyoto und der direkten Flugverbindung nach Paris zu
tun. Bei aller Konzentration auf die Nachbarstadt, natürlich hat Otsu
auch ein eigenes, ein einzigartiges Profil zu bieten. Der Biwa-See,
Japans größter Süßwasserspeicher und die Berglandschaft um diesen herum
bietet die perfekte Kulisse für Wassersport, Wanderungen und im Winter
sogar Skispaß. In einer Zeit kurz vor Würzburgs Gründung im Jahr 703 war
Otsu sogar für eine kurze Ära die Hauptstadt Japans. Von dieser alten
Geschichte zeugen heute noch viele bedeutsame Tempelanlagen. Der
Enryaku-ji ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Historisches Kyoto
(Kyoto, Uji und Otsu). Einen solchen weltweit beachteten
Besuchermagneten zu haben, ist eine wichtige Gemeinsamkeit mit Würzburg.
Chono hat bei seinem zweiten Aufenthalt in Deutschland aber natürlich
auch Unterschiede und mainfränkische Besonderheiten festgestellt: „Es
ist erstaunlich, dass die Würzburger Fußgängerzone die ganze Woche so
lebendig ist. In Otsu sind unter der Woche deutlich weniger Menschen im
Zentrum unterwegs. In Würzburg hat es eine großartige Balance aus
Einzelhandel, Tourismus oder auch Gastronomie.“

Der japanische Amtskollege von Katja Schröder im Büro Würzburg
International schwärmt auch von der Alten Mainbrücke und dem
Brückenschoppen mit Ausblick. Japanische Touristen würden gerade die
Kombination aus alten Burgen oder Schlössern in einer idyllischen
Landschaft als Kulisse für kulinarische Genüssen als „erlebten Luxus“
empfinden. Würzburg könne hier wirklich viel bieten und so auch auf
einer längeren Reise – beispielsweise entlang der Romantischen Straße –
im Gedächtnis bleiben. Die älteste Ferienstraße Deutschlands sei in
Japan auch nach bald 70 Jahren in der Tourismusbranche noch immer ein
beliebter Erfolgsgarant. Auch weil hier in Marketingfragen weit über
Stadtgrenzen hinaus in einem sehr guten Netzwerk zusammengearbeitet
würde. Diese regionalen Tourismus-Kooperationen seien in Japan
weniger stark ausgeprägt, ansonsten gleiche sich aber auch häufig das
Handwerkszeug: „Wir unterstützen beispielsweise wie die Kollegen in
Würzburg mit großem Aufwand Reiseblogger und Multiplikatoren, die in
unsere Stadt kommen und mit ihren Beiträgen und Berichten dann für viele
Menschen Wegbereiter sind.“ Grundsätzlich fährt man mehrgleisig und hat
sich auf alle Reisearten eingestellt. Die Angebotspalette reicht von
Weltkulturerbe-Pauschalangeboten für große Agenturen bis hin zu
Indi-vidualtouristen-Insidertipps.

Chonos Besuch in Würzburg ist der Beginn eines Austauschs auf
Fachebene, den man unter den Stadtverwaltungen anstrebt.
Oberbürgermeister Christian Schuchardt und dessen Amtskollegin Naomi
Koshi hatten dies bei ihrem letzten Treffen in Otsu auf den Weg
gebracht. Die Städtepartnerschaft, die auch von der Siebold-Gesellschaft
seit Jahren mit Leben gefüllt wird, feiert 2019 ein rundes Jubiläum. Zum
40. Mal jährt sich dann die Vertragsunterzeichnung. Über die Planungen
für das Jubiläumsjahr wollen Chono und Schröder zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht zu viel verraten. Eine Bürgerreise in das Land der
aufgehenden Sonne ist aber bereits in Vorbereitung.

Bild „Chono“
Station in der Tourist Info: Katja Schröder, Ryota Chono und die
Leiterin der Tourist Info im Falkenhaus Maria Pertmann-Ley hatten eine
Woche Zeit für einen intensiven Austausch in Sachen Tourismus und
Städtepartnerschaft. Bild: Georg Wagenbrenner






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