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Die Stadt Bad Kissingen schreibt Inklusion groß

Die Stadt Bad Kissingen schreibt Inklusion groß – über die Inklusionsoffensive „Mensch inklusive“ der Lebenshilfe Schweinfurt arbeitet nun Samira Kempf im Wild-Park Klaushof

Inklusion wird bei der Stadt Bad Kissingen groß geschrieben. Die gesetzlich vorgegebene Quote an Stellen, auf denen Menschen mit Handicap arbeiten, übererfüllt die Stadtverwaltung um fast 75 Prozent. Statt 15 arbeiten 26 Menschen mit Behinderung auf Planstellen. Die Stadt hat im Rahmen der Initiative „Mensch inklusive“ der Lebenshilfe Schweinfurt Samira Kempf die Teilnahme am ersten Arbeitsmarkt ermöglicht. Die 19-Jährige arbeitet im Wild-Park Klaushof in der Tierpflege.

„Mega“, ist die Antwort von Samira Kempf auf die Frage, ob ihr die Arbeit im Wild-Park Klaushof gefällt. Die 19-Jährige mit Handicap ist seit September über die Integrationsinitiative „Mensch inklusive“ der Lebenshilfe Schweinfurt in diesem Bereich der Stadt Bad Kissingen tätig. Den Wild-Park kennt sie allerdings schon länger. Denn seit drei Jahren ist die junge Frau aus Bad Bocklet durch eine Kooperation des Wild-Parks Klaushof mit der Franz-von-Prümmer-Schule – immer donnerstags pflegt eine Gruppe Schüler eigenverantwortlich ein Revier des Parks – und einige Praktika immer wieder im Wild-Park eingesetzt. Die Entscheidung nach ihrer Schulzeit hier zu arbeiten zu wollen ist Samira Kempf leicht gefallen, „weil ich mit Tieren arbeiten kann. Ich habe immer schon mit Tieren zu tun gehabt, wir hatten zum Beispiel einen Hund, ich hatte auch mal Hasen und andere Tiere“. Oberbürgermeister Kay Blankenburg freut sich, dass Samira Kempf im Wild-Park Klaushof wohlfühlt: „Das elementare Erfahren der Natur, der Umgang mit den Tieren, das ist etwas, das unserer neuen Mitarbeiterin etwas gibt. Und wenn ich sehe, wie Frau Kempf mit den Tieren umgeht, dann sehe ich, dass sie den Tieren viel geben kann. Tiere nehmen das sehr auf der Gefühlsebene wahr, nicht auf der intellektuellen. Die Tiere spüren meiner Meinung nach, ob es ein Mensch gut oder schlecht mit ihnen meint. Und hier spüren sie einfach, Frau Kempf meint es gut.“

Erster Arbeitsmarkt für Menschen mit Handicap

Inklusion wird bei der Stadt Bad Kissingen groß geschrieben. Die gesetzlich vorgegebene Quote an Stellen, auf denen Menschen mit Handicap arbeiten, übererfüllt die Stadtverwaltung um fast 75 Prozent. „Statt 15 arbeiten 26 Menschen mit Behinderung bei uns auf Planstellen“, erklärt Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Den sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu erreichen, das schaffte Samira Kempf durch „Mensch inklusive“. Hier ist die Stadt Bad Kissingen seit Februar dieses Jahres Kooperationspartner. Es handelt sich um eine Inklusionsinitiative der Lebenshilfe Schweinfurt. „Es geht um Menschen, die aufgrund ihrer behinderungsbedingten Einschränkungen dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Der Gesetzgeber attestiert Menschen mit Handicap einen Anspruch auf die Teilhabe am Arbeitsleben in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Es heißt aber auch: Dazu gehören ausgelagerte Arbeitsplätze auf dem Arbeitsmarkt“, erklärt Projektleiter Peter Pratsch von der Lebenshilfe Schweinfurt. Denn um einen solchen ausgelagerten Arbeitsplatz handelt es sich bei Samira Kempf. Peter Pratsch ergänzt: „Kein Mensch darf auf seine Defizite reduziert werden. Jeder Mensch hat bestimmte Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten individuell eingesetzt können Arbeitgeber von Routinetätigkeiten entlasten.“

Samira Kempf ist Angestellte der Lebenshilfewerkstatt

Samira Kempf hat ihre Fähigkeiten längst unter Beweis gestellt. Für die nächsten zwei ein viertel Jahre befindet sie sich in einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme, welche die Agentur für Arbeit finanziert. In dieser Phase hat sie „alle zwei Wochen jeweils einen Tag Unterricht in den Räumen der Frühförderung der Lebenshilfe. Dort werden die Lerninhalte, die Samira Kempf im Wild-Park Klaushof gesammelt hat, vertieft. Hinzu kommt allgemeinbildende Förderung“, weiß Peter Pratsch. Dieser Maßnahme liegt zudem ein individueller Bildungsplan zugrunde. Ein Ziel formuliert Wild-Park Leiter Axel Maunz: „Es ist uns wichtig, dass Samira sich langsam an den Arbeitsprozess gewöhnt und wir zusammen für sie das Günstigste erarbeiten. Ziel ist die Eigenverantwortlichkeit. Sie soll nicht die Arbeiten machen, die andere nicht wollen – das ist uns wirklich wichtig. Sie soll dann bestmöglich eingesetzt werden. Sie soll aus der Arbeit heraus Zufriedenheit und persönliches Wohlbefinden gewinnen.“

Showfütterungen und die Begegnung mit dem Luchs

Mit ihrer Einschränkung geht Samira Kempf offen um, schwer heben gehe nicht, stellt sie klar und ist froh, dass „meine Arbeitskollegen mir gerne helfen“. Bereits jetzt verantwortet sie den Eingangsbereich mit den Hasengattern. „Sonst bereite ich weitere Fütterungen vor, zum Beispiel für Luchs und Wildkatze. Die Schaufütterungen habe ich auch schon gemacht“, ergänzt sie. Oberbürgermeister Kay Blankenburg drückte seine Bewunderung aus: „Tierpfleger ist zumindest zu mancher Jahreszeit, bei mancher Witterung ein taffer Beruf. Da musst Du auch bei einem Wetter raus, das nicht kuschelig ist. Im Frühjahr und im sonnigen Herbst kann es wahrscheinlich Jeder. Aber auch in den anderen Jahreszeiten müssten hier die Stallungen sauber gemacht werden. Natürlich müssen die Tiere auch gefüttert werden.“ Diese Bewunderung gilt auch Samira Kempf, die sagt: „Immer an der frischen Luft zu sein macht mir nichts aus, auch nicht bei Regen oder Schnee.“ Sie ist froh, dass die „Arbeitskollegen sehr nett zu mir sind. Sie haben mich gut aufgenommen“. Beeindruckt hat sie eine besondere Begegnung. „Gestern durfte ich in das Gatter des Luchs. Weil er auch geimpft wurde, durfte ich ihm sein Fressen hinlegen.“ Angst habe sie keine gehabt, sagt sie selbstbewusst, wenngleich der Luchs sie beobachtet habe.

 

Foto: Mario Selzer

BU: Oberbürgermeister Kay Blankenburg (hinten) freut sich über das Projekt „Mensch inklusive“ Samira Kempf (2. v.l.) am Wild-Park Klaushof begrüßen zu dürfen. Pate ist der Leiter des Wild-Parks Axel Maunz (l.), Stefan Kohlhepp der Inklusionsberater (r.) und Projektleiter „Mensch inklusive“ Peter Pratsch.






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