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Fachtagung am Uniklinikum Würzburg verdeutlicht die hohen Anforderungen beim Planen und Bauen von Krankenhäusern

Fachtagung am Uniklinikum Würzburg verdeutlicht die hohen Anforderungen beim Planen und Bauen von Krankenhäusern

 

Wie kann den Bedürfnissen von Patienten und Beschäftigten, wie auch den Anforderungen aus Hygiene, Technik, Brandschutz und Ökonomie bei der Planung von Krankenhaus-Baumaßnahmen Rechnung getragen werden? Diesem Thema widmeten sich multiprofessionelle Experten bei einer Fachtagung Ende September dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg.

Vor zwei Jahren startete das Uniklinikum Würzburg (UKW) eine neue Tagungsreihe unter dem Titel „Bauen in medizinischen Einrichtungen“. Am 26. September dieses Jahres fand deren zweite Veranstaltung statt, diesmal mit dem Schwerpunkt „Planerische und bauliche Regelwerke beim Bauen in Krankenhäusern“. An der Organisation beteiligt waren – neben dem UKW – das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die Bayerische Architektenkammer, die Ingenieurskammer Bau sowie die Bayerische Krankenhausgesellschaft. Vor Ort sorgten Prof. Dr. Ulrich Vogel, der Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW, und sein Team für einen reibungslosen Ablauf. Wie schon bei der Pilotveranstaltung in 2016 war die Tagung mit gut 250 Teilnehmer/innen aus dem gesamten Bundesgebiet schnell ausgebucht.

Im Spannungsfeld zwischen moderner Medizin, Effizienz und Ökonomie

Nach einer Begrüßung durch Prof. Vogel und Marion Resch-Heckel, Vizepräsidentin der Bayerischen Architektenkammer, führte Peter Lechner vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in die Förderrichtlinien und planerischen Vorgaben beim Krankenhausbau in Bayern ein. Nach seinen Worten ist das Budget für außeruniversitäre Krankenhaus-Baumaßnahmen im Freistaat im Jahr 2018 um 23 Prozent gestiegen. Auch für die nähere Zukunft werde eine ähnliche Größenordnung angestrebt. Neben diesen positiven Botschaften arbeitete der Referent jedoch auch das Spannungsfeld zwischen den Wünschen nach medizinisch zeitgemäßen Abläufen, effizienten betrieblichen Strukturen sowie sparsamen Lösungen heraus.

Joachim Fuchs vom Staatlichen Bauamt Würzburg gab einen Einblick in das Vergabeverfahren in Planungs- und Bauphasen. Zu unterscheiden sei insbesondere, ob Vergaben nach nationalem oder EU-Recht durchzuführen seien und ob die Vergabe an einen Generalunternehmer oder an Einzelunternehmer erfolge. „Zwar fallen nur elf Prozent der Vergaben unter EU-Vergaberecht, allerdings haben diese Projekte große Vergabevolumina“, erläuterte Fuchs. Nach seinen Worten funktioniert die Kommunikation der Vergabe mittlerweile ausschließlich elektronisch.

Petra Wörner von dem auf Gesundheits- und Forschungsbau spezialisierten Ingenieurbüro wörner traxler richter aus Frankfurt a. M. beschrieb anhand von Beispielen verschiedene Schritte und Ebenen des Planungsprozesses bei Krankenhausneubau- und Sanierungsprojekten. Laut der Architektin ermöglicht ein detailliertes Kosten- und Vergabemanagement dabei die Einhaltung von Budget- und Terminvorgaben.

Empfehlung: Hygiene-Experten in die Bauplanung einbinden

Nutzer werden meist als Letzte zu Bauprojekten hinzugezogen, sind aber diejenigen, die dann am Ende im fertigen Gebäude arbeiten. Dabei weichen die Vorstellungen des Auftraggebers und der Nutzer oft in vielen Punkten voneinander ab. Auf diese Problematik wies Johanna Groß hin. Die Fachbereichsleiterin Hygiene im Medizinmanagement der Schön Klinik Management SE empfahl: „Die Einbindung der Krankenhaushygienemitarbeiter in Bauprojekte ermöglicht relevante Verbesserungen der Hygiene im Krankenhausbau. Deshalb sollte Hygiene als eigenes Teilprojekt an der Bauplanung beteiligt sein.“

Rooming-in-Lösung in der Neonatologie

Prof. Dr. Johannes Wirbelauer, leitender Oberarzt der Kinderklinik am UKW, stellte am Beispiel des Rooming-in in der Neu- und Frühgeborenenmedizin die Herausforderungen bei der Planung einer Behandlungseinheit aus ärztlicher Sicht dar. „In diesem sensiblen Bereich muss es das Ziel sein, durch bauliche Maßnahmen einen engen Kontakt von Eltern und Frühgeborenen zu gewährleisten und zu vermeiden, dass die Kinder durch Krankenhauskeime erkranken“, verdeutlichte Prof. Wirbelauer. Er schlug vor, dass Patientenzimmer für eine Familie vorbehalten sind und von einer Seite über die Station, von der anderen über den Rooming-in Bereich der Eltern begehbar sein sollten.

Hochkontagiöse Patienten in der Notaufnahme: Bauliche Lösungen

Jan Holzhausen vom Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen an der Technischen Universität Braunschweig beschrieb die Rolle des Bauens bei der Infektionsreduzierung am Beispiel des Umgangs mit hochkontagiösen Patienten in einer Notaufnahme. Die dazu nötigen baulichen Planungen werden derzeit im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten EKOS-Projekts bearbeitet. EKOS steht für „Entwicklung eines neuartigen Konzepts zur Sicherstellung der infektiologisch-medizinischen Versorgung von seltenen, hochkontagiösen und lebensbedrohlichen Erkrankungen in Schwerpunktkrankenhäusern“.

Wie innovative medizinische Verfahren die Anforderungen an den Krankenhausbau verändern, schilderte Prof. Dr. Volker Schächinger, der Direktor der Medizinischen Klinik I am Klinikum Fulda, am Beispiel eines Hybrid-Herzkatheterlabors. Dort werden die Anforderungen an moderne kardiologische Interventionstechniken – wie eine moderne Durchleuchtungseinrichtung – mit einem suffizienten Hygienekonzept zusammengeführt.

Verdunstungskühlwerke vor Legionellen schützen

Die Probleme und Anforderungen an die Hygiene bei Verdunstungskühlwerken erklärte Rainer Kryschi, Sachverständiger für Wasserhygiene. Die gerade auch in Krankenhäusern häufig zur Abführung von überschüssiger Wärme eingesetzten Verdunstungskühlanlagen sind für viel kommunale Legionellen-Ausbrüche verantwortlich. Die 42. Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetztes aus dem Jahr 2017 erhöhte die Anforderungen an den Betrieb von Verdunstungskühlanlagen auch in Krankenhäusern.

Aspekte des Brandschutzes

Thorsten Maiwald und Gerald Pierags von der Berufsfeuerwehr Würzburg schilderten am Beispiel der Zentren für Operative und Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg praktische Aspekte des vorbeugenden Brandschutzes. Gerade in großen Gebäudekomplexen müssen die Feuerwehranfahrt, die Löschwasserversorgung und die Evakuierung von Patienten von Beginn an in die Bauplanungen einbezogen werden. Dies verdeutlichte Georg Brechensbauer von der Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten mbB, am Beispiel der Umbauplanung des Klinikums Robert Koch Gehrden. Seiner Meinung nach gehört das Planen und Bauen von medizinischen Einrichtungen zu den schwierigsten Planungs- und Bauaufgaben überhaupt – eine Einschätzung, die auch als ein Fazit der gesamten Tagung stehen könnte.

 

 

Bildunterschrift:

Baumaßnahmen in Krankenhäusern müssen nicht selten im laufendem Betrieb erfolgen – wie derzeit zum Beispiel die aufwändige Versorgungskanalsanierung im Altbaugelände des Uniklinikums Würzburg. Gerade dann ist eine exzellente Koordination und Kommunikation der Planung gefragt.

Bild: Ulrich Vogel / Uniklinikum Würzburg






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