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Tarifbindung sinkt rapide DGB fordert zur Landtagswahl bessere Arbeitsbedingungen in der Region Unterfranken

Tarifbindung sinkt rapide
DGB fordert zur Landtagswahl bessere Arbeitsbedingungen in der Region Unterfranken

 

Nirgendwo im Westen Deutschlands sind so wenige Menschen in tarifgebundenen Betrieben beschäftigt wie in Bayern.
53 Prozent sind es aktuell nur noch. Innerhalb des Freistaats wird diese Zahl vom Regierungsbezirk Unterfranken getoppt.
„Mit 44 Prozent haben wir die bayernweit schlechteste Tarifbindung“, so DGB-Regionalgeschäftsführer Frank
Firsching bei der Vorstellung des Positionspapiers des DGB Unterfranken zur Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober.
Firsching zufolge darf der Freistaat nicht länger zuschauen, wie immer weniger Beschäftigte nach Tarif bezahlt werden.
Denn das bedeutet, bezogen auf die einzelnen Branchen und unter Berücksichtigung der jeweiligen Betriebsgrößen, im
Durchschnitt neun Prozent weniger Lohn bei gleicher Arbeit. Durch ein Bayerisches Vergabe- und Tariftreuegesetz
könnte gegengesteuert werden.
„Auf der Basis eines solchen Gesetzes dürften Städte und Landkreise öffentliche Aufträge nur noch dann an Baubetriebe,
Computerfirmen oder Reinigungsunternehmen geben, wenn die Betriebe tarifgebunden sind“, erläutert Firsching.
Solche Vergabegesetze existierten inzwischen mit Ausnahme von Sachsen in allen anderen Bundesländern. In
Bayerns Nachbarland Hessen zum Beispiel wurden umfangreiche Regelungen zu Tariftreue und Mindestlohn in der öffentlichen
Auftragsvergabe eingeführt.
Auch in Sachen „Ausbildung“ ist die Welt in Unterfranken längst nicht in Ordnung. Zwar wird von Seiten der Unternehmer
immer lauter darüber geklagt, dass Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können. Doch das ist einer Analyse
des DGB zufolge keineswegs überall in Unterfranken der Fall. „Im Landkreis Miltenberg zum Beispiel kamen im letzten
Jahr auf 1.072 Bewerberinnen und Bewerber nur 650 Stellen“, erläuterte Anna-Katrin Kroll, Jugendsekretärin der DGBJugend
in Unterfranken.

Das hat für junge Leute gravierende Konsequenzen. Viele können nicht den Beruf erlernen, den sie gern erlernen würden.
Andere müssen weite Fahrstrecken oder Umzüge zum Ausbildungsbetrieb in Kauf nehmen. Vor diesem Hintergrund
fordert der DGB in Unterfranken von den Kandidaten für die Landtagswahl, sich für ein kostenfreies Azubi-Ticket,
den Ausbau des ÖPNV in ländlichen Regionen sowie für Verkehrsverbünde einzusetzen. Außerdem müssten die
Voraussetzungen für den Führerschein mit 16 Jahren laut Kroll dringend gelockert werden. Derzeit werde von den Jugendlichen
verlangt, dass sie täglich bis zu drei Stunden mit dem ÖPNV unterwegs sind.
Problematisch ist nach Ansicht des DGB weiter, dass letztes Jahr in Unterfranken mehr als 1.700 Ausbildungsverträge
gelöst wurden. Das sind acht Prozent aller Verträge, die in der Industrie- und Handelskammer oder in der Handwerkskammer
geschlossen wurden. Der Abbruch einer Ausbildung kann ganz unterschiedliche Gründe haben, ist nach den
Erkenntnissen des Gewerkschaftsbunds aber auch auf eine nicht immer gute Qualität der Ausbildung zurückzuführen.
„Es kann nicht genügen, dass Ausbilder nur ein einziges Mal eine Eignungsprüfung ablegen müssen“, unterstreicht
Kroll.
Der DGB fordert, dass Ausbilder kontinuierlich sowohl in fachlicher als auch in pädagogischer Hinsicht fortgebildet werden.
Um Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz schneller zu entdecken, bräuchte es mehr Kontrollen. Ein „TÜV-Siegel“
für Ausbildungsbetriebe könnte nach außen signalisieren, dass ein Unternehmen tatsächlich „ausbildungsreif“ ist.
Auch das Thema „Berufliche Bildung“ treibt den DGB in Unterfranken um. Bayern ist, abermals zusammen mit Sachsen,
das einzige Bundeslang ohne gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. Ob sich ein Beschäftigter irgendwann im
Laufe seines Berufslebens weiterbilden darf, hänge allein vom Arbeitgeber ab, so DGB-Gewerkschaftssekretär Viktor
Grauberger. Große tarifgebundene Betriebe in Unterfranken unterbreiten ihren Beschäftigten nach seinen Worten wesentlich
bessere Angebote als kleine Betriebe, noch dazu, wenn diese nicht tarifgebunden sind. Zehn Tage Bildungsurlaub,
fordert der DGB in Unterfranken, sollten jedem Beschäftigten zustehen.






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