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Gewächshauspark „Issyk-Kul“ in Kirgistan: FHWS und kirgisische Universitäten arbeiten zusammen

Pflege von Gurken-Jungpflanzen in einem Gewächshaus nahe der kirgisischen
Hauptstadt Bischkek. (Foto Rolf Kuchenbuch)

Gewächshauspark „Issyk-Kul“ in Kirgistan: FHWS und kirgisische Universitäten arbeiten zusammen.

 

Bis Mai 2019 läuft Machbarkeitsuntersuchung zum Aufbau
eines Gewächshaus- und Technologieparks in Kirgistan

 

Einen Gewächshauspark zur ganzjährigen Gemüseproduktion zu
errichten, mag aus deutscher Sicht Stand der Technik sein. In dem
zentralasiatischen Hochgebirgsland Kirgistan ist das hingegen
nicht selbstverständlich. Im Rahmen des BMBF-
Förderprogrammes „Client II“ fördert das Bundesministerium für
Bildung und Forschung für sechs Monate das Definitionsprojekt
„ProVeCA – Protected Cultivation of Vegetables for Central Asia”
zur Durchführung einer Machbarkeitsuntersuchung, in der die
Realisierung eines Gewächshausparks am Gebirgssee Issyk-Kul
auf 1.600 Metern Höhe in Kirgistan in Kombination mit einem
Technologie- und Ausbildungspark zur ganzjährigen Produktion
von Gemüse sondiert werden soll. Das Projekt leitet Professor Dr.-
Ing. Veselin Panshef von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt
(FHWS). Von den Projektfördergeldern bezahlt die FHWS zwei
halbe Stellen für Projektmitarbeiter. Am Projekt beteiligt sind
neben der FHWS drei Universitäten aus Kirgistan, an denen zwei
deutsche Dozenten, die für den Deutschen Akademischen
Austauschdienst (DAAD) dort arbeiten, ein international tätiges
Forschungscenter im Bereich Agroforestry sowie Vertreter von
klein- und mittelständischen Unternehmen.

Der Ala-Archa-Nationalpark liegt vierzig Kilometer von der Hauptstadt Bishkek
entfernt. (Foto Rolf Kuchenbuch)

 

Mit sechs Millionen Menschen lebt Kirgistans Bevölkerung zu 41
Prozent unterhalb der Armutsgrenze in einem zu achtzig Prozent
gebirgigen Land mit extrem unterschiedlichen Klimazonen und
wenig Niederschlägen. Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten
Wirtschaftsfaktoren, sie hat einen Anteil von rund 15 Prozent am
Bruttosozialprodukt und stellt einen Anteil von ca. vierzig Prozent
an Beschäftigten. Sie ernährt mit Getreide sowie Viehzucht die
Bevölkerung überwiegend für den Eigenbedarf
(Subsistenzwirtschaft). Die Infrastruktur des Landes ist aufgrund
der Gebirgszüge und fehlender Schienen- und Wasserwege sehr
kompliziert, die Versorgung mit Düngemitteln sowie Maschinen ist
knapp, die Bewässerungskanäle sind in einem schlechten
Zustand.
Die Messlatte der angestrebten Projektziele liegt hoch: Zum einen
sollen die Lebensgrundlagen der kirgisischen Bevölkerung
verbessert und möglichen Fluchtursachen durch optimierte
Ernährung und Gesundheit, Bildung und Knowhow-Transfer,
Schaffung von Arbeitsplätzen sowie einer nachhaltigen
Existenzgrundlage begegnet werden. Zum zweiten soll die
Bildung und Forschung in Deutschland gefördert werden, und zum
dritten sollte die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen
gestärkt werden.

Das Gletscher-Abflusswasser ließe sich für die Treibhäuser nutzen, wenn man
die Sedimente darin entfernt. (Foto Rolf Kuchenbuch)

 

Die Region um den See Issyk-Kul habe gegenüber weiteren
Regionen des Landes deutliche Entwicklungsvorteile, so
Professor Dr. Rolf Kuchenbuch (angewandter Pflanzenernährer
an der Nationalen Agrar-Universität sowie der KirgisischTürkischen
Manas Universität) und Dr.-Ing. Stefan Dilfer, DAAD
Fachlektor für Ingenieurwissenschaften an der Staatlichen
Kirgisischen Technischen Universität in der kirgisischen
Hauptstadt Bischkek. Sie bietet eine Nähe zu den
Verbrauchermärkten, zu Service- und Logistik-Unternehmen
sowie zu Ausbildungsstätten und Verwaltungszentren. Aufgrund
ihrer natürlichen und geschaffenen Voraussetzungen (Klima,
Wasser, Verkehrsinfrastruktur) besitzt sie optimale Grundlagen für
die Entwicklung eines spezialisierten Pflanzenbaus. Das
Verbundvorhaben verfolge, so Projektleiter Professor Dr.-Ing.
Veselin Panshef, das Ziel, einen Gewächshaus-/Technologiepark
zu errichten, mit dessen Hilfe Kleinbauern in modular aufgebauten
Gewächshäusern Gemüse ganzjährig produzieren können.
Produktionsbegleitend soll den Kleinbauern eine Beratung zu
finanziellen und produktions- sowie agrartechnischen
Fragestellungen angeboten werden. Der geplante
Technologiepark biete die Chance, die Produktion und den Absatz
von Gemüse selbständiger (Klein-) Betriebe zu bündeln sowie
angepasste Technologien in einem Maßstab zentral zur
Verfügung zu stellen, die sowohl den Anforderungen der
Gemüsebaubetriebe, als auch dem Naturraum gerecht werden.
Der Hochgebirgssee Issyk-Kul ist ein Wahrzeichen Kirgisistans
und zum Teil UNESCO-Biosphärenreservat. Das erfordert die
konsequente Berücksichtigung der Bereiche Klimaschutz,
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, die bei der Errichtung und
dem Betrieb eines Technologieparks eingehalten werden müssen.
Eine Ausweitung des Gemüsebaus am Gebirgssee scheiterte
bisher an der klimatisch bedingten kurzen Vegetationsdauer, der
fehlenden Spezialisierung und technischen Ausstattung, der
geringen Möglichkeit der beruflichen Aus- und Weiterbildung
sowie wegen des geringen Organisationsgrads in der Produktion
und im Absatz der zahlreichen (Kleinst-) Bauernbetriebe. Diesen
und weiteren Herausforderungen stellt sich das Projekt.

Straßenmarkt in der kirgisischen Hauptstadt Bishkek.(Foto Rolf Kuchenbuch)

 

Im Rahmen des ProVeCA-Verbundprojektes erfolgt eine Reihe
von Voruntersuchungen. So sollen beispielsweise vor Ort
bestehende Gewässer zur Bewässerung des Gemüses und zur
Kühlung der Gewächshäuser im Sommer genutzt werden. Hierzu
müssen im Vorfeld die technischen Anforderungen zur
Aufbereitung des Gletscherwassers (es enthält GletscherSedimente),
des Wassers des Issyk-Kul (mit einem relativ hohen
Salzgehalt) sowie des vorhandenen Grundwassers
(Entnahmemenge sowie Härtegrad) festgestellt werden. Auch die
Frage der Reinigung, ggf. Rückführung und/oder der Nachnutzung
des Abwassers sollte geklärt werden. Darüber hinaus muss ein
Konzept entwickelt werden zur Entsorgung bzw. Aufarbeitung und
Verwendung von „Abfall“. Die Festlegung der anzubauenden
Gemüsesorten, deren energieeffizienter Anbau und die
entsprechende Gewächshausplattform sowie der Einsatz eines
Heizsystems gegen die winterlichen Minusgrade unter Nutzung
vorhandener heißer Quellen, die Nutzung von Sonne, Wind und
Biomasse als Energieträger, um Energie unabhängig wie
umweltfreundlich zur Verfügung zu stellen, sollte völlig neu
konzipiert werden. Zudem steht die Konzeptentwicklung zur
Fachausbildung der Gartenbau-Betriebsmitarbeiter sowie zur
Ausbildung lokaler Mitarbeiter zur Produktionsberatung der
Betriebe an. Notwendige Genehmigungsverfahren und die
Einbindung relevanter kirgisischer Regierungsorganisationen in
die Projektumsetzung müssten festgelegt und ausgeführt werden.

Im links abgebildeten Bodensubstrat in Kirgisistan erhalten die Pflanzen zu viel
Wasser, das rechte ist hart wie Zement und lässt kein Leben und Wachstum
zu. Alternativen sind gefragt. (Foto Rolf Kuchenbuch)

 

Weiterhin stellen sich die Fragen der vorhandenen Infrastruktur
sowie der Vermarktung der verderblichen Produkte: Die
Fahrzeuge müssen hohe, enge Passstraßen bei Eis und Schnee
wie bei Hitze bewältigen, Bahnverbindungen sind kaum oder nicht
nutzbar. Ausgebaut wird die vorhandene Infrastruktur
möglicherweise im Zuge des chinesischen Prestigeprojekts der
„neuen“ Seidenstraße. Die kirgisische Regierung möchte die
Märkte der Eurasischen Zollunion erreichen, da dort die
Anbauzeiträume unterschiedlich sind, sodass Kirgisistan
zeitversetzt verschiedene Märkte der ehemaligen Sowjetunion
beliefern könnte.
Treibhäuser seien sehr wartungsintensiv und benötigten
ausgebildetes Fachpersonal mit „grünem Daumen“, so die
Mitarbeiter des Unternehmens Gefoma Gewächshausbau und –
planung, Dr. Christian Huber und Georg Baumgartner. Die beiden
Projektmitarbeiter Peter Straub und Benedikt Kirch setzen beim
Betrieb der Gewächshäuser auf Smartphones als zentrale Module
mit einer entsprechend auf die Bedürfnisse abgestimmten
Systemsoftware und -technik, die möglichst störungsfrei gehalten
werden sollte.
Das aktuelle halbjährige Definitionsprojekt dient zur Vorbereitung
und Erstellung eines Vollantrages, der bis zum 31. Mai 2019 beim
BMBF einzureichen ist. Dazu ist die Durchführbarkeit des
Projektes abzuschätzen, ein internationales
Forschungskonsortium aufzubauen und öffentliche wie private
Anteilseigner zu finden, die sich am Projekt beteiligen. So müssen
beispielsweise die Kosten geschätzt sowie die technischen
Lösungsansätze auf jetzt schon zu erwartende Problemstellungen
ermittelt und bewertet werden. Forschende Partner sollten zur
Lösung anfallender wissenschaftlicher Fragestellungen in den
Bereichen des Klimaschutzes, des Energieeinsatzes sowie des
Pflanzenbaus eingebunden werden. Kontakte zu Institutionen, zur
Industrie und Politik in Kirgistan sowie zum Wirtschaftsattaché der
Deutschen Botschaft in der Hauptstadt Bischkek müssen
aufgebaut bzw. vertieft werden.
Zur Hintergrundinformation
Seit dem Jahr 2015 existiert zwischen der Hochschule WürzburgSchweinfurt
und der Staatlichen Kirgisischen Technischen
Universität ein sogenanntes „Memorandum of Understanding“
(Absichtserklärung), nach dem beide Seiten ihr Interesse
bekunden, im Bereich Forschung und Bildung
zusammenzuarbeiten

 






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