Deutsche Krebshilfe fördert CCC Mainfranken erneut mit drei Millionen Euro

Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Comprehensive Cancer Center (CCC)

Mainfranken ist und bleibt ein Onkologisches Spitzenzentrum. Das bestätigt die kürzlich

erfolgte, turnusgemäße Begutachtung durch die Deutsche Krebshilfe. Die erfolgreiche

Re-Zertifizierung ist verbunden mit einer erneuten Förderung von drei Millionen Euro in den kommenden vier Jahren.

 

Mit dem seit dem Jahr 2007 bestehenden Förderprogramm „Onkologische Spitzenzentren“ will die Deutsche Krebshilfe dazu beitragen, die Krebsmedizin bundesweit immer weiter zu verbessern. Integrierte Krebsbehandlungs- und Krebsforschungs-Zentren, die zu dieser Königsklasse gehören und in den damit verbundenen Genuss der Fördergelder kommen wollen, müssen sich alle vier Jahre einem Begutachtungsprozess durch eine internationale Gutachterkommission stellen. So, wie es in diesem Jahr das Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken tat. Für die Würzburger Einrichtung war dies schon die zweite erfolgreiche Begutachtung seit der Erstaufnahme in den Kreis der Spitzenzenten im Jahr 2011.

Ergebnis: Das Zertifikat wurde für weitere vier Jahre zuerkannt und die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Exzellenzzentrum in den kommenden vier Jahren jährlich jeweils mit 750.000 Euro, was einer Gesamtförderung von drei Millionen entspricht.

Zentrale Anlaufstelle für Krebspatienten der Region

Das CCC Mainfranken ist ein sich auf ganz Mainfranken ersteckendes Zentrums-Netzwerk. Als Hauptleistungsträger und Organisationsmittelpunkt fungiert das Uniklinikum Würzburg (UKW). Dessen Ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Georg Ertl, ist dankbar für die wiederholte Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe und stolz auf die Leistungsfähigkeit der vom UKW und der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg grundfinanzierten Einrichtung: „Die Re-Zertifizierung bestätigt, dass das CCC Mainfranken seinem Auftrag als zentrale Anlaufstelle für Krebspatienten voll nachkommt. Sie werden hier interdisziplinär nach den aktuellen medizinischen Leitlinien behandelt und auf jede erdenkliche Weise – auch psychosozial – begleitet. Außerdem wird am CCC Mainfranken auf Spitzenniveau geforscht, was entscheidend zur internationalen Sichtbarkeit des Medizin- und Gesundheitsstandorts Würzburg beiträgt.“

Prof. Dr. Ralf Bargou, der Direktor des CCC Mainfranken, ergänzt: „Die Existenz eines interdisziplinären Krebszentrums ist zudem eine wichtige Voraussetzung für weitere zentrale Förderprogramme der Deutschen Krebshilfe, wie beispielsweise die Auswahl von Würzburg als eines von fünf deutschen Zentren für die Förderung eines neuen, auf die Tumorforschung ausgerichteten Mildred-Scheel-Nachwuchszentrums, das in den kommenden fünf Jahren mit zehn Millionen Euro unterstützt wird.“

Tumorboards für bestmöglichen, individuellen Behandlungsplan

Eine Kernfrage ist: Wie profitieren Menschen mit Tumorerkrankungen in der Region Mainfranken von einem Onkologischen Spitzenzentrum vor Ort? „Eine unserer wesentlichen Aufgaben ist die fächerübergreifende Versorgung“, schildert Prof. Bargou und fährt fort: „Um für jeden Krebspatienten den bestmöglichen Behandlungsplan zu erstellen, führen wir interdisziplinäre Fallkonferenzen, so genannte Tumorboards, durch. Hierbei erarbeiten die beteiligten Fachärzte in einer Konferenz für jeden einzelnen Patienten gemeinsam die Diagnose und einen individuellen Therapieplan. Dies erhöht die Behandlungsqualität ganz erheblich.“ Das multidisziplinäre Expertenteam bespricht in 18 wöchentlich stattfindenden Konferenzen allein am Würzburger Uniklinikum pro Jahr über 5.000 Fälle – in der Gesamtheit des regionalen Versorgungsnetzwerks sind es mittlerweile jährlich über 10.000.

Eine weitere wichtige Serviceleistung des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken sind interdisziplinäre Sprechstunden. Hier werden Patienten mit besonders komplexen Therapien gemeinsam von den an der Behandlung beteiligten Fachdisziplinen gesehen.

 

Erfolgsgeschichte Lotsensystem

Bestens bewährt hat sich laut Prof. Bargou zudem das vor vier Jahren gestartete Lotsensystem. Hierbei nehmen speziell geschulte Krankenschwestern und Medizinische Fachangestellte die Krebspatienten ab der Diagnosestellung quasi bei der Hand und sorgen dafür, dass sie das breite Behandlungs- und Unterstützungsprogramm des CCC Mainfranken auch sicher und zeitnah durchlaufen. Zudem sind die Lotsen zuverlässiger Ansprechpartner für Patienten, Angehörige sowie zuweisende Ärzte und stellen eine schnelle und gezielte Terminvergabe am Uniklinikum sicher. „Mittlerweile können wir auf einen Stab von sieben Lotsinnen zugreifen, die mit ihrem Spezialwissen fast alle Tumorarten abdecken“, berichtet Prof. Bargou. Dieser Service soll in naher Zukunft weiter personell aufgestockt werden.

Garant für flächendeckend hochwertige Versorgung

Zu den zentralen Forderungen und Prüfkriterien im Zertifizierungsprozess der Deutschen Krebshilfe gehört die „flächendeckende Leistung“. Dem kommt das CCC Mainfranken durch eine sehr gute Vernetzung in der Region nach. Aktuell hat die Einrichtung 33 regionale Partner: Krankenhäuser, niedergelassene Fachärzte und Reha-Einrichtungen. „Mit diesem Netzwerk sind wir in der Lage, auch in ländlich geprägten Räumen hochwertige Leistungen anzubieten. Der weitere Ausbau des regionalen Versorgungsnetzwerks ist eines der zentralen Ziele des CCC Mainfranken in den kommenden vier Jahren. Wir sind daher offen für innovative Kooperationsmodelle und Technologien, wie zum Beispiel Telemedizin“, unterstreicht Prof. Bargou.

Spitze in der Erforschung neuer Therapieansätze

Neben der Behandlung und Betreuung der Krebspatienten auf höchstem Standard wird am CCC Mainfranken auch Spitzenforschung betrieben. So zählt die Einrichtung zum Beispiel zu den weltweit führenden Zentren auf dem Gebiet der Immuntherapie. Außerdem wurde in den letzten Jahren ein neuer Forschungsschwerpunkt im Bereich der personalisierten Medizin – oder auch Präzisions-Onkologie – aufgebaut. „Bei unseren Forschungsbemühungen geht es uns in erster Linie um den Transfer vom Labor ans Krankenbett“, beschreibt Prof. Bargou. Ein Punkt, den auch die Gutachter bei der Re-Zertifizierung besonders würdigten.

Vorbildlich bei experimentellen Therapien

Eine Struktur des Zentrums, die es erlaubt, neueste Erkenntnisse aus der Forschung möglichst rasch bei ansonsten unheilbaren Krebserkrankungen klinisch anzuwenden, ist die Phase I-Unit oder auch Early Clinical Trial Unit (ECTU). Die ECTU ist eine hochspezialisierte, interdisziplinäre klinische Einheit, die sich ausschließlich auf die Durchführung neuer und experimenteller Therapieansätze zur Behandlung von Krebspatienten konzentriert. Die Phase I-Unit des CCC Mainfranken war eine der ersten Einheiten dieser Art in Deutschland und hat mittlerweile eines der größten entsprechenden Studienprogramme in Europa. „Unsere ECTU hat mindestens deutschlandweiten Vorbildcharakter. So empfangen wir häufig Abordnungen anderer Uniklinika, die sich über die hier gefundenen Lösungen und Strukturen informieren“, zeigt sich Prof. Bargou zufrieden.

Eine weitere Stärke des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken liegt in der Entwicklung neuer, besonders schonender Verfahren bei der Strahlentherapie, der Entwicklung neuer operativer Verfahren – sogenannter Präzisionschirurgie – und der molekularen Bildgebung. Letztere ermöglicht eine noch präzisere Diagnostik und damit auch eine noch effektivere Therapie.

Viele therapiebegleitende Angebote

Auch bei den therapiebegleitenden Angeboten ist das CCC Mainfranken stark. Dazu zählen beispielsweise eine enge Kooperation mit Selbsthilfegruppen, eine Sprechstunde für komplementäre Onkologie und integrative Medizin sowie Beratung und Hilfe bei psychosozialen Problemen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung.

Forderung: In Zukunft adäquate Finanzierung auch durch Krankenkassen

Dass die beim CCC Mainfranken und den anderen deutschen Onkologischen Spitzenzentren offerierte Leistungsvielfalt ihren Preis hat, liegt auf der Hand. „Dieses hohe Niveau der Patientenversorgung ist nur durch erhebliche Mehrleistungen der Zentren möglich, die weit über eine Regelkrankenversorgung hinausgehen und daher mit einem erheblichen finanziellen Mehraufwand in den Zentren verbunden sind“, sagt Gerd Nettekoven. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe betont: „Unsere Förderung deckt nur einen Teil dieser Mehrleistungen ab. Wir haben dies kürzlich durch ein unabhängiges Gutachten ermitteln lassen“. Im Nationalen Krebsplan sei die Bedeutung zertifizierter Versorgungsstrukturen als essenziell für die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen und der Qualitätssicherung hervorgehoben und somit in der Gesundheitspolitik platziert. „In Zukunft wird es darum gehen, die Finanzierung dieser Strukturen adäquat und geregelt – auch durch die Krankenkassen – sicherzustellen“, so Nettekoven.

Mehr dazu unter www.krebshilfe.de und www.ccc.uni-wuerzburg.de

Bildunterschrift:

 

Patientenlotsin.jpg

 

Am Comprehensive Cancer Center Mainfranken stehen Patientenlotsen den Patienten über den gesamten Zeitraum der interdisziplinären Behandlung zur Seite – vom Erstkontakt bis zur Entlassung.

Bild: Anna Wenzl / Uniklinikum Würzburg