Verständlich, praktisch, barrierearm

Bild: Bei der Ortsbegehung am Busbahnhof wurde demonstriert wie ein
barrierearmer Zugang aussehen kann.

 

Fachveranstaltung klärt über breites Spektrum der Barrierefreiheit
auf
Barrierefreiheit betrifft nur ältere Menschen oder Menschen mit
Behinderung – denkt man vielleicht. Aber: Was, wenn Sie mit dem
Kinderwagen unterwegs sind, in einen Bus steigen oder in den
zweiten Stock kommen wollen? Was, wenn Sie sich den Knöchel
verstaucht haben und an Krücken gehen müssen? Was, wenn Sie
einen Brief aus dem Rathaus bekommen und das „Amtsdeutsch“
nicht verstehen?
In Situationen wie diesen spielt Barrierefreiheit bzw. -armut eine
Rolle. Denn das Thema umfasst weit mehr als nur die Bereiche
Bauen und Wohnen und betrifft auch nicht nur Behinderten- und
Seniorenbeauftragte, sondern im Grunde jeden.
Darum wurde bei der Abschlussveranstaltung der Reihe „Die
barrierearme Kommune“ auf Themen jenseits von Leitsystemen für
Sehbehinderte und den Wegfall von Stufen eingegangen. Bei dem
Termin in Hammelburg erklärte Landrat Thomas Bold: „Der Abbau
von Barrieren ist ein Thema, das alle Generationen betrifft.
Komplette Barrierefreiheit herzustellen ist zwar nicht einfach, aber
dennoch können wir vieles auf kommunaler Ebene anstoßen.“
Zum Beispiel die Sache mit der Sprache, insbesondere der Fachund
Behördensprache, bekräftigte das Landkreisoberhaupt: „Die
Notwendigkeit zum Abbau von Barrieren betrifft auch unsere
Sprache – vor allem die Behördensprache. Untersuchungen
besagen, dass ein Viertel unserer Mitmenschen von einfacher
Sprache profitiert.“
Wie sich Texte auf Internetseiten, in Bekanntmachungen,
Einladungen oder Schreiben vereinfachen lassen, erklärte die
Referentin Annika Hörenberg vom „Netzwerk verständliche
Sprache“ in Würzburg.
Manche Themen sind so komplex, erklärte sie, dass Fachleute sich
damit befassen müssen. Für diese ist es untereinander natürlich
leichter, den Experten-Wortschatz zu benutzen, weil er vieles besser
auf den Punkt bringt. Der Bürger sollte aber trotzdem Sinn und
Zweck der Sache verstehen.
Darum ist es bei Briefen und Texten, die sich an den Bürger bzw.
die Öffentlichkeit richten, wichtig, sich zu fragen: Was meine ich
eigentlich? Welches Ziel verfolge ich mit dem Schreiben? Zudem
sollte man Fachbegriffe erklären und gebräuchliche Worte
verwenden. Daneben sollte man verständliche Sätze bilden und das
Anliegen kurz und aussagekräftig rüberbringen.

Nach dem kurzweiligen Vortrag stellte Antje Rink, Projektmanagerin
Demografie, die Erkenntnisse aus der zweijährigen Beschäftigung
mit dem Thema „Barrierearme Kommune“ vor. Das
Regionalmanagement hat in diesem Rahmen umfangreiche
Arbeitshilfen erstellt, auf die die Kommunen zurückgreifen können
– unter anderem kompakte Checklisten für Gebäude und
Einrichtungen, für Straßen, Wege und Plätze und für
Veranstaltungen und Internetseiten. Die Checklisten zeigen auch
auf, wie sich mit einem kleinen Budget Maßnahmen zum Abbau von
Barrieren durchführen lassen. Sie sind online abrufbar
(https://www.landkreis-badkissingen.de/buerger–politik/buergerservice/fachbereiche-undabteilungen/regionalmanagement/aufgabenbereiche/demographie/index.html)
und werden den
Gemeinden in gedruckter Form zur Verfügung gestellt.
Cordula Kuhlmann, Leitung des Regionalmanagements des
Landkreises, gab im Anschluss einen Ausblick. Man wolle weiter am
Thema „Barrierearme Kommune“ arbeiten und Ortsbegehungen und
Workshops anbieten. Auch wolle man gemeinsam mit dem
Kommunen am Thema „Leichte Sprache“ dranbleiben, sodass
Behördenthemen verständlicher kommuniziert werden.
Danach ging es nach draußen zu einer kurzen Ortsbegehung. Am
Hammelburger Busbahnhof, Haltestelle ZOB Turnhouter Straße,
zeigten der Nahverkehrsbeauftragte des Landkreises, Michael
Schäder, und der Geschäftsführer der KOB GmbH Claus Schubert
die Vorteile einer barrierefreien Haltestelle auf. Diese hat
verschiedene Bodenbeläge zur Orientierung und einen erhöhten
Bordstein. Viele Busse im Landkreis sind sogenannte
„Niederflurbusse“. Bei diesen ist der Zustieg einfacher, weil sie
gewissermaßen „tiefergelegt“ sind. Wenn Bus und Bordstein auf
einer Höhe sind, ist es leichter mit Rollstuhl oder Kinderwagen
einzusteigen. Auch mithilfe einer ausklappbaren Rampe kommt man
besser in das Fahrzeug, erklärte Claus Schubert.
Was für viele interessant war: Menschen mit Behinderung, die mit
einem KOB-Bus im Raum Hammelburg und Bad Brückenau fahren
wollen, können sich vorher bei der KOB GmbH melden. Unter der
Nummer 0171/79 98 484 können sie zu den Geschäftszeiten der
KOB GmbH (Mo.-Do. 7:30 – 16:00 Uhr / Fr. 7:30 – 12:00 Uhr)
erfragen, ob der Bus barrierearm ist. Das sollte mindestens einen
Tag vorher und bis spätestens 16 Uhr geschehen. Die Mitarbeiter
der KOB GmbH sorgen dann, soweit möglich, dafür, dass bei der
gewünschten Fahrt ein barrierearmer Bus eingesetzt wird.

Annika Hörenberg vom „Netzwerk verständliche Sprache“ in
Würzburg referiert über verständliche Sprache. (Fotos: Lena Pfister)